Leitzins - Definition, Statistiken, Wirkung

Was ist der Leitzins?

Definition: Der Leitzins ist die umgangssprachliche Bezeichnung für den Hauptrefinanzierungssatz. Dieser ist das wichtigste Instrument zur Steuerung der Geldpolitik durch die jeweilige Zentralbank und gibt den Preis an, zu dem sich Kreditinstitute mit Zentralbankgeld versorgen können.

Entwicklung der Leitzinsen im Euro-Raum, England, Japan, Schweiz und USA

Mit den Leitzinsen steuern die Zentralbanken einzelner Länder oder - wie im Falle der EU - ganzer Wirtschaftsräume, die Geldpolitik.

Der Leitzins bezeichnet dabei denjenigen Zinssatz, zu welchem sich die Geschäftsbanken bei der jeweiligen Zentralbank so genanntes Zentralbankgeld beschaffen können.

Dazu müssen sie meist Wertpapiere als notenbankfähige Sicherheiten verpfänden, was man auch als Wertpapierpensionsgeschäft bezeichnet, wenn diese Verpfändung mit einer vertraglich zugesicherten Verpflichtung zum Rückkauf der Wertpapiere einhergeht.

Durch die Steuerung der Geldpolitik über die Leitzinsen versuchen die Notenbanken etwa Einfluss auf die Inflation zu nehmen. Gleichzeitig dient der Leitzins neben anderen Referenzzinssätzen im Interbankenmarkt wie etwa dem EONIA für unbesichertes Tagesgeld oder dem EURIBOR für Termingelder mit unterschiedlichen Laufzeiten als Indikator für die Entwicklung der Zinsen im Bereich von Krediten sowie Tages- oder Festgeldern.

Leitzinsen für den Euro-Raum, England, Japan, die Schweiz und die USA

Wie sich die Leitzinsen für den Euroraum, England, Japan, die Schweiz und die USA seit 2005 entwickelt haben, zeigen wir Ihnen im nachfolgenden Diagramm:

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Quellen:

  • Deutsche Bundesbank
  • Federal Reserve System
  • Bank of Japan
  • Schweizerische Nationalbank
  • Bank of England
Quellen:

Die Zinsschritte der EZB im Überblick:

Datum Hauptrefinanzierungszins (Leitzinssatz) Zinsschritt in Prozentpunkten
03.02.2000 3,25 % + 0,25
16.03.2000 3,50 % + 0,25
27.04.2000 3,75 % + 0,25
08.06.2000 4,25 % + 0,50
31.08.2000 4,50 % + 0,25
05.10.2000 4,75 % + 0,25
10.05.2001 4,50 % - 0,25
30.08.2001 4,25 % - 0,25
17.09.2001 3,75 % - 0,50
08.11.2001 3,25 % - 0,50
05.12.2002 2,75 % - 0,50
06.03.2003 2,50 % - 0,25
05.06.2003 2,00 % - 0,50
06.12.2005 2,25 % + 0,25
02.03.2006 2,50 % + 0,25
08.06.2006 2,75 % + 0,25
03.08.2006 3,00 % + 0,25
05.10.2006 3,25 % + 0,25
07.12.2006 3,50 % + 0,25
08.03.2007 3,75 % + 0,25
06.06.2007 4,00 % + 0,25
03.07.2008 4,25 % + 0,25
08.10.2008 3,75 % - 0,50
06.11.2008 3,25 % - 0,50
04.12.2008 2,50 % - 0,75
15.01.2009 2,00 % - 0,50
05.03.2009 1,50 % - 0,50
02.04.2009 1,25 % - 0,25
07.05.2009 1,00 % - 0,25
07.04.2011 1,25 % + 0,25
07.07.2011 1,50 % + 0,25
03.11.2011 1,25 % - 0,25
08.12.2011 1,00 % - 0,25
05.07.2012 0,75 % - 0,25
02.05.2013 0,50 % - 0,25
07.11.2013 0,25 % - 0,25
05.06.2014 0,15 % - 0,10
04.09.2014 0,05 % - 0,10
10.03.2016 0,00 % - 0,05
Stand: 16.12.2018

Einfluss sinkender und steigender Leitzinsen auf die Verzinsung von Tages- und Termingeldern

Sinkt der Leitzins, wird die Ausleihung von Zentralbankgeld durch die Geschäftsbanken günstiger. Von daher müssen sie Anlegern nicht mehr so hohe Zinsen etwa auf Tages- oder Festgeld bieten, um auf diesem Weg an frische Einlagen zu gelangen. Über kurz oder lang werden von daher nach einer Leitzinssenkung die Zinsen auf Tages- oder Termingelder sinken.

