Negativzinsen - Fluch für Anleger

Diese Banken berechnen Sparern bereits Negativzinsen

Unternehmen und institutionelle Anleger sehen sich bereits seit längerem mit negativen Zinsen fürs Parken von Geld konfrontiert. Nun sind so genannte "Verwahr-Gebühren" auch bei Privatkunden angekommen. Wir zeigen Ihnen, welche Banken Sparern bereits negative Zinsen berechnen:

Banken und Sparkassen mit Strafzinsen für Privatkunden

Kreditinstitut Negativzins seit/ab Zinssatz Ab Guthaben von
Skatbank 11/2014 -0,25% 500.000 EUR auf Tagesgeldkonto bzw. 2 Mio. EUR auf Girokonto
Raiffeisenbank Gmund 08/2016 -0,40% 100.000 EUR auf Giro- oder Sparkonten
Raiffeisenbank Südstormarn Mölln 09/2016 -0,40% 1.000.000 EUR auf Giro- oder Sparkonten
Volksbank Stendal 10/2016 -0,40% 100.000 EUR
Volksbank Raiffeisenbank Niederschlesien eG 11/2016 +0,01%; Gebühr p.M. 5 EUR bis 50 EUR Monatliche Gebühr für Privatkunden auf Tagesgeld ab 0,1 EUR
Volksbank Hamburg 02/2017 -0,20% 500.000 EUR auf Tagesgeldkonto

Banken und Sparkassen mit Strafzinsen für institutionelle Kunden

Kreditinstitut Negativzins seit/ab Zinssatz Ab Guthaben von
V-Bank München 10/2016 -0,40% 500.000 EUR
Sparkasse Höxter 10/2016 k. A. individuelle Vereinbarung
Kreissparkasse Wiedenbrück 10/2016 -0,40% individuelle Vereinbarung
Stadtsparkasse Versmold 10/2016 -0,40% individuelle Vereinbarung
Kreissparkasse Augsburg 12/2016 -0,40% 1.000.000 EUR für Kommunen
Sparkasse Allgäu 01/2017 k. A. (-0,40%) 250.000 EUR bei Geschäftskunden und Kommunen
Sparkasse Leipzig 01/2017 -0,40%* 500.000 EUR bei Geschäftskunden und Kommunen
Hamburger Sparkasse 01/2017 -0,40% 500.000 EUR bei Firmenkunden
Volksbank Hamburg 02/2017 -0,20% 500.000 EUR auf Tagesgeldkonto
Sparkasse München 04/2017 -0,40% 250.000 EUR bei Firmenkunden

Strafzins für Kleinsparer durch Kontoführungsgebühr auf Tagesgeld

Die Volksbank Raiffeisenbank Niederschlesien eG verlangt seit Anfang November 2016 faktisch Strafzinsen von ihren Tagesgeldkunden. Zwar wird weiterhin mit einer Verzinsung des VR Flexgelds von 0,01 % geworben, allerdings fallen gestaffelte Kontoführungsgebühren an - bis zu 50,00 Euro monatlich. Nachfolgend haben wir berechnet, wie viel diese Gebühr den entsprechenden Kunden im Jahr kostet.

Kreditinstitut Negativzins seit/ab Guthaben bis Zinssatz p.a. Konto-
führungs-
gebühr p.M.
Konto-
führungs-
gebühr p.a.
Real-
verzinsung p.a.
Realrendite p.a.
Volksbank Raiffeisenbank Niederschlesien eG 11/2016 1.000 € +0,01% 5,00 € 60,00 € -6,00% -59,90 €
5.000 € +0,01% 5,00 € 60,00 € -1,20% -59,50 €
10.000 € +0,01% 5,00 € 60,00 € -0,60% -59,00 €
25.000 € +0,01% 10,00 € 120,00 € -0,48% -117,50 €
50.000 € +0,01% 10,00 € 120,00 € -0,24% -115,00 €
100.000 € +0,01% 25,00 € 300,00 € -0,30% -290,00 €
500.000 € +0,01% 50,00 € 600,00 € -0,11% -550,00 €
6.000.000 € +0,01% 50,00 € 600,00 € 0,00% 0,00 €

