Negativzinsen und Strafzinsen

Diese Banken berechnen Sparern bereits Strafzinsen

Unternehmen und institutionelle Anleger sehen sich bereits seit längerem mit negativen Zinsen fürs Parken von Geld konfrontiert. Nun sind so genannte "Verwahr-Gebühren" auch bei Privatkunden angekommen. Wir zeigen Ihnen, welche Banken Sparern bereits negative Zinsen berechnen:

Banken und Sparkassen mit Strafzinsen für Privatkunden

Kreditinstitut Negativzins seit/ab Zinssatz Ab Guthaben von
Baden-Württemberg
Volksbank Ettlingen k. A. -0,40% 1.000.000 EUR
Volksbank Baden-Baden Rastatt k. A. -0,40% je nach Einzelvereinbarung
Volksbank Freiburg k. A. -0,40% 750.000 EUR
Bayern
Raiffeisenbank Gmund 08/2016 -0,40% 100.000 EUR(Tagesgeld- & Girokonto)
Raiffeisenbank im Naabtal k. A. -0,60% 250.000 EUR git für Verträge ab dem 01.06.2017
(Tagesgeld- & Girokonto)
Flatex (Fintech Group) k.A. -0,40% k.A. (auf Cashkonto)
Berlin
Sparda-Bank Berlin 09/2017 -0,40% 100.000 EUR
(Tagesgeldkonto)
Hamburg
Hamburger Sparkasse 09/2018 -0,40% 500.000 EUR
Niedersachsen
Kreissparkasse Osterholz 01/2017 -0,40% für Einlagen über 1.000.000 EUR
(Girokonto)
Nordrhein-Westfalen
Sparkasse Köln-Bonn k.A. -0,40% für Einlagen in Millionenhöhe
Sachsen
Volksbank Raiffeisenbank Mittelsachsen k. A. -0,30% 100.000 EUR
Volksbank Dresden-Bautzen k. A. -0,40% 1.000.000 EUR
(Tagesgeldkonto)
Sachsen-Anhalt
Volksbank Stendal 10/2016 -0,40% 100.000 EUR
(Tagesgeld- & Girokonto)
Schleswig-Holstein
Raiffeisenbank Südstormarn Mölln 09/2016 -0,40% 1.000.000 EUR
(Spar- & Girokonten)
Thüringen
Deutsche Skatbank 11/2014 -0,40% 500.000 EUR (Tagesgeldkonto);
1.000.000 EUR (Girokonto)
Ethik Bank k. A. individuell Negativzinsen bzw. Verwahrgebühren in nicht genannter Höhe für Großeinleger.
Volksbank Eisenberg eG k. A. individuell Negativzinsen bzw. Verwahrgebühren in nicht genannter Höhe für Großeinleger.
Stand: 21.08.2018; alle Angaben ohne Gewähr;