Umgekehrt verhält es sich bei einer Erhöhung der Leitzinsen. Die Beschaffung von Zentralbankgeld verteuert sich nun durch die Geschäftsbanken, wodurch diese einen Anreiz haben, über höhere Zinsen auf Tages- oder Festgelder Kapital von Verbrauchern und Unternehmen einzuwerben.

Die wirtschaftspolitische Bedeutung des Leitzinses sowie die Auswirkungen steigender oder sinkender Leitzinsen haben wir in der nachfolgenden Infografik für Sie aufbereitet:

Bedeutung des Leitzinses und Auswirkungen von Änderungen

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Wie hoch derzeit die Zinsen aufs Tagesgeld und Festgeld sind, können Sie unseren Vergleichen auf den folgenden Seiten entnehmen:

Wie sich Änderungen des Leitzinses auswirken

Änderungen des Leitzinses haben eine ganze Reihe von direkten und indirekten Auswirkungen - auf die Zinsen für Kunden, die Kreditnachfrage von Verbrauchern und Unternehmen, die Nachfrage nach Investitions- und Konsumgütern im Inland, das Preisniveau und die Refinanzierungskosten der Banken. In welche Richtung sich welcher dieser Faktoren bei einer Senkund oder Erhöhung des Leitzinses bewegt, zeigt unsere Infografik auf:

Infografik zu den Auswirkungen von Senkung oder Erhöhung des leitzinses

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Leitzins-Prognose der Federal Reserve (Fed) März 2017

Die US-Notenbank Fed geht davon aus, dass der Leitzins der USA in den nächsten Jahren kontinuierlich steigen wird. Das Federal Open Market Committee (FOMC) – der Offenmarktausschuss der Fed, bestehend aus 12 Mitgliedern – prognostiziert langfristig einen Leitzins von 3,0 %. Dieser soll 2019 erreicht werden.

Mit welchen Leitzinsen die FED sowie der Offenmarktausschuss (Federal Open Market Committee - FOMC) bis Ende 2019 rechnen

Zugleich gibt das FOMC einen Einblick, wie sie die künftige Entwicklung des Bruttoinlandproduktes (BIP), der Arbeitslosenquote und der Inflation der Konsumausgaben einschätzt. Beim BIP geht es langfristig von einer Veränderung von 1,8 % aus.

Die Arbeitslosenquote soll Ende 2017 bei 4,5 % liegen und bis Ende 2019 konstant bleiben. Bei der Inflation der Konsumausgaben glaubt die Fed ebenfalls an Konstanz. 1,9 % sollen es Ende 2017 sein, 2,0 % Ende 2019.

Datum Hauptrefinanzierungszins USA Zinsschritt in Prozentpunkten
17.12.2015 0,50 % + 0,25
14.12.2016 0,75 % + 0,25
15.03.2017 1,00 % + 0,25
14.06.2017 1,25 % + 0,25
14.12.2017 1,50 % + 0,25
21.03.2018 1,75 % + 0,25
13.06.2018 2,00 % + 0,25
Prognose 2019 ca. 3,00 % -
Stand: 16.12.2018

Markterwartungen zur Entwicklung der Leitzinsen

Mit welchen Leitzinsen in den kommenden Jahren zu rechnen ist und welcher Prozentsatz an Staatsanleihen sich in den Bilanzen der Notenbanken befindet

Nicht nur die Fed rechnet mit einem steigenden Leitzins. Auch die Märkte gehen von steigenden Leitzinsen aus – und zwar nicht nur in den USA, sondern auch in Großbritannien, der Eurozone und Japan.

So prognostizieren die Märkte, dass der US-Leitzins bis März 2021 auf über 2,0 Prozent steigen wird. Die Leitzinsen in Großbritannien werden deutlich über die 0,5 Prozent klettern und sowohl in Japan als auch in der Eurozone werden sich die Leitzinsen aus dem negativen Bereich in den positiven entwickeln.

Mit welchen Leitzinsen in den kommenden Jahren in den USA zu rechnen ist

Die USA nehmen dabei, wie an der aktuellen Entwicklung zu sehen ist, eine Vorreiterrolle ein. Seit die Fed damit begonnen hat, den US-Leitzins schrittweise anzuheben, steigen auch die Erwartungen an die Europäische Zentralbank und die Bank of England. Ein Nachziehen ist sehr wahrscheinlich.

Für Sparer heißt das, sie sollten langfristig mit steigenden Zinsen rechnen. Das Ende der Nullzins-Politik ist in Sicht. Bei Investitionen sollten sie diese Entwicklung einplanen.