Niedrigzinsphase - Kosten für Sparer seit 2009

Wie geht es mit den Zinsen weiter?

Zinswende ade: wer auf höhere Sparzinsen hofft, den müssen wir derzeit leider enttäuschen. Die im Zuge der Coronakrise aufgelegten Hilfsprogramme treibt die Staatsverschuldung weiter nach oben und betoniert im Grunde die niedrigen Zinsen für die kommenden Jahre auf dem aktuell niedrigen Niveau..

Der Zinssatz, zu welchem die Banken Geld bei der EZB parken können, liegt aktuell bei -0,50 Prozent - seit November 2019 mit einem Freibetrag vom Sechsfachen des Mindestreservesatzes für die betroffenen Banken. Auch ihr Anleihekaufprogramm hat die EZB unter dem Kürzel PEPP 2020 wiederaufleben lassen. Während Anleger die Gedankenspiele der anhaltend lockeren Geldpolitik durchaus begrüßen dürften, geraten Sparer weiter ins Hintertreffen.

Wir betrachten nachfolgend, was die Niedrigzinsphase den durchschnittlichen Zinssparer bis dato gekostet hat. Zudem betrachten wir die Auswirkungen auf den Bereich der Lebensversicherer.

Die wichtigsten Fakten

  • 317,745 Milliarden Euro hat die Niedrigzinsphase Verbraucher in Form niedrigerer Zinsen auf Spareinlagen und Zinseinbußen bei Lebensversicherungen seit 2009 gekostet
  • 220,18 Milliarden Euro davon sind Zinseinbußen auf Spareinlagen
  • 97,565 Milliarden Euro davon sind Zinseinbußen der Kapitalanlagen von Lebensversicherungen
  • 14,414 Milliarden Euro betrugen die Zinseinbußen auf Spareinlagen in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres 2020
  • Bis Ende 2020 werden sich die Einbußen für Zinssparer auf 254,77 Milliarden Euro belaufen, 34,59 Milliarden Euro davon entfallen auf das Jahr 2020

Diese Zinsen sind für Sparer derzeit noch drin

Festgeld (EUR) 120 Monate

bis zu
1,80% p.a.

Durchschnittszins
0,85% p.a.
von 20 Angeboten

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Festgeld (EUR) 60 Monate

bis zu
1,50% p.a.

Durchschnittszins
0,76% p.a.
von 76 Angeboten

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Festgeld (USD) 12 Monate

bis zu
1,50% p.a.

Durchschnittszins
1,24% p.a.
von 5 Angeboten

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Festgeld (EUR) 36 Monate

bis zu
1,35% p.a.

Durchschnittszins
0,65% p.a.
von 100 Angeboten

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Festgeld (EUR) 12 Monate

bis zu
1,01% p.a.

Durchschnittszins
0,44% p.a.
von 137 Angeboten

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Festgeld (EUR) 6 Monate

bis zu
0,70% p.a.

Durchschnittszins
0,28% p.a.
von 80 Angeboten

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Tagesgeld

bis zu
0,55% p.a.

Durchschnittszins
0,10% p.a.
von 89 Angeboten

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Sparbuch

bis zu
0,50% p.a.

Durchschnittszins
0,07% p.a.
von 56 Angeboten

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Inhaltsverzeichnis

Kosten der Niedrigzinsphase seit 2009

Wir wollen wissen, wie hoch die Zinseinbußen der Sparer in Deutschland durch die Niedrigzinsphase sind, welche durch die Finanzkrise 2007/2008 ausgelöst wurde. Dazu haben wir aus den monatlichen Statistiken der Deutschen Bundesbank die Zinssätze aller Spareinlagen - vom Tagesgeld über Sparbuch bis hin zu Fest- und Termingeld - für den Zeitraum von Januar 2003 bis Mai 2009 genommen und den Durchschnittszins ermittelt.