Diese Landes- und Zentralbanken berechnen Banken Negativzinsen

Auch Banken müssen Negativzinsen zahlen - nicht nur bei der EZB. So führen auch die ersten Landes- und Zentralbanken in Deutschland Strafzinsen ein:

Landes-/Zentralbank Negativzins seit Zinssatz Für
DZ Bank
(Zentralinstitut der Volks- und Raiffeisenbanken)
09/2016 -0,30% Liquiditätsüberhänge auf den lfd. Bankkonten abzgl. eines marginalen Sockelbetrags
Betroffen sind rund 1.000 Volks- und Raiffeisenbanken, deren einzige Zentralbank nach der Fusion mit der WGZ Bank nun die DZ Bank ist.

Das sind die Banken mit Strafzinsen - kompakt

Deutsche Skatbank (VR-Bank Altenburger Land eG)

Die Deutsche Skatbank – eine Zweigniederlassung der VR-Bank Altenburger Land eG – verlangt von Privatkunden seit Ende 2014 einen negativen Zins von 0,25 % für Guthaben ab 500.000 Euro bzw. ab 2 Mio. Euro Guthaben auf dem TrumpfKonto (Girokonto). Die VR-Bank Altenburger Land eG verfügt über 7.628 Mitglieder (Stand: 2015) und ca. 133 Mitarbeiter. 2015 lag die Bilanzsumme bei 590 Mio. Euro und die Kundeneinlagen bei 504,9 Mio. Euro.

Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee eG

Die Kunden der Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee eG müssen bei Spareinlagen bzw. Einlagen auf dem Girokonto derzeit 0,40 % Strafzinsen beachten. Diese sind seit August 2016 ab 100.000 Euro fällig. Ein Blick auf die Zahlen zeigt rund 2.655 Mitglieder und 34 Mitarbeiter (inkl. Azubis). Die Bilanzsumme betrug 2015 141,9 Mio. Euro, die Spareinlagen der Kunden hatten eine Höhe von 22,9 Mio. Euro.

Volksbank Stendal eG

Die Volksbank Stendal hat ihre Wurzeln im Jahr 1861 und verfügt über mehr als 5.000 Mitglieder und ca. 14.000 Kunden. Seit Oktober 2016 wird auf Einlagen ab 100.000 Euro (z. B. auf dem Tagesgeld) ein Minuszins von 0,40 % erhoben. Die Bilanzsumme der Volksbank Stendal eG weist einen Wert von ca. 179,49 Mio. Euro aus. Kundengelder wurden in Höhe von 139,8 Mio. Euro betreut.

V-Bank München

Für Beträge ab 500.000 Euro müssen Kunden der V-Bank München seit kurzem 0,40 % Minuszinsen zahlen. Das Finanzinstitut besteht seit 2007 und startete als erste Bank für Vermögensverwalter in Deutschland. Derzeit beschäftigt die V-Bank 61 Mitarbeiter. Die Bilanzsumme lag Ende 2015 bei 997,7 Mio. Euro.

Volksbank Raiffeisenbank Niederschlesien eG

Mit der Volksbank Niederschlesien eG verlangt seit November 2016 die erste Bank Strafzinsen von Kleinsparern. Für das Tagesgeldkonto sind (gestaffelte) Gebühren von 5,00 bis 50,00 Euro pro Monat zu zahlen – je nach Einlagenhöhe. Gegründet 1859 verfügt das Bankhaus über 11.778 Mitglieder (Stand: 12/2015) und ca. 27.471 Kunden. Die Bilanzsumme betrug zuletzt 373,5 Mio. Euro. Das betreute Kundenanlagevolumen lag bei 533,8 Mio. Euro. Es gab 327,9 Mio. Euro bilanzielle Kundeneinlagen.

