Einlagenzins der EZB - Definition, Bedeutung und Entwicklung

Einlagenzins bzw. Einlagefazilität der EZB

Was ist die Einlagefazilität und was gibt der Einlagenzins der EZB an?

Die sogenannte Einlagefazilität ist laut Gabler Bank-Lexikon, Auflage 14, ein "geldpolitisches Instrument des ESZB (Europäisches System der Zentralbanken, Anm. d. Red.) in Form von unbesicherten Einlagen der Geschäftspartner bei den nationalen Zentralbanken". Der Einlagezins ist die Höhe des bei Inanspruchnahme der Einlagefazilität von der EZB an die Geschäftsbanken gewährten Zinses.

Wie leihen sich Banken zum Einlagenzins Geld bei der EZB?

Banken können nach Bedarf die von der EZB zur Verfügung gestellte Einlagefazilität in Anspruch nehmen. Dazu senden sie der Zentralbank im Laufe des Geschäftstages einen Antrag, der die Höhe der Einlage beinhaltet. Die bis zum darauffolgenden Geschäftstag befristeten Einlagen werden zu Beginn des dem Antrag folgenden Geschäftstages fällig. Der für die Einlage gewährte Zins wird von der EZB vorgegeben und auch veröffentlicht.

Wie hat sich der Einlagenzins bzw. der Zinssatz der Einlagefazilität der EZB entwickelt?

Die Entwicklung des Einlagenzinses der EZB können Sie der nachfolgenden Statistik entnehmen:

Quellen:

  • Europäische Zentralbank

In welchem Umfang nutzen Banken die Einlagefazilität der EZB?

Über die sogenannte Einlagefazilität können Geschäftsbanken überschüssige Liquidität bis zum nächsten Geschäftstag bei der EZB parken. Interessant ist, dass trotz negativem Einlagenzins das Volumen der Inanspruchnahme der Einlagefazilität seit Jahren steigt:

Quellen:

  • Europäische Zentralbank

Welche Bedeutung hat der Einlagenzins der EZB für Bankkunden?

Der Einlagenzins stellt ein Steuerungsinstrument der EZB dar. Hohe Zinsen binden kurzfristige Liquidität während niedrige Zinsen einen Anreiz an die Geschäftsbanken bieten sollen, ihr Geld nicht bei der Zentralbank zu parken sondern an andere Banken bzw. Verbraucher und Unternehmen zu verleihen. Idealtypisch sorgt also ein niedrigere Einlagenzins ceterus paribus für eine Ausweitung des Kreditangebotes der Geschäftsbanken an Privathaushalte und Unternehmen. Insbesondere bei deflationären Tendenzen haben Zentralbanken in der Vergangenheit und Gegenwart bereits mehrfach zu diesem Mittel gegriffen - mit unterschiedlichem Erfolg. So ist es trotz negativem Einlagezins für die Banken attraktiver, Kredite zu vergeben als ihr Geld bei der Zentralbank anzulegen. Haben die Unternehmen oder Privathaushalte aber keinen Bedarf an einer Ausweitung der Kreditaufnahme bzw. hat die Bank bereits zu viele Risiken in ihren Büchern, wird selbst ein negativer Einlagezins die Kreditvergabe nicht stimulieren können.

Spitzenrefinanzierungsfazilität

Die Spitzenrefinanzierungsfazilität ist ebenfalls ein geldpolitisches Instrument der Zentralbanken. Hierbei geben diese Übernachtliquidität an die Geschäftsbanken zu einem vorgegebenen Zinssatz und gegen Hinterlegung zentralbankfähiger Sicherheiten. Damit kann die Spitzenrefinanzierungsfazilität als Nachfolger des früheren Lombardkredites der Deutschen Bundesbank angesehen werden. Ihr Ziel ist es, den Banken vorübergehende Liquidität zur Verfügung zu stellen. Der Zinssatz der Spitzenrefinanzierungsfazilität stellt dabei auch die Obergrenze des Tagesgeldsatzes im Interbankenmarkt dar. Die Höhe des Zinssatzes ist im gesamten Euroraum gleich.

Entwicklung der Spitzenrefinanzierungsfazilität der EZB

Die Entwicklung der Spitzenrefinanzierungsfazilität der EZB können Sie der nachfolgenden Statistik entnehmen:

Quellen:

  • Europäische Zentralbank

Hauptrefinanzierungsgeschäfte

Hauptrefinanzierungsgeschäfte zählen ebenfalls zu den geldpolitischen Instrumenten der EZB. Über sie wird dem Finanzsektor das Zentralbankgeld größtenteils zur Verfügung gestellt. Die Höhe des Zinssatzes für Hauptrefinanzierungsgeschäfte bestimmt daher auch maßgeblich die Liquidität und das Zinsniveau am Geldmarkt. Hauptrefinanzierungsgeschäfte sind auf eine Woche befristet und werden auch im wöchentlichen Turnus durchgeführt.

Entwicklung des Zinssatzes für Hauptrefinanzierungsgeschäfte der EZB

Die Entwicklung des Zinssatzes für Hauptrefinanzierungsgeschäfte der EZB können Sie der nachfolgenden Statistik entnehmen:

Quellen:

  • Europäische Zentralbank

Vergleich von Einlagenzins und Zinsen bei Tagesgeld

Niedrige Einlagenzinsen bedeuten fast zwangsläufig auch niedrige Zinsen bei Tagesgeld und Festgeld. Das liegt daran, dass sich die Sparzinsen in vielen Fällen am EZB-Leitzins orientieren und Einlagenzins sowie Leitzins parallel erhöht oder gesenkt werden. Den direkten Vergleich von EZB-Leitzins und Einlagenzins sowie den von uns ermittelten Tagesgeldzinsen stellt nachfolgendes Diagramm dar:

Quellen:

  • Europäische Zentralbank
  • Deutsche Bundesbank
  • Eigene Berechnungen

Tagesgeld und Festgeld unabhängig vom Zinsniveau als Sparformen beliebt

Als Sparformen mit gesetzlicher Einlagensicherung sind Tages- und Festgelder auf jeden Fall eine interessante Alternative zu Bundeswertpapieren oder aber zumindest eine Ergänzung. Während beim Tagesgeld täglich über das angelegte Geld verfügt werden kann, im Gegenzug die Bank aber auch - abgesehen von Zinsgarantien für Neukunden - auch täglich den Zins ändern kann, ist es beim Festgeld umgekehrt: der Zins ist über die gesamte vereinbarte Laufzeit garantiert, dafür kann über das angelegte Geld erst zum Ende der Laufzeit verfügt werden.

Wie hoch derzeit die Zinsen auf Tagesgeld und Festgeld sind, können Sie unseren aktuellen Zinsvergleichen entnehmen:

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