Die 10 wichtigsten Fragen zur Einlagensicherung

Ist mein Sparguthaben sicher? Diese Frage werden sich die meisten Sparer schon einmal gestellt haben. Nicht immer ist sofort klar, welches Institut Einlagen in welcher Höhe absichert. Dank der gesetzlichen Einlagensicherung gibt es in Deutschland jedoch für alle Banken eine Mindesthöhe, bis zu der Einlagen geschützt sein müssen. Die Regeln für die gesetzliche Einlagensicherung sind sogar in der gesamten EU einheitlich. Wir haben uns nachfolgend den 10 wichtigsten Fragen rund um die Einlagensicherung gestellt und diese detailliert beantwortet. (UPDATE am 06.02.2018)

1. Wie hoch ist die gesetzliche Einlagensicherung?

Die gesetzliche Einlagensicherung (in Deutschland z. B. über die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH) schützt Einlagen bis zu einem Betrag von 100.000 Euro pro Kunde. Sämtliche Banken sind verpflichtet einer entsprechenden Entschädigungseinrichtung anzugehören (siehe: Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz – EAEG).

Ausnahmen bilden Sparkassen, Landesbanken, Landesbausparkassen sowie Genossenschaftsbanken, die eigene Sicherheitssysteme besitzen. Diese sind zwar nicht mehr von der Zuordnung zu einem Einlagensicherungssystem befreit, können ihre verbundsinternen Systeme aber anerkennen lassen - so steht es im Einlagensicherungsgesetz vom 28. Mai 2015. Dies ist auch geschehen. Sowohl die Institutssicherungen der Sparkassen-Finanzgruppe als auch die des BVR wurden von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) anerkannt.

Ebenfalls im Einlagensicherungsgesetz verankert ist die Verpflichtung, dass deutsche Einlagensicherungssysteme ein Mindestvermögen von 0,8% der gedeckten Einlagen aufbauen müssen. Enthalten im gesetzlichen Entschädigungsanspruch sind ggf. auch Ansprüche auf Zinsen. Der Entschädigungsanspruch vermindert sich insoweit, als der durch den Entschädigungsfall eingetretene Vermögensverlust durch Leistungen Dritter ausgeglichen wird (EAEG § 4 Abs. 3).

2. Gilt die gesetzliche Einlagensicherung nur in Deutschland?

Die Europäische Union (EU) hat sich das Ziel gesetzt, die Einlagen privater Kunden in ihren Mitgliedsstaaten einheitlich zu schützen. Entsprechend sind die betreffenden Banken verpflichtet, einem staatlichen Einlagensicherungssystem des jeweiligen Landes anzugehören. Die derzeitigen Vorgaben sind in den EG-Richtlinien 94/19/EG und 2009/14/EG geregelt. Die Mitgliedsstaaten können allerdings in ihrer nationalen Gesetzgebung bessere Konditionen festlegen. Der garantierte Höchstbetrag liegt bei 100.000 Euro pro Kunde zu 100 %.

Die Einlagensicherung bis 100.000 Euro gilt in Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien (hier: 75.000 GBP – ca. 88.000 Euro), Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien und Ungarn.

Abweichende Regelungen gibt es z. B. in Norwegen (2 Mio. NOK), Island, Schweiz (100.000 CHF) und Russland.

3. Wie sind Einlagen über 100.000 Euro abgesichert?

Bei vielen Privatbanken in Deutschland existiert neben der gesetzlichen Einlagensicherung eine erweiterte (freiwillige) Einlagensicherung, z. B. über den Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands e.V. oder den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken (BdB). Über diese zusätzlichen Sicherungssysteme sind Einlagen von Privatkunden oft in Millionenhöhe oder sogar unbegrenzt abgesichert. Allerdings gilt in der Regel, dass Rechtsansprüche gegen die Fonds ausgeschlossen sind. Alle Leistungen erfolgen außerdem nur auf Basis der Leistungsfähigkeit des entsprechenden Fonds.

