Weihnachtsgeld anlegen - aber wie?

Im vergangenen Jahr durften sich 53 Prozent der Beschäftigten in Deutschland über ein Weihnachtsgeld freuen. Die Höhe dieses 13. Monatsgehaltes ist dabei stark davon abhängig, in welcher Branche man tätig ist und ob es einen Tarifvertrag gibt. Laut dem Statistischen Bundesamt erhalten deutsche Beschäftigte durchschnittlich eine Weihnachtsprämie in Höhe von 2.661 Euro brutto. Die Mehrheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gibt diese üppige Sonderzahlung für Weihnachtsgeschenke aus und belässt den Rest einfach auf dem Girokonto. Nur selten entscheiden sich die Arbeitnehmer dafür, das Weihnachtsgeld anzulegen. Dabei könnten Anlegerinnen und Anleger mit dem richtigen Gespür trotz Niedrigzinsphase eine attraktive Rendite erwirtschaften.

Aber welche Möglichkeiten der Geldanlage eignen sich für verschiedene Anlagehorizonte und Risikopräferenzen? Wir haben die aussichtsreichsten Geldanlagen herausgesucht, die sich ideal dafür eignen, um das Weihnachtsgeld anzulegen.

Die wichtigsten Fakten

  • Geschenke im Wert von 472 Euro werden jährlich im Durchschnitt pro Person geplant
  • Kurzfristig, mittelfristig oder langfristig - von A wie Aktie bis zu W wie Wandelanleihe
  • ETF-Sparpläne schonen den Geldbeutel und sind langfristig sinnvoll
  • Weihnachtsgeld nach Branchen liegt zwischen 318 und 5.274 Euro

Durchschnittlich Geschenke für 472 Euro zum Fest

Eine bereits etwas länger zurückliegende repräsentative Umfrage von Kantar Emnid im Auftrag von Fidelity International ist zu dem Ergebnis gekommen, dass nur acht Prozent der Beschäftigten das Weihnachtsgeld in Aktien oder Fonds investieren würden. Vielen erscheint es nach wie vor zu unsicher zu sein, das lang ersehnte Weihnachtsgeld einfach auf dem Aktienmarkt anzulegen und so vielleicht zu verlieren. Die Mehrheit bevorzugt stattdessen den sofortigen Konsum, indem teure Weihnachtsgeschenke für die Liebsten gekauft werden. Im Durchschnitt planen Verbraucher ihre Lieben laut dem Ifes-Institut für 472 Euro zu beschenken. Wer sich beim Einkauf der Weihnachtsgeschenke ein wenig zurücknimmt und stattdessen vielleicht seine Kreativität spielen lässt, kann nicht nur Geld sparen, sondern sein Weihnachtsgeld in diesem Jahr auch mal anlegen.

Warum Geld anlegen?

In Deutschland leben wir schon lange in einer Überflussgesellschaft. Viele Menschen konsumieren deutlich mehr als sie eigentlich benötigen würden. Kaum einer macht sich noch Gedanken darüber, wofür er sein Geld ausgibt und ob er das Konsumgut seiner Wahl wirklich braucht. Bevor also das Weihnachtsgeld kurzfristig für sinnlose Luxus-Gegenstände ausgegeben wird, sollte man sich also überlegen, nicht vielleicht lieber erstmal an die eigene Altersvorsorge zu denken. Wer bewusst konsumiert, weiß die erworbenen Güter außerdem viel mehr zu schätzen.

Darüber hinaus sollte ein Wertverlust verhindert werden. Das bedeutet, dass es im Grunde auch keine gute Option ist, das Weihnachtsgeld einfach auf dem Girokonto zu belassen. In diesem Fall verliert das Geld durch die Inflation langfristig gesehen an Kaufkraft, sodass sich die Weihnachtsgeldempfänger in Zukunft immer weniger vom Ersparten kaufen können. Und dass, obwohl die Inflationsrate im November 2020 laut dem Statistischen Bundesamt zuletzt bei -0,30 Prozent lag.