Sparkasse Allgäu

Die Sparkasse Allgäu will ab Januar 2017 von Geschäftskunden und Kommunen 0,40 % Zinsen ab 250.000 Euro. Das in Kempten ansässige Finanzinstitut beschäftigt mehr als 1.000 Mitarbeiter und wies für das Geschäftsjahr 2015 eine Bilanzsumme von 4,474 Mrd. Euro aus.

Stadtsparkasse Versmold

Die SPK Versmold verlangt von Geschäftskunden seit dem Herbst 2016 0,40 % Zinsen als Verwahrentgelt. Die Prüfung findet von Fall zu Fall statt. Bei Privatkunden will die Stadtsparkasse dies künftig nicht ausschließen. Die Sparkasse mit Sitz in Nordrhein-Westfalen hat mehr als 70 Mitarbeiter und 5 Geschäftsstellen. Die Bilanzsumme lag zuletzt bei 287,019 Mio. Euro im Jahr 2015 (-14,5 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahr). Das Eigenkapital stieg zuletzt leicht auf 17,3 Mio. Euro.

Sparkasse Höxter

Die Sparkasse Höxter aus Nordrhein-Westfalen verlangt von ausgewählten institutionellen Kunden seit Ende 2016 ebenfalls ein Verwahrentgelt, d. h. Strafzinsen. Eine pauschale Aussage über die verlangten Zinsen ist laut Auskunft der Sparkasse nicht möglich. Die Bilanzsumme betrug zuletzt 1.424,1 Mio. Euro (Stand: 31.12.2015), das Einlagevolumen lag bei 1.125,8 Mio. Euro. Die Sparkasse verfügt über rund 374 Mitarbeiter und 23 Filialen (inkl. Hauptstelle) im Geschäftsgebiet Kreis Höxter.

Kreissparkasse Wiedenbrück

Für institutionelle Kunden (z. B. den Kreis Gütersloh, siehe Die Glocke "Auch der Kreis soll Strafzinsen zahlen") wird es auch bei der KSK Wiedenbrück teuer, wenn Einlagen geparkt werden sollen. Die Kreissparkasse in NRW verlangt seit Herbst 2016 Strafzinsen von 0,40 %. Die KSK Wiedenbrück verfügt über ca. 360 Mitarbeiter und 17 Geschäftsstellen. Die Bilanzsumme betrug Ende 2015 rund 2,3 Mrd. Euro. Die Kundeneinlagen kletterten auf 1,9 Mrd. Euro.

Sparkasse Leipzig

Die Sparkasse Leipzig bittet ab 1. Januar 2017 Landkreise, Kommunen, Verbände und Geschäftskunden ab Einlagen von 500.000 Euro zur Kasse. Die Sparkasse in Leipzig ist eine der größten Sparkassen in den neuen Bundesländern und zählte Ende 2015 1.671 Mitarbeiter und mehr als 600.000 betreute Privat- und Firmenkunden. Die Bilanzsumme lag bei mehr als 8,854 Milliarden Euro. Das Volumen der Kundenverbindlichkeiten betrug 7.388,8 Mio. Euro. Das Eigenkapital summierte sich auf ca. 311,7 Mio. Euro.

Hamburger Sparkasse (Haspa)

Wie das Hamburger Abendblatt berichtete, führt auch die Haspa für Firmenkunden mit hohen Einlagen einen Strafzins ein. Dieser soll ab 500.000 Euro greifen. Die Hamburger Sparkasse ist die größte Sparkasse in Deutschland und verfügt über rund 5.000 Mitarbeiter. Die Bilanzsumme betruf Ende 2015 42,639 Milliarden Euro. Es wurden Kundengelder in Höhe von 31,627 Milliarden Euro betreut.