Banken und Sparkassen mit Strafzinsen für institutionelle Kunden

Kreditinstitut Negativzins seit/ab Zinssatz Ab Guthaben von
Baden-Württemberg
Sparkasse Rhein-Neckar k.A. -0,40% k.A.
Volksbank Lahr 02/2017 k. A. 250.000 EUR bei Firmenkunden und Kommunen
Sparkasse Hanauer Land 03/2017 -0,40% 500.000 EUR bei Firmenkunden
Bayern
V-Bank München 10/2016 -0,40% 500.000 EUR
Kreissparkasse Augsburg 12/2016 -0,40% 1.000.000 EUR für Kommunen
Sparkasse Allgäu 01/2017 k. A. (-0,40%) 250.000 EUR bei Geschäftskunden und Kommunen
Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen 01/2017 -0,40% k.A. bei Geschäftskunden und Kommunen
Sparkasse Nürnberg 01/2017 -0,40% 1.000.000 EUR bei Firmenkunden
Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg 02/2017 -0,40% Freibetrag von 50,00% der Giro- und Geldmarktsalden (Jahr: 2015) von Geschäftskunden und Kommunen
Raiffeisenbank Isar-Loisachtal 04/2017 -0,40% 2 x 200.000 EUR Freibetrag
Sparkasse München 04/2017 -0,40% 250.000 EUR bei Firmenkunden
Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte eG k. A. -0,40% 500.000 EUR bei Firmenkunden
Berlin/Brandenburg
Mittelbrandenburgische Sparkasse (MBS) 03/2017 -0,40% Für Neukunden: ab 500.000 EUR bei Unternehmen und institutionellen Anlegern
Hamburg
Hamburger Sparkasse 01/2017 -0,40% individuelle Vereinbarung
Volksbank Hamburg 02/2017 -0,20% 500.000 EUR (Tagesgeldkonto)
Hessen
Sparkasse Starkenburg k. A. -0,40% 1.000.000 EUR bei institutionellen Anlegern
Sparkasse Gießen k. A. -0,40% 1.000.000 EUR bei institutionellen Anlegern
Nordrhein-Westfalen
Dortmunder Volksbank 09/2016 -0,40% 1.000.000 EUR bei Unternehmen und institutionellen Anlegern
Sparkasse Höxter 10/2016 k. A. individuelle Vereinbarung
Kreissparkasse Wiedenbrück 10/2016 -0,40% individuelle Vereinbarung
Stadtsparkasse Versmold 10/2016 -0,40% individuelle Vereinbarung
Kreissparkasse Köln 01/2017 -0,40% 2.000.000 Euro bei Unternehmen und institutionellen Anlegern und Unternehmen
Stadt-Sparkasse Solingen k. A. (ca. Juli 2017) individuell 1.000.000 bei institutionellen Anlegern
Rheinland-Pfalz
Sparkasse Vorderpfalz 04/2017 -0,40% 1.000.000 Euro auf Giro-, Geldmarkt- oder Tagesgeldkonten von Unternehmen und institutionellen Anlegern
Volksbank Kur- und Rheinpfalz k. A. -0,15 bis -0,40% k.A.
VR-Bank Südpfalz k. A. -0,35% k.A.
Sparkasse Südliche Weinstraße k. A. -0,40% k.A.
Volksbank Kaiserslautern k. A. -0,30% k.A.
Kreissparkasse Kaiserslautern 02/2017 -0,40% k.A.
Sparkasse Germersheim Kandel 02/2017 -0,40% k.A.
Sachsen
Sparkasse Leipzig 01/2017 -0,40% 500.000 Euro bei Geschäftskunden und Kommunen
Sparkasse Vogtland 02/2017 -0,40% 100.000 Euro bei Firmenkunden
Ostsächsische Sparkasse Dresden k. A. k. A. 100.000 Euro auf dem Tagesgeld bzw. 1 Mio. Euro auf dem Girokonto bei Unternehmen und institutionellen Anlegern
Erzgebirgssparkasse 05/2017 -0,40% 500.000 Euro auf kommunalen Girokonten/Tagesgeldkonten sowie ab 100.000 Euro auf Geschäftskonten
Sachsen-Anhalt
Saalesparkasse 04/2017 -0,40% 1.000.000 Euro bei Firmenkunden
*angekündigt; ** keine Angabe der Stadt, Stand: 21.08.2018; alle Angaben ohne Gewähr;

Alle Banken mit Hintergrund nach Bundesländern sortiert: Wir haben für unsere Leser alle betroffenen Banken mit einem kurzen Informationsabschnitt versehen und sie mit ihrem Sitz auf einer Karte verortet. Die gesamte Übersicht inklusive Strafzins-Karte findet sich hier.

Wo erhalten Sparer derzeit die besten Zinsen

Wer sich gegen Strafzinsen entscheidet, findet bei zahlreichen Banken noch attraktiv verzinste Alternativen. Nachfolgend haben wir eine Übersicht erstellt, welche die derzeit besten Renditen für die entsprechenden Anlagen ausweist.