Ein weiterer Grund, der dafürspricht, das Weihnachtsgeld kurz-, mittel- oder langfristig anzulegen, ist das Aufbauen eines kleinen zusätzlichen Vermögens. Während das „normale“ Monatsgehalt oftmals nicht ausreicht, um dauerhaft finanzielle Rücklagen zu bilden, bietet sich das Weihnachtsgeld genau dafür an. Wer ehrlich zu sich selbst ist und feststellt, dass er das Weihnachtsgeld nicht dringend an anderer Stelle benötigt, sollte sich nicht davor scheuen, es mit Blick auf die Altersvorsorge hoffentlich gewinnbringend anzulegen.

Weihnachtsgeld kurzfristig anlegen (1 Jahr)

Um herauszufinden, welche Anlageoption im Einzelfall geeignet ist, sollte man sich zunächst einmal Gedanken zur eigenen Risikobereitschaft und zum gewünschten Anlagehorizont machen. Wer beispielsweise in den kommenden ein oder zwei Jahren eine größere Anschaffung in Erwägung zieht, sollte das Weihnachtsgeld möglichst flexibel anlegen und dabei auch eine geringere Rendite akzeptieren. In diesem Fall könnte sich ein Tages- oder Festgeldkonto eignen. Während beim Tagesgeld aktuell meist höchstens 0,50 Prozent p.a. an Zinsen zu erwarten sind, können es beim Festgeldkonto je nach Laufzeit zumindest etwa 1,00 Prozent p.a. sein.

Merkmale Alter
30 Jahre 40 Jahre 50 Jahre
Anlageklasse 100 Prozent Festgeld
Einmalige Kosten 0 EUR
Laufende Kosten 0 EUR
Rendite pro Jahr 1,00 Prozent
Alle Angaben ohne Gewähr

Welche Banken die besten Zinsen aufs 12-Monats-Festgeld bieten, zeigt Ihnen - basierend auf unserer Datenbank - die nachfolgende, täglich aktualisierte Übersicht:

Festgeld - alle Banken - Laufzeit: 12 Monate - Anlagesumme: 25000 Euro

Anbieter Land Zinssatz Zinsertrag
FerratumBank Festgeld Malta 0,81% 202,50 €
Banco BAI Europa Festgeld Portugal 0,80% 200,00 €
Investbank Festgeld Bulgarien 0,75% 187,50 €
Attica Bank Festgeld Griechenland 0,75% 187,50 €
BlueOrange Bank Festgeld Lettland 0,71% 177,50 €
Stand: 15.04.2021

Tipp: Experten empfehlen, dass alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer drei bis sechs Netto-Monatsgehälter als finanzielle Reserve für unerwartete Ereignisse zurückhalten. Dieser "Notgroschen" kann beispielsweise auf einem Tagesgeldkonto angelegt werden, um trotz maximaler Flexibilität trotzdem noch einen geringen Zinsertrag zu erwirtschaften.

Unsere aktuellen Empfehlungen

  • ZinsEmpfehlung der Redaktion

    • bis 0,50% p.a. bis 500.000 Euro
    • AA Rating Großbritannien
  • TippEmpfehlung der Redaktion

    • 0,15% p.a. bis 1.000.000 Euro
    • AAA Rating Deutschland
  • TippZins-Alternative

    • 0,50% p.a. für Konto + Tagesgeld
    • Einlagensicherung bis 100.000 Euro

Weihnachtsgeld mittelfristig anlegen (5 Jahre)

Als mittelfristige Lösung mit einem Anlagehorizont von etwa fünf Jahren setzen wir aus eine Kombination von Wandelanleihen und Aktien in Form zweier ETFs.

So genannte Wandelanleihen kombinieren die Merkmale von Anleihen und Aktien. Das bedeutet, dass sie genau wie Unternehmensanleihen eine feste Laufzeit und einen festen Kupon haben. Abweichend von der Funktionsweise einer "normalen" Anleihe sind Wandelanleihen jedoch mit einer Option ausgestattet, die es erlaubt, die Anleihe in eine vorher festgelegte Anzahl von Aktien des Unternehmens zu tauschen. Zu Wandelanleihen raten wir, weil diese Kursaufschwünge am Aktienmarkt im Schnitt zu zwei Dritteln nachvollziehen, Abschwünge allerdings nur zu einem Drittel – Ausnahmesituationen wie die Coronakrise außen vorgelassen. Sie vereinen also die Chancen von Aktien mit der Sicherheit von Anleihen. Aus unserer Sicht handelt es sich hierbei um eine mittelfristige Lösung mit einem Anlagehorizont ab fünf Jahren, um sein Weihnachtsgeld hoffentlich gewinnbringend anzulegen.