Wo erhalten Sparer derzeit die besten Zinsen

Wer sich gegen Strafzinsen entscheidet, findet bei zahlreichen Banken noch attraktiv verzinste Alternativen. Nachfolgend haben wir eine Übersicht erstellt, welche die derzeit besten Renditen für die entsprechenden Anlagen ausweist.

Crowdfunding

bis zu
7,00% p.a.

Durchschnittszins
4,32% p.a.
von 17 Angeboten

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P2P-Lending

bis zu
5,50% p.a.

Durchschnittszins
4,78% p.a.
von 3 Angeboten

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Festgeld (EUR) 60 Monate

bis zu
2,70% p.a.

Durchschnittszins
0,93% p.a.
von 61 Angeboten

Zum Vergleich ▶

Festgeld (USD) 60 Monate

bis zu
2,60% p.a.

Durchschnittszins
2,45% p.a.
von 2 Angeboten

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Festgeld (EUR) 36 Monate

bis zu
1,80% p.a.

Durchschnittszins
0,79% p.a.
von 78 Angeboten

Zum Vergleich ▶

Festgeld (EUR) 12 Monate

bis zu
1,60% p.a.

Durchschnittszins
0,55% p.a.
von 93 Angeboten

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Tagesgeld

bis zu
1,20% p.a.

Durchschnittszins
0,24% p.a.
von 102 Angeboten

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Sparbuch

bis zu
0,75% p.a.

Durchschnittszins
0,11% p.a.
von 51 Angeboten

Zum Vergleich ▶

Negative Zinsen: Rechtlich nicht zulässig

Update: Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) will inzwischen juristisch dagegen vorgehen, wenn Banken Negativzinsen von Privatkunden erheben. Der Verband hält Negativzinsen für unzulässig, wenn die Sparkonten bereits bestehen. Nur bei Neuverträgen wären Negativzinsen zulässig. Im Übrigen dürften die Bankinstitute bei negativer Verzinsung nicht mehr mit der vollen Einlagensicherung werben. (Stand:04/2015)

Sind negative Zinsen bei Bankeinlagen überhaupt gesetzlich erlaubt? Antwort: Nach Ansicht von Anwälten sind Negativzinsen auf bestehende Einlagen rechtlich gar nicht zulässig, da es sich um Darlehen handelt. Demzufolge sind Banken verpflichtet, dem Kunden positive Zinsen zu zahlen.

Die Bewertung bestätigt auch Axel Pabst, Fachanwalt für Bankrecht und Versicherungsrecht im Gespräch: "In der Regel handelt es sich bei den Bankeinlagen von Privatkunden um Darlehensvereinbarungen gemäß § 488 BGB. Die Zinsen stellen entsprechend eine Vergütung des Kunden für die Möglichkeit der Kapitalnutzung durch die Bank dar. Echte Negativzinsen sind deshalb nicht möglich – abgesehen von eventuellen Gebühren. Die müssten allerdings gesondert vereinbart werden."

Paragraph 488bgb
Quelle: Tagesgeldvergleich.net/Bürgerliches Gesetzbuch

Eine Ausnahme bildet, nach Meinung des Rechtsanwalts, ein Anlageprodukt, welches z. B. an einen Referenzzins gekoppelt wäre. Aber selbst wenn dieser Referenzzins in den negativen Bereich rutschen sollte, bedürfte es einer Auslegung des Vertrags in dieser Hinsicht. "Im Zweifel wäre wohl ein Sonderkündigungsrecht einzuräumen", so Axel Pabst. Auch bei Neueinlagen ließe sich über 'Strafzinsen' nachdenken.

Völlig sicher sind Verträge für Geldanlagen mit festgeschriebenen Zinsen, z. B. Festgelder. Über negative Zinsen lässt sich nur bei Produkten mit variablen Zinsen nachdenken. Doch selbst hier gelten diese als eher unwahrscheinlich. Laut einvernehmlicher Meinung unter Finanzexperten ist der Wettbewerb auf dem Markt ausreichend groß, dass betroffene Kunden schnell eine alternative Bank finden würden.