Immobilien-Crowdinvesting

bis zu
7,00% p.a.

Durchschnittszins
5,80% p.a.
von 20 Angeboten

Zum Vergleich ▶

P2P-Lending

bis zu
5,50% p.a.

Durchschnittszins
4,78% p.a.
von 8 Angeboten

Zum Vergleich ▶

Festgeld (USD) 36 Monate

bis zu
3,05% p.a.

Durchschnittszins
2,54% p.a.
von 4 Angeboten

Zum Vergleich ▶

Festgeld (EUR) 60 Monate

bis zu
1,85% p.a.

Durchschnittszins
0,92% p.a.
von 67 Angeboten

Zum Vergleich ▶

Festgeld (EUR) 36 Monate

bis zu
1,45% p.a.

Durchschnittszins
0,77% p.a.
von 95 Angeboten

Zum Vergleich ▶

Festgeld (EUR) 12 Monate

bis zu
1,25% p.a.

Durchschnittszins
0,52% p.a.
von 115 Angeboten

Zum Vergleich ▶

Tagesgeld

bis zu
1,00% p.a.

Durchschnittszins
0,18% p.a.
von 100 Angeboten

Zum Vergleich ▶

Festgeld (EUR) 6 Monate

bis zu
0,75% p.a.

Durchschnittszins
0,29% p.a.
von 66 Angeboten

Zum Vergleich ▶

Sparbuch

bis zu
0,60% p.a.

Durchschnittszins
0,09% p.a.
von 54 Angeboten

Zum Vergleich ▶

Hinweis: Die Sparkasse KölnBonn taucht in unserer Liste seit dem 04.12.2017 nicht mehr auf, da sie laut eigener Aussage seit August 2017 keine "Strafzinsen" mehr erhebt. Leider sieht es die Kommunikationsabteilung der Sparkasse KölnBonn nicht als ihre Aufgabe an, in einer Pressemeldung oder einer ähnlichen Verlautbarung darüber zu informieren. Die Abschaffung eines Strafzinses, der in der ersten Jahreshälfte durch die Fachpresse ging, ist der Sparkasse anscheinend keine Meldung wert.

Unsere Meinung: Kann man machen, ist dann aber eben nicht sonderlich professionell.

Wir zitieren die Mail zur Korrektur des Sachverhaltes gegenüber unserer Redaktion nachfolgend: "Da die genannten Medien (die Anfang Dezember unsere Liste der Banken mit Strafzinsen als Quelle genutzt haben, Anmerkung der Redaktion) diese Falschmeldung aufgegriffen haben, werden wir die Medien ebenfalls zur Korrektur auffordern und auf die fehlerhafte Liste in tagesgeldvergleich.net hinweisen. Den uns dadurch entstandenen Arbeitsaufwand werden wir Ihnen in Rechnung stellen."

Hier wird, angesichts einer nicht stattgefundener Kommunikation im Vorfeld, bei uns unnötig eine offene Tür eingerannt. Die Außenkommunikation der Sparkasse KölnBonn obligt nicht uns und unsere Daten ensprechen den Fakten, die wir im Rahmen unserer Recherche zum entsprechenden Zeitpunkt gesammelt haben. Eine tägliche Prüfung der Konditionen ist aus unserer Sicht nicht notwendig. Sollten sich die Konditionen wieder ändern, wäre es die Aufgabe der Sparkasse, darauf medial wirksam hinzuweisen. Allerdings will die Sparkasse das Thema wohl lieber verschweigen.

Da viele Banken sich offensichtlich nicht gerne mit Strafzinsen oder ähnlichen Begriffen konfrontiert sehen bzw. die Konsequenzen fürchten, werden sie in dieser Hinsicht mitunter sehr kreativ. So gibt es Banken, die andere Wortkombinationen verwenden, die Weitergabe der negativen Zinsen mit Gebühren verschleiern oder einfach mal "prophylaktisch" tätig werden. Besonders kuriose Fälle und Maßnahmen haben wir auf der nächsten Seite gesammelt.