Unser nachfolgender Anlagevorschlag basierend auf einer Mischung aus 50 Prozent Wandelanleihen-ETF SPDR Refinitiv Global Convertible Bond (ISIN: IE00BNH72088) und 50 Prozent Aktien-ETF Xtrackers MSCI AC World UCITS ETF (ISIN: IE00BGHQ0G80) führte in der Vergangenheit nach fünf Jahren Anlagedauer zu einem Endkapital von 2.668,30 Euro. Grundlage für die Berechnung sind Durchschnittswerte bei einem Anlagebeginn von 1999 bis 2014.

Merkmale Alter
30 Jahre 40 Jahre 50 Jahre
Anlageklasse 50 Prozent ETF Wandelanleihen,
z. B. SPDR Thomson Reuters Refinitiv Qualified Global Convertible Bond
(ISIN: IE00BNH72088)
50 Prozent ETF Aktien weltweit,
z. B. Xtrackers MSCI AC World UCITS ETF
(ISIN: IE00BGHQ0G80)
Einmalige Kosten Ordergebühr, abhängig vom Broker (Zum Brokervergleich »)
Laufende Kosten (TER) 0,45 Prozent pro Jahr
Rendite pro Jahr 6,68 Prozent
Gesamtrendite 33,41 Prozent
Alle Angaben ohne Gewähr

Weihnachtsgeld langfristig anlegen (10 Jahre)

Bei einem Anlagehorizont von zehn Jahren oder mehr empfehlen wir das Geld ausschließlich in einen weltweiten Aktien-ETF anzulegen. Einzige Ausnahme: Anleger ab 55 Jahren, für die wir auch bei der langfristigen Geldanlage die eben beschriebene Kombination aus 50 Prozent Wandelanleihen-ETF und 50 Prozent Aktien-ETF empfehlen würden. Bei zehn Jahren Anlagedauer lässt sich so ein Endkapital von 3.299,60 Euro erreichen. Legen wir das Geld ausschließlich in einen weltweiten Aktien-ETF wie den Xtrackers MSCI AC World UCITS ETF (ISIN: IE00BGHQ0G80), erzielen wir nach 10 Jahren durchschnittlich ein Plus von 607,20 Euro bzw. steht unser Kontostand bei insgesamt 2.607,20 Euro.

Merkmale Alter
30 Jahre 40 Jahre 50 Jahre 55 Jahre und älter
Anlageklasse 100 Prozent ETF Aktien weltweit,
z. B. Xtrackers MSCI AC World UCITS ETF
(ISIN: IE00BGHQ0G80)
50 Prozent ETF Wandelanleihen,
z. B. SPDR Thomson Reuters Refinitiv Qualified Global Convertible Bond
(ISIN: IE00BNH72088)
50 Prozent ETF Aktien weltweit,
z. B. Xtrackers MSCI AC World UCITS ETF
(ISIN: IE00BGHQ0G80)
Einmalige Kosten Ordergebühr, abhängig vom Broker (Zum Brokervergleich »)
Laufende Kosten (TER) 0,40 Prozent 0,45 Prozent
Rendite pro Jahr 3,04 Prozent im Durchschnitt bei Anlagebeginn von 1999 bis 2009
9,90 Prozent im Bestfall bei Anlagebeginn von 1999 bis 2009
9,96 Prozent im Durchschnitt bei Anlagebeginn 2014
Gesamtrendite 30,36 Prozent im Durchschnitt bei Anlagebeginn von 1999 bis 2009
99,00 Prozent im Bestfall bei Anlagebeginn von 1999 bis 2009
99,60 Prozent im Durchschnitt bei Anlagebeginn 2014
Alle Angaben ohne Gewähr

Bei welchem Broker anlegen?