Wie Negativzinsen wirken

Was Leitbanken wie die EZB mit Negativzinsen im Idealfall bezwecken und wie damit die Wirtschaft angekurbelt werden soll, veranschaulicht unsere Infografik:

Wie Negativzinsen wirken

Strafzinsen kosten Kunden

Laut Deutscher Kreditwirtschaft (DK) wird auch nicht erwartet, dass negative Einlagenzinsen in nächster Zeit verstärkt auftreten. Darauf angesprochen schließen die meisten Finanzinstitute solche Maßnahmen aktuell aus.

"Die Deutsche Bank plant derzeit nicht, im breiten Kundengeschäft Gebühren für Einlagen einzuführen", erklärt deren Sprecherin. Gleiche Aussage an anderer Stelle. "Wir denken momentan nicht über Strafzinsen nach", so Erol Cen, Bereichsdirektor Vorsorge & Vermögen bei der TARGOBANK.

"Die negativen Zinsen betreffen uns, weil wir – gerade jetzt in der Weihnachtszeit – ausreichend Liquidität bereithalten müssen", erklärt ein Sprecher der netbank. Im gleichen Atemzug wird aber nachgelegt, dass es auf absehbare Zeit definitiv nicht geplant sei, die negativen Zinsen an den Kunden weiterzugeben. "Negative Zinsen für private Einlagen sind nur schwer vermittelbar", lautet das Statement.

Ähnlich sieht es bei anderen Banken aus. Bei einigen heißt es überdies, dass sie keine Interpretationen zu Gesetzen abgeben.

Wer sich der Diskussion um negative Zinsen entziehen will, dem bleibt nach Ansicht von Finanzexperten immer der Griff zu alternativen Geldanlagen mit langfristiger Zinsfestschreibung.

Mehr zum Thema:

Statistik: Aktuelle Zinsentwicklung seit 2008

Statistik: Sparzinsen der 100 größten Banken im Vergleich

Warum Negativzinsen bei Banken zu höherer Kreditvergabe führen

So schlecht Negativzinsen für Verbraucher eindeutig sind - bei Anleihen haben sie für Banken auch eine positive Seite: kurzfristig negative Zinsen lassen die Zinsstrukturkurve steiler werden. Dadurch steigt die Spanne zwischen kurz- und langfristigen Zinsen und damit die Gewinnmarge der Banken. Das führt zu einem stärkeren Anreiz bei den Banken, die Kreditvergabe auszuweiten. Trotz kurzfristig negativer Zinsen steigt also die Kreditvergabe und damit auch die Geldmenge M3.

Darüber hinaus hat die EZB in ihrer Sitzung vom 10. März 2016 ergänzend zu ihrem Quantitative Easing Programm vier neue Kreditlinien /TLTRO II) aufgelegt. Zusammengefasst bekommen die Banken von der EZB Geld zuzüglich 0,40 Prozent Zinsen dafür, dass sie dieses Geld nehmen und als Kredit an Verbraucher und Unternehmen ausreichen. Mit diesem Programm und den 0,40 Prozent Zinsen, welche die Banken von der EZB bekommen, können sie die negativen Einlagenzinsen von minus 0,40 Prozent ausgleichen, die sie für bei der EZB geparkte Zentralbankreserven zahlen müssen.

In Summe entlastet dieses neue Programm trotz Negativzinsen die Banken, führt zu mehr Kreditvergabe und sollten auch die Sparzinsen stabilisiert werden.