Banken mit Kontoführungsgebühren für Sparer

Die beiden auf Nachhaltigkeit bedachten Öko-Banken EthikBank und GLS Bank verlangen inzwischen eine Gebühr für das Tagesgeldkonto. Die GLS Bank führte im Januar 2017 einen GLS Beitrag von 5,00 Euro für alle Kunden ab 28 Jahren ein. Bei der EthikBank werden sowohl für Privat- als auch für Geschäfstkunden 3,50 Euro pro Monat fällig. Die Zinsen für das Tagesgeldkonto liegen bei beiden Banken derzeit bei 0,00 % p.a. (Stand:06/2018)

Kreditinstitut Konto-
führungs-
gebühr seit/ab
Zinssatz p.a. Konto-
führungs-
gebühr p.M.
Konto-
führungs-
gebühr p.a.
Gebühr gilt für
Bayern
Sparkasse Freyung-Grafenau k.A. 0,00% p.a. 1,00 € 12,00 € Guthaben unter 2.000 EUR.
VR Bank Kitzingen k.A. k.A. 3-150 € 36 - 1.800 € .
Nordrhein-Westfalen
GLS Bank 01/2017 0,00% p.a. 5,00 € 60,00 € Gilt für alle Kunden ab 28 Jahren. (18 bis 28 Jahre 1,00 € p.M.)
Sachsen
VR Bank Niederschlesien k.A. 0,00% 5-50€ 60-600€ Tagesgeldkonto
Laut Anmerkung der Bank waren keine Kunden betroffen.
Sachsen-Anhalt
Kreissparkasse Stendal k.A. k.A. k.A. k.A. nicht näher beziffertes Verwahrentgeld;
Verweis auf Preis- und Leistungsverzeichnis welches nur im Onlinebanking aufrufbar ist.
Thüringen
EthikBank 07/2017 0,00% p.a. 3,50 € 42,00 € Gilt für alle Tagesgeld-Kunden ab 18 Jahren.
Volksbank Eisenberg k.A. 0,00% p.a. 3,50 € 42,00 € Kontoeröffnung für Groß- und Institutionelle Einleger nur nach Absprache.
Stand: 13.04.2018; alle Angaben ohne Gewähr

Diese Landes- und Zentralbanken berechnen Banken Negativzinsen

Auch Banken müssen Negativzinsen zahlen - nicht nur bei der EZB. So führen auch die ersten Landes- und Zentralbanken in Deutschland Strafzinsen ein:

Landes-/Zentralbank Negativzins seit Zinssatz Für
DZ Bank
(Zentralinstitut der Volks- und Raiffeisenbanken)
09/2016 -0,30% Liquiditätsüberhänge auf den lfd. Bankkonten abzgl. eines marginalen Sockelbetrags
Betroffen sind rund 1.000 Volks- und Raiffeisenbanken, deren einzige Zentralbank nach der Fusion mit der WGZ Bank nun die DZ Bank ist.
BayernLB
Bayerische Landesbank
k. A. -0,40% Liquiditätsüberhänge von Profi-Investoren, Unternehmen und Sparkassen

Weitere Finanzunternehmen mit Strafzinsen

Direktbroker erhebt negative Zinsen

Nicht nur Banken und Sparkassen sind von den Strafzinsen betroffen, sondern auch andere Finanzunternehmen. So erhebt der Direktbroker Flatex seit Mitte März 2017 einen negativen Zinssatz von 0,40 % auf Kundeneinlagen – egal ab welcher Höhe. Frank Niehage, Vorstandschef der Flatex-Mutter Fintech Group, begründete diesen Schritt mit der anhaltenden Politik der EZB, für geparkte Gelder bei der Notenbank Strafzinsen zu verlangen.