Neben den Einlagensicherungsfonds existieren bei Sparkassen bzw. Volksbanken & Raiffeisenbanken eigene Verbundsysteme. Diese Sicherungssysteme basieren auf dem Solidaritätsprinzip, d. h. wenn ein zugehöriges Institut zahlungsunfähig wird, übernehmen die übrigen Mitglieder des Verbunds dessen Verbindlichkeiten. Einlagen sind hier in praktisch unbegrenzter Höhe abgesichert.

4. Wie sicher ist mein Geld, wenn die Sicherungsgrenze des Einlagensicherungsfonds künftig sinkt?

2015 sank die Sicherungsgrenze des Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken von 30 % auf 20 % des haftenden Eigenkapitals des jeweiligen Finanzinstituts. Den normalen Sparer dürfte diese Entwicklung kaum treffen, wie das nachfolgende Beispiel zeigt. Darin haben wir die Absicherung der Einlagen von Privatkunden in Hinsicht auf die Entwicklung der Sicherungsgrenze dargestellt.

Beispiele Einlagensicherung des BdB Entwicklung bis 2025

Quelle: Tagesgeldvergleich.net/Consorsbank/Volkswagen Bank

Wissenswert: Die prozentuale Sicherheitsgrenze des Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken (BdB) wird in den kommenden Jahren weiter abgesenkt. Nach der Absenkung auf 20 % im Jahr 2015 folgt am 1. Januar 2020 eine weitere auf 15 %. Zum 1. Januar 2025 liegt der Prozentsatz dann nur noch bei 8,75 %. des haftenden Eigenkapitals. Wie unser Beispiel zeigt, bleibt der Einlagenschutz aber weiterhin hoch. Selbst wenn eine Bank nur über das hierzulande mindestens veranschlagte Eigenkapital von 5 Millionen Euro verfügen würde, betrüge die Mindestabsicherung 2025 noch 437.500 Euro. Bei einem angenommenen Durchschnittssparguthaben von 23.108 Euro (Stand: 2016 – Quelle: Bundesbank/Postbank) ausreichend. Außerdem gilt unvermindert die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro.

Durchschnittliche Sparguthaben in Deutschland nach Bundesländern

* Durchschnittswerte - Quelle: Bundesbank/Postbank

5. Wie viel Geld umfasst der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken?

Zur Höhe des Einlagensicherungsfonds (BdB) wird generell keine Stellung genommen. Schätzungen gehen von ca. 5 bis 5,5 Milliarden Euro aus. An anderer Stelle wird ein "niedriger zweistelliger Milliardenbetrag" genannt. Begründet wird das wenig transparente Verhalten u. a. mit wettbewerbsrechtlichen Gründen. Immerhin: Seit dem Entstehungsjahr 1976 hat der Entschädigungsfonds mehr als 30 Entschädigungsfälle abgewickelt und die gestellten Ansprüche immer erfüllt.

6. Wie lässt sich erkennen, ob meine Bank sicher ist?

Generell wird empfohlen, die staatliche Einlagensicherung immer zu beachten, d. h. bei einer Bank nicht mehr als 100.000 Euro zu parken. Wer mehr Kapital anlegen will, sollte sein Geld gegebenenfalls auf mehrere Finanzinstitute verteilen. Im Idealfall lässt sich der Anlagebetrag innerhalb des Drei-Säulen-Bankensystems verteilen – also auf Privatbanken, Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken. Wir empfehlen zusätzlich immer einen Blick auf die Bonität der Banken. Wie es um diese bestellt ist, lässt sich an den Ratings der Ratingagenturen ablesen. Mehr dazu findet sich in unserem separaten Ratgeber.

Bei Banken, die im europäischen Ausland angesiedelt sind, sollte geprüft werden, ob eine Einlagensicherung besteht. Üblicherweise sind die Einlagen über die europaweit einheitlich geregelte Einlagensicherung bis 100.000 Euro abgesichert. Für diese Sicherungssysteme haftet im Zweifel der jeweilige Staat, sodass erneut die Bonität ins Spiel kommt – in diesem Fall die entsprechenden Länderratings.