Diesen Durchschnittszins ziehen wir für alle Monate ab Juni 2009 vom jeweiligen Monatswert ab, summieren den erhaltenen Zinssatz mit dem Volumen der jeweiligen Einlagen und für den betrachteten Monat. Daraus ergibt sich ein Zinsverlust, den wir kumuliert und in der nachfolgenden Grafik aufbereitet haben:

Jahr Zinsver­luste durch Niedrig­zinsen in Mio. € kumulierte Zinsver­luste in Mio. €
ab Juni 2009 -3.925,03 -3.925,03
2010 -10.397,23 -14.322,26
2011 -9.659,71 -23.981,97
2012 -12.048,17 -36.030,14
2013 -17.225,56 -53.255,70
2014 -20.564,55 -73.820,25
2015 -24.560,85 -98.381,10
2016 -27.289,42 -125.670,52
2017 -29.651,42 -155.321,94
2018 -31.465,83 -186.787,77
2019 -33.388,71 -220.176,47
2020 -34.593,47 * -254.769,94 *
Quelle: Bundesbank, eigene Berechnungen, * Prognose
Statistik zu den Zinsverlusten nach der Finanzkrise 2019

Wie sich erkennen lässt, steigen die Zinsverluste weiter an. Für 2019 kommen wir in unseren Berechnungen auf einen Verlust von rund 33,39 Milliarden Euro nach 31,466 Milliarden Euro im Vorjahr. In Summe ergibt sich von Juni 2009 bis Ende 2019 ein kumulierter Verlust von ca. 220,176 Milliarden Euro.

Zinsverluste pro Monate

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Quellen:

Zinsverluste kumuliert

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Guthaben- und Kaufkraftentwicklung

Wie haben sich Zinsen und Kaufkraft des angelegten Geldes für einen durchschnittlichen Sparer seit 2013 entwickelt? Dieser Frage gehen wir in der nachfolgenden Musterrechnung nach. Berechnet werden die Entwicklung von Guthaben und Kaufkraft nach der Finanzkrise. Die Daten für 2019 beruhen auf Prognosen.

Tagesgeld-Muster­rechnung mit Freistellungs­auftrag
Jahr: 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019*
Anlagebetrag 10.000,00 EUR 10.089,00 EUR 10.150,54 EUR 10.195,20 EUR 10.227,82 EUR 10.248,28 EUR 10.266,73 EUR
Anlagebetrag Top-5 10.000,00 EUR 10.175,00 EUR 10.314,40 EUR 10.439,20 EUR 10.558,21 EUR 10.653,23 EUR 10.741,65 EUR
Zinssatz (p.a.) 0,89% 0,61% 0,44% 0,32% 0,20% 0,18% 0,18%
Top-5-Zins (p.a.) 1,75% 1,37% 1,21% 1,14% 0,90% 0,83% 0,81%
Zinsgewinn 89,00 EUR 61,54 EUR 44,66 EUR 32,62 EUR 20,46 EUR 18,45 EUR 18,48 EUR
Zinsgewinn Top-5 175,00 EUR 139,40 EUR 124,80 EUR 119,01 EUR 95,02 EUR 88,42 EUR 87,01 EUR
Inflationsrate 1,50% 0,90% 0,30% 0,50% 1,50% 1,80% 1,60%
Kaufkraft­gewinn/-verlust 150,00 EUR 90,80 EUR 30,45 EUR 50,98 EUR 153,42 EUR 184,47 EUR 164,27 EUR
Kaufkraft­gewinn/-verlust Top-5 150,00 EUR 91,58 EUR 30,94 EUR 52,20 EUR 158,37 EUR 191,76 EUR 171,87 EUR
Guthaben 10.089,00 EUR 10.150,54 EUR 10.195,20 EUR 10.227,82 EUR 10.248,28 EUR 10.266,73 EUR 10.285,21 EUR
Guthaben Top-5 10.175,00 EUR 10.314,40 EUR 10.439,20 EUR 10.558,21 EUR 10.653,23 EUR 10.741,65 EUR 10.828,66 EUR
Kaufkraft 9.939,00 EUR 9.909,74 EUR 9.923,95 EUR 9.905,59 EUR 9.772,63 EUR 9.606,61 EUR 9.460,82 EUR
Kaufkraft Top-5 10.025,00 EUR 10.072,82 EUR 10.166,68 EUR 10.233,49 EUR 10.170,14 EUR 10.066,80 EUR 9.981,94 EUR
Quelle: Tagesgeldvergleich.net / Bundesbank - * Prognose
Entwicklung der Kaufkraft bei Niedrigzinsen 2013-2019