Beim luxemburgischen Broker WH Selfinvest wurden bisher Guthaben ab 30.000 Euro mit -0,40 % Strafzinsen bedacht. Seit April 2017 belastet der Broker auch alle Kunden mit einem Futureskonto.

Finanzunternehmen Negativzins seit Zinssatz Für
Flatex GmbH / Direktbroker 03/2017 -0,40% auf alle freien Kundeneinlagen
WH selfinvest k. A. -0,40% für Guthaben ab 30.000 Euro, für alle Kunden mit einem Futureskonto

Tipp bei Strafzinsen für Unternehmen

Unternehmen, welche inzwischen Strafzinsen bzw. Verwahrentgelte auf ihren Geschäftskonten zahlen, sollten sich anderweitig nach einer Anlageoption umsehen. Eine interessante Variante sind Rücklagefonds, z. B. von VILICO Investment. Die Zielrendite: 3-Monats-EURIBOR + 1,00 % p. a. bei geringen Wertschwankungen. Als „Geldparkplatz“ im Null- und Negativzinsumfeld ist dieser Rücklagenfonds bereits sehr beliebt, was ein Volumen von ca. 117 Millionen Euro (Stand: 11/2016) belegt. Die ab 250.000 Euro Mindestanlage investierbare institutionelle Anteilsklasse (WKN A1J67R) des Kurzläufer-Rentenfonds erzielte 2016 eine Wertentwicklung von 1,91 % bei geringer Wertschwankung (Volatilität: 0,87 %). Seit Auflegung der I-Klasse am 08.01.2013 liegt die Performance bei 5,45 % (1,35 % p.a.) bei einer Volatilität von 1,01 % (per 30.1.2016).

Zumindest ein paar positive Punkte gibt es auch beim Firmentagesgeld, dass Interessierte in diesem Vergleich finden.

Wie Negativzinsen wirken

Was Leitbanken wie die EZB mit Negativzinsen im Idealfall bezwecken und wie damit die Wirtschaft angekurbelt werden soll, veranschaulicht unsere Infografik:

Wie Negativzinsen wirken

Mehr Hintergründe: Zusätzlich zu den Informationen auf dieser Seite haben wir separat die Auswirkungen und Konsequenzen von negativen Zinsen zusammengetragen - sowohl für den Kunden als auch die Finanzinstitute. Die Informationen finden sich hier.

Rechtlicher Hintergrund: Sind Negativzinsen zulässig?

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) wollte ggf. juristisch dagegen vorgehen, wenn Banken Negativzinsen von Privatkunden erheben. Der Verband hält Negativzinsen für unzulässig, wenn die Sparkonten bereits bestehen. Nur bei Neuverträgen wären Negativzinsen zulässig. Im Übrigen dürften die Bankinstitute bei negativer Verzinsung nicht mehr mit der vollen Einlagensicherung werben. Bisher hat der Bundesverband allerdings nicht geklagt, allerdings die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e. V. gegen die Volksbank Reutlingen. Nachfolgend das Urteil des LG Tübingen aus dem Dezember 2017.

Aktuell: Urteil zu Stafzinsen des Landgerichts Tübingen Az. 4 O 187/17

Sind negative Zinsen für private Sparer eigentlich zulässig? Mit dieser Frage setzte sich jetzt das Landgericht Tübingen auseinander. Dessen Antwort: Ja, aber…! Wie das Landgericht Tübingen urteilte, sind Negativzinsen für Sparer nur dann zulässig, wenn die Konten mit den entsprechenden Konditionen eröffnet werden. Bei bestehenden Konten sind negative Zinsen hingegen nicht möglich.