Negativzinsen sind laut Bundesfinanzministerium keine Verluste

Beim Thema Negativzinsen stellt sich sofort die Frage, wie diese aus Sicht der Sparer steuerlich behandelt werden. Der gesunde Menschenverstand würde jetzt sagen: so wie positive Zinsen Erträge sind, sind negative Zinsen Verluste. Das Bundesfinanzministerium in Deutschland sieht das in einem Schreiben vom 27. Mai 2015 (Az. IV C1-S 2252/08/10004:017) allerdings anders. Dort lautet der Fachbegriff für die auch als Strafzinsen bezeichneten Negativzinsen "Verwahr- oder Einlagegebühr".

Der normale Sparer wird sich jetzt sagen: Okay, Gebühr oder Zinsen. Ich will die mir daraus entstandenen Verluste steuerlich geltend machen. Auf die Frage, wie dies geht, hat unser Finanzministerium eine kurze und knappe Antwort: gar nicht.

Aus Sicht der Finanzbeamten werden die Negativzinsen "nicht vom Kapitalnehmer an den Kapitalgeber als Entgelt für die Überlassung von Kapital gezahlt", sondern die Kunden zahlen der Bank eine Gebühr in Form des Strafzinses, damit sie ihr Geld dort anlegen dürfen.

Die Sichtweise unserer Finanzbehörde lässt Schlimmes erahnen. Und so ist es dann auch, denn laut ihr sind Strafzinsen "eine Art Verwahr- oder Einlagegebühr, die bei den Einkünften aus Kapitalvermögen als Werbungskosten vom Sparer-Pauschbetrag gemäß Paragraf 20 Absatz 9 Satz 1 Einkommensteuergesetz erfasst sind".

Für Sie als Sparer bedeutet dass: Negativ- bzw. Strafzinsen können nicht in der Steuererklärung als Verluste geltend gemacht werden, sondern werden über den Sparerpauschbetrag abgegolten. Anders ausgedrückt: wenn Sie mit Ihrem Geld Zinserträge erzielen, sind diese oberhalb des Sparerpauschbetrages steuerpflichtig. Müssen Sie aber Strafzinsen an Ihre Bank zahlen, können Sie die Verluste nicht geltend machen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Finanzgerichte in den abzusehenden Klagen auf die Seite der Sparer stellen und die Finanzverwaltung in ihre Schranken weisen. Die Hoffnung teilt auch Jörg Strötzel, Vorstandsvorsitzender des Lohnsteuerhilfevereins Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH) gegenüber dem "Handelsblatt".

Die Folgen der Negativzinsen für Banken, Unternehmen und Verbraucher

Über ihr Quantitative Easing versucht die EZB analog zur amerikanischen FED und anderen Zentralbanken, die Inflation in den von ihr gewünschten Zielkorridor zu bringen, indem sie Anleger zum einen in riskantere und damit besser verzinste Anleihen treiben und zum anderen bei Verbrauchern und Unternehmen die Nachfrage nach Krediten ankurbeln will.

Dieses Vorhaben scheitert aber aktuell in der Praxis. Investoren kaufen nach wie vor die als sicher geltenden Staatsanleihen und zahlen dafür sogar Zinsen an den Emittenten. Und auch die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen und Verbraucher steigt nicht in dem Umfang, wie die monetäre Basis durch die EZB ausgweitet wird - zu erkennen an der sinkenden Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Sprich: das Zentralbankgeld, welches die Banken für den Verkauf der Anleihen an die EZB erhalten, findet nur spärlich den Weg in die Realwirtschaft. Was bedeutet das für für Banken, Unternehmen und Verbraucher?

Zum einen bringen die so verursachten Negativzinsen die Geschäftsmodelle im Bereich der Banken, Versicherungen und Pensionsfonds ins Wanken. Bei den Banken sinkt die Zinsmarge, die Versicherungen haben Probleme, zugesagte Renditen bzw. Zinsen aus Lebensversicherungen zu garantieren, und Pensionsfonds benötigen deutlich mehr Kapital, da die Verzinsung des vorhandenen Geldes nicht mehr für zugesicherte Pensionsansprüche ausreicht.