Sowohl den in unseren Anlagevorschlägen genannten Wandelanleihen-ETF SPDR Thomson Reuters Refinitiv Qualified Global Convertible Bond (ISIN: IE00BNH72088) als auch den Aktien-ETF Xtrackers MSCI AC World UCITS ETF (ISIN: IE00BGHQ0G80) können Sie entweder über Ihre Hausbank oder das Depot eines der zahlreichen Onlinebroker direkt an der Börse kaufen. Dabei werden einmalig Ordergebühren und - je nach Broker und Depot - laufende Depotführungskosten. Daher unsere Empfehlung: nutzen Sie die Vorteile eines Onlinebrokers in Form niedriger Ordergebühren und oftmals kostenloser Depotführung. Unser nachfolgender Depotkostenrechner zeigt Ihnen, welche Angebote am günstigsten sind:

Überblick: Wer bekommt Weihnachtsgeld und wie viel?

Während im Jahr 2018 noch 55 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland ein Weihnachtsgeld erhielten, waren es ein Jahr später "nur" noch 53 Prozent. Auffällig hierbei ist, dass bei den Arbeitnehmern mit Tarifvertrag deutlich mehr (77 Prozent) der Beschäftigten ein Weihnachtsgeld erhalten als bei den Beschäftigten ohne Tarifvertrag (41 Prozent). Durchschnittlich erhielt jeder Arbeitnehmer eine Zuwendung in Höhe von 2.661 Euro brutto.

Ob und wie viel Weihnachtsgeld ausgeschüttet wird, hängt zudem maßgeblich davon ab, in welcher Branche man selbst tätig ist. Während bei der Arbeitnehmerüberlassung (Zeitarbeit) nur durchschnittlich 318 Euro als Weihnachtsgeld gezahlt wird, sind es bei der Erbringung von Finanzdienstleistungen durchschnittlich 4.260 Euro und bei Unternehmen der Energieversorgung sogar 4.923 Euro brutto.

Durchschnittliches Weihnachtsgeld nach Branchen (2019):

Weihnachtsgeld(brutto) Tätigkeitsbereich
318 Euro Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften
510 Euro Wach- bzw. Sicherheitsdienste und Detekteien
1.967 Euro Herstellung von Metallerzeugnissen
4.260 Euro Erbringung von Finanzdienstleistungen
4.739 Euro Herstellung von chemischen Erzeugnissen
4.923 Euro Energieversorgung
5.274 Euro Rundfunkveranstalter
Quelle: Eigene Recherchen, Stand: 09.12.20

Fazit

Im Durchschnitt erhält nach wie vor immer noch jeder zweite Beschäftigte in Deutschland von seinem Arbeitgeber ein Weihnachtsgeld. Die Höhe variiert je nach Branche, Betriebszugehörigkeit und Bundesland zwischen wenigen hundert Euro und mehreren tausend Euro. Besonders lukrativ sind in diesem Zusammenhang Finanzdienstleistungsunternehmen, die Pharmaindustrie und Rundfunkveranstalter, da es hier durchschnittlich für jeden Arbeitnehmer zwischen 4.260 und 5.274 Euro Weihnachtsgeld brutto gibt. Natürlich sollten ambitionierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer das Weihnachtsgeld nicht direkt in voller Höhe anlegen, sondern zunächst wirkliche notwendige Weihnachtsgeschenke kaufen. Außerdem sollte bereits im Dezember an die häufig im Januar fällig werdenden Versicherungsprämien (z.B. KFZ-Versicherung) gedacht werden. Ebenso ist es denkbar, mit dem Weihnachtsgeld zum Beispiel eine Sondertilgung seines Kredites durchzuführen, wenn der Kreditvertrag dies erlaubt. Wer dennoch Geld übrigbehält, kann je nach persönlicher Risikobereitschaft und dem gewünschten Anlagehorizont sein Weihnachtsgeld beispielsweise auf einem Tagesgeld- bzw. Festgeldkonto einzahlen oder dieses in einem Wandelanleihen- oder Aktien-ETF längerfristiger anlegen.

Autor: Christian Finkenbrink

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Quellen