Das Landgericht Tübingen vertritt die Auffassung, dass die AGBs der Volksbank Reutlingen bei Altverträgen gegen wesentliche Grundgedanken der gesetzlichen Regelung verstoßen. Die AGBs wurden von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg beanstandet. "Durch Allgemeine Geschäftsbedingungen kann nicht nachträglich bei bereits abgeschlossenen Einlagegeschäften einseitig durch die Bank eine Entgeltpflicht für den Kunden eingeführt werden, die es weder im Darlehensrecht noch beim unregelmäßigen Verwahrungsvertrag gibt", entschieden die Richter (siehe Handelsblatt, 26.01.2018). Die Volksbank Reutlingen verwies im Vorfeld darauf, dass Kontoinhaber bei Vertragsabschluss variablen Zinsen auf Guthaben zugestimmt hätten. Diesen Einwand lehnte das Gericht nun ab. Nach Ansicht von Experten handelt es sich bei dem Urteil um einen Präzedenzfall, sodass sich Bestandskunden im Zweifel darauf berufen können.

Geklagt hatten Verbraucherschützer gegen die Volksbank Reutlingen, die sich auf den Begriff „variable Zinsen“ berief. Nach Verständnis der Bank beinhalte dies auch etwaige Minuszinsen. Die Richter des Landgerichts Tübingen teilten diese Einschätzung nicht. Mehr Hintergründe finden sich hier.

Allgemein: Sind negative Zinsen bei Bankeinlagen überhaupt gesetzlich erlaubt?

Nach Ansicht von befragten Anwälten sind Negativzinsen auf bestehende Einlagen rechtlich gar nicht zulässig, da es sich um Darlehen handelt. Demzufolge sind Banken verpflichtet, dem Kunden positive Zinsen zu zahlen.

Die Bewertung bestätigt auch Axel Pabst, Fachanwalt für Bankrecht und Versicherungsrecht im Gespräch: "In der Regel handelt es sich bei den Bankeinlagen von Privatkunden um Darlehensvereinbarungen gemäß § 488 BGB. Die Zinsen stellen entsprechend eine Vergütung des Kunden für die Möglichkeit der Kapitalnutzung durch die Bank dar. Echte Negativzinsen sind deshalb nicht möglich – abgesehen von eventuellen Gebühren. Die müssten allerdings gesondert vereinbart werden."

Paragraph 488bgb
Quelle: Tagesgeldvergleich.net/Bürgerliches Gesetzbuch

Eine Ausnahme bildet, nach Meinung des Rechtsanwalts, ein Anlageprodukt, welches z. B. an einen Referenzzins gekoppelt wäre. Aber selbst wenn dieser Referenzzins in den negativen Bereich rutschen sollte, bedürfte es einer Auslegung des Vertrags in dieser Hinsicht. "Im Zweifel wäre wohl ein Sonderkündigungsrecht einzuräumen", so Axel Pabst. Auch bei Neueinlagen ließe sich über 'Strafzinsen' nachdenken.

Negativzinsen sind laut Bundesfinanzministerium keine Verluste

Beim Thema Negativzinsen stellt sich sofort die Frage, wie diese aus Sicht der Sparer steuerlich behandelt werden. Der gesunde Menschenverstand würde jetzt sagen: so wie positive Zinsen Erträge sind, sind negative Zinsen Verluste. Das Bundesfinanzministerium in Deutschland sieht das in einem Schreiben vom 27. Mai 2015 (Az. IV C1-S 2252/08/10004:017) allerdings anders. Dort lautet der Fachbegriff für die auch als Strafzinsen bezeichneten Negativzinsen "Verwahr- oder Einlagegebühr".

Der normale Sparer wird sich jetzt sagen: Okay, Gebühr oder Zinsen. Ich will die mir daraus entstandenen Verluste steuerlich geltend machen. Auf die Frage, wie dies geht, hat unser Finanzministerium eine kurze und knappe Antwort: gar nicht.

Aus Sicht der Finanzbeamten werden die Negativzinsen "nicht vom Kapitalnehmer an den Kapitalgeber als Entgelt für die Überlassung von Kapital gezahlt", sondern die Kunden zahlen der Bank eine Gebühr in Form des Strafzinses, damit sie ihr Geld dort anlegen dürfen.