Spätestens jetzt, also im Frühjahr 2016, wo 40 Prozent aller auf dem Markt befindlichen Staatsanleihen der Industrieländer mit negativer Rendite notieren (siehe dazu unsere Statistiken zur Zinsstrukturkurve), zeigt sich: die breite Masse, also Sparer und Wirtschaft (in Summe "der Markt") gehören zu den Verlierern dieser Niedrigzinspolitik.

Werden Negativzinsen zum neuen Trend?

Einer Studie von Franklin Templeton Investment zufolge sind negative Zinsen "mittlerweile in vielen Teilen der Welt der Normalfall". Brooks Ritchey, Senior Managing Director von K2 Advisors bei Franklin Templeton Solutions mahnt an, dass die Zentralbanken von Europa, Japan, Schweden, der Schweiz und Dänemark ihre Zinsen allesamt in den negativen Bereich abgesenkt haben, ohne die langfristigen Konsequenzen einschätzen zu können bzw. in dem Wissen um sehr unerfreuliche langfristige Konsequezen.

Welche Zentralbanken bereits Negativzinsen eingeführt haben

Laut Studie bedeuten Negativzinsen "im Prinzip eine Schwächung der Banken in den davon betroffenen Ländern". Interessant ist, dass Brooks Ritchey eine Ursache des aktuellen Handelns der Zentralbanken in der akademischen Ausbildung der Zentralbanker sieht. Die meisten entstammen der so genannten keynesianischen Schule der Wirtschaftstheorie, gemäß der sie gegen Deflation in jeder Form sind und alles tun würden, um einen Preisrückgang auf breiter Front zu vermeiden. In dieser akademischen Blindheit setzen sie ihre Progamme der quantitativen Lockerung ungeachtet der Tatsache fort, dass es keine empirischen Belege für deren Wirksamkeit gibt.

Welche Konsequenzen Kunden bei Negativzinsen ziehen würden

Den Sparern in Deutschland fehlt laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag von Savedo.de jegliches Verständnis für Strafzinsen oder "Verwahrgebühren" auf ihre Ersparnisse. Sollte ihre Hausbank oder Sparkasse mit negativen Zinsen oder Kontoführungsgebühren für Sparkonten um die Ecke kommen, würden laut Studie 54,7 Prozent der Befragten ihr Geld abheben und zu Hause bunkern. Rund ein Drittel würde weniger sparen und stattdessen mehr ausgeben (und damit eines der von der EZB beabsichtigten Ziele negativer Zinsen unterstützen). Über zehn Prozent der Kunden würden sogar überlegen, ihr Geld ins EU-Ausland zu schaffen - etwa auf ein Festgeldkonto außerhalb der Union. Die Ergebniss der Umfrage auf einen Blick:

Konsequenzen von Sparern bei Einführung von Negativzinsen

Unzufriedenheit der Anleger durch Niedrigzinsen wächst

Wie die Umfrage "Geldanlage 2016/2ß17" des Bankenverbandes ergab, wächst die Unzufriedenheit der Anleger mit der Wertentwicklung ihrer Geldanlage gegenüber 2015. So waren Ende 2016 nur noch 47 Prozent der Befragten mit der Wertentwicklung zufrieden. Ein Jahr zuvor waren es noch 53 Prozent.

Das liegt natürlich auch daran, dass deutsche Anleger grundsätzlich risikoscheu sind. Die Bevorzugten Anlegeprodukte 2016 waren weiterhin Sparkonten und Sparpläne sowie Tagesgeld - auch wenn deren Beliebtheit gegenüber 2015 deutlich gelitten hat. Erst auf dem dritten Platr kommen Fondsanteile und auch hier gab es gegenüber 2016 einen Rückgang von 21 auf 20 Prozent der Anleger, die Fonds als Anlageprodukt bevorzugen.

Alle Ergebnisse der Umfrage des Bankenverbandes nachfolgend im Überblick

Geldanlage 2016/2017 from Bankenverband (BdB)