7. Wie wirkt sich die europ. Bankenunion auf die Einlagensicherung aus?

Im Rahmen der Finanzkrise wurde die Idee einer Bankenunion geschmiedet, die in den kommenden Jahren mehr Sicherheit und Stabilität in das europäische Finanzsystem bringen soll. Details dazu haben wir Ihnen bereits hier vorgestellt. Unter anderem sollen normale Sparer von der Reform profitieren.

Ein erster Pfeiler der Bankenunion steht bereits: Seit November 2014 hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Bankenaufsicht über rund 120 systemrelevante Banken übernommen (siehe Single Supervisory Mechanism, SSM – einheitlicher europäischer Bankenaufsichtsmechanismus). Die wichtigsten grenzüberschreitend tätigen Finanzinstitute mit einer Bilanzsumme von mehr als 30 Milliarden Euro werden nach einheitlichen Kriterien durch die EZB kontrolliert. Unter den 120 Großbanken sind auch 21 deutsche Finanzhäuser. Die übrigen ca. 6.000 Banken in Europa unterstehen weiterhin einer nationalen Finanzaufsicht. Allerdings hat sich die EZB generell das Recht vorbehalten im Notfall einzuschreiten – was viele Experten kritisch sehen.

Als zweiter Pfeiler wird der einheitliche Abwicklungsmechanismus (Single Resolution Mechanism – SRM) angesehen. Jener soll marode Banken restrukturieren oder abwickeln. In diesem Zusammenhang ist der Aufbau eines Notfallfonds geplant, in den die Banken der Eurozone innerhalb von 8 Jahren 55 Milliarden Euro packen werden. Bis 2022 zahlen die Finanzinstitute in ländereigene Töpfe, ab 2024 fließen die Gelder zusammen. Inwiefern der Betrag ausreicht, um systemrelevante Banken vor einer Pleite zu bewahren, darf indes hinterfragt werden.

Der letzte Pfeiler ist hinsichtlich der Spareinlagen von Privatkunden von besonderer Relevanz: Die Einlagensicherung. Basierend auf einem einheitlichen System (Deposit Guarantee Schemes – DGS) sind Einlagen bis zu einer Höhe von 100.000 Euro geschützt. Die Haftungskette sieht vor, dass zunächst die Eigentümer (bzw. Aktionäre) und Gläubiger einer kriselnden Bank zur Rettung herangezogen werden. Unterm Strich müssen diese für min. 8 Prozent der Bilanzsumme einstehen. Ist nicht genügend Geld vorhanden, werden Kunden mit Einlagen über 100.000 Euro ebenfalls beansprucht. Reicht das Kapital immer noch nicht, wird Geld aus dem Bankenabwicklungsfonds zugeschossen.

8. Wie lange dauert die Auszahlung im Entschädigungsfall?

Seit dem 31. Mai 2016 liegt die Auszahlungsfrist in Deutschland bei 7 Arbeitstagen. Innerhalb dieses Zeitfensters muss der Sparer sein Geld über die Einlagensicherung zurückerhalten. (Richtlinie 2014/49/EU). Die Ansprüche der Sparer verjähren nach fünf Jahren.

9. Wie viele Deutsche besitzen Spareinlagen über 100.000 Euro?

2014 lag nach einer Forsa-Umfrage der Anteil von Personen, die über ein Sparguthaben von mehr als 100.000 Euro verfügen bei rund 5 Prozent. Befragt wurden 1.676 Personen im Alter von 18 bis 69 Jahren.

Durchschnittliche Sparguthaben in Prozent

Quelle: Bank of Scotland

10. Wie sicher sind Tagesgeld und Festgeld?

Tagesgeld- und Festgeldkonten gehören zu den Anlagen, bei denen praktisch kein Risiko besteht. Wird die gesetzliche Einlagensicherung beachtet (bis 100.000 Euro) kann sich der Sparer im Grunde entspannt zurücklehnen. Sollen höhere Beträge angelegt werden, sollte sich der Anleger mit den erweiterten Einlagensicherungssystemen auseinandersetzen, die wir auf dieser Seite skizziert haben. Sicherlich bieten andere Geldanlagen gegebenenfalls bessere Renditeaussichten, allerdings steigt mit dem erwartbaren Zins in der Regel auch das Risiko.

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