Die Sichtweise unserer Finanzbehörde lässt Schlimmes erahnen. Und so ist es dann auch, denn laut ihr sind Strafzinsen "eine Art Verwahr- oder Einlagegebühr, die bei den Einkünften aus Kapitalvermögen als Werbungskosten vom Sparer-Pauschbetrag gemäß Paragraf 20 Absatz 9 Satz 1 Einkommensteuergesetz erfasst sind".

Für Sie als Sparer bedeutet dass: Negativ- bzw. Strafzinsen können nicht in der Steuererklärung als Verluste geltend gemacht werden, sondern werden über den Sparerpauschbetrag abgegolten. Anders ausgedrückt: wenn Sie mit Ihrem Geld Zinserträge erzielen, sind diese oberhalb des Sparerpauschbetrages steuerpflichtig. Müssen Sie aber Strafzinsen an Ihre Bank zahlen, können Sie die Verluste nicht geltend machen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Finanzgerichte in den abzusehenden Klagen auf die Seite der Sparer stellen und die Finanzverwaltung in ihre Schranken weisen. Die Hoffnung teilt auch Jörg Strötzel, Vorstandsvorsitzender des Lohnsteuerhilfevereins Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH) gegenüber dem "Handelsblatt".

Update 09/2018 - 40 Prozent der Einlagen von Firmenkunden von Strafzinsen betroffen

Ein Blick in den Monatsbericht der Deutschen Bundesbank zur "Ertragslage der deutschen Kreditinstitute im Jahr 2017" offenbart, wie verbreitet Strafzinsen im Firmenkundengeschäft inzwischen sind. Zwar stellt laut Bundesbenk "die Weitergabe negativer Zinsen im Kundengeschäft" im Szenario der Niedrigzinsumfrage "nur für jedes vierte Institut eine Option dar", die Anzahl der 223 Banken umfassenden MFI-Zinsstatistik, die 2017 volumengewichtet im Durchschnitt von Strafzinsen oder so genannten "Verwahrentgelten" auf Sichteinlagen Gebrauch gemacht hat, stieg jedoch von 26 auf 50 Prozent.

Betroffen davon waren vor allem Sichteinlagen mit großem Volumen im Firmenkundengeschäft. Der Anteil der negativ verzinsten Sichteinlagen in diesem Segment stieg dabei von Januar bis Dezember 2017 um rund neun Prozentpunkte auf etwas mehr als 40 Prozent aller gemeldeten Sichteinlagen von Firmenkunden der 223 in der MFI-Zinsstatistik berücksichtigten Banken. Dabei konzentrierte sich die Hälfte der negativ verzinsten Sichteinlagen auf sieben Groß- und Landesbanken und rund ein Drittel verteilte sich auf 90 Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

Unzufriedenheit der Anleger durch Niedrigzinsen wächst

Wie die Umfrage "Geldanlage 2016/2017" des Bankenverbandes ergab, wächst die Unzufriedenheit der Anleger mit der Wertentwicklung ihrer Geldanlage gegenüber 2015. So waren Ende 2016 nur noch 47 Prozent der Befragten mit der Wertentwicklung zufrieden. Ein Jahr zuvor waren es noch 53 Prozent.

Das liegt natürlich auch daran, dass deutsche Anleger grundsätzlich risikoscheu sind. Die Bevorzugten Anlegeprodukte 2016 waren weiterhin Sparkonten und Sparpläne sowie Tagesgeld - auch wenn deren Beliebtheit gegenüber 2015 deutlich gelitten hat. Erst auf dem dritten Platz kommen Fondsanteile und auch hier gab es gegenüber 2016 einen Rückgang von 21 auf 20 Prozent der Anleger, die Fonds als Anlageprodukt bevorzugen.

Alle Ergebnisse der Umfrage des Bankenverbandes nachfolgend im Überblick

Geldanlage 2016/2017 from Bankenverband (BdB)