Basierend auf den Daten bis Ende 2018 hat sich das Sparguthaben bei einer Ausgangsanlage von 10.000 Euro innerhalb von sechs Jahren um 266,73 Euro erhöht. Nehmen wir eine vergleichsweise stabile Entwicklung der Sparzinsen für das laufende Jahr an, befinden sich Ende 2019 rund 10.285,21 Euro auf dem Sparkonto. Angenommen wurden jeweils die durchschnittlichen Jahreszinsen für ein Tagesgeld. Werfen wir einen Blick auf die Realrendite, sieht das Ergebnis indes nicht mehr ganz so gut aus. Auf dem Konto befinden sich inzwischen 10.266,73 Euro, die Kaufkraft entspricht aber einem Wert von 9.606,61 Euro – ein Minus von 393,39 Euro zu den ursprünglichen 10.000 Euro.

Entwicklung der Kaufkraft bei Niedrigzinsen 2013-2019 - Top-5-Sparzinsen

Da Sparer aber in der Regel die besser verzinsten Anlagen wählen, sehen wir uns an dieser Stelle die jeweiligen Top-5-Zinsen an. Nutzt der Kunde jeweils ein Top-5-Angebot mit dem durchschnittlichen Zinssatz der besten fünf Anbieter, dann werden aus 10.000 Euro aus dem Jahr 2013 rund 10.741,65 Euro im Jahr 2018. Bis Ende 2019 könnten – sofern die Zinsen sich einigermaßen stabilisieren – 10.828,66 Euro daraus werden. Hinsichtlich der Realrendite sieht das Resultat indes nicht berauschend aus. Zum Jahresende 2018 liegt der Kaufkraftwert bei 10.066,80 Euro. Im Jahr 2019 wird die Kaufkraft unter 10.000 Euro fallen. Der Sparkonto-Inhaber landet nach sieben Jahren also real im Minus, obwohl er inzwischen rund 828,66 Euro mehr auf der hohen Kante hat.

Auswirkungen auf Kapitallebensversicherungen

Die anhaltenden Niedrigzinsen wirken sich auch auf den Bereich der Kapitallebensversicherungen aus – lange Jahre eines der beliebtesten Anlageprodukte der Deutschen. Bisweilen kommt inzwischen die Frage auf, inwieweit entsprechende Policen überhaupt noch Sinn machen. Die Garantieverzinsung ist mit max. 0,90 Prozent belanglos, die Kosten sind vergleichsweise hoch. Renditeerwartung: Bescheiden. Wie das Ratinghaus Assekurata Anfang 2020 vermeldete, lag die laufende Verzinsung zuletzt im Schnitt bei 2,30 Prozent (Stand: 05/2020).

Aber nicht nur in den Tarifen und Verträgen schlägt sich die Niedrigzinsphase nieder, sondern auch in der finanziellen Aufstellung der Lebensversicherer. Nachfolgend haben wir die Zinseinbußen der Branche seit 2009 berechnet. Als Grundlage diente die durchschnittliche Nettoverzinsung der Kapitalanlagen in den Jahren 2000 bis 2007. Jene haben wir zur Bewertung und zum Vergleich mit den Jahren 2009 bis 2019 herangezogen. Das Jahr 2008 haben wir aufgrund des Börsencrashs herausgerechnet bzw. ausgelassen, da die Nettoverzinsung in diesem Jahr nur 3,54 Prozent betrug und den Durchschnittswert unnötig nach unten verzerrt hätte.

Jahr Nettover­zinsung der Kapital­anlagen Kapital­anlagen in Mrd. Euro Zinsein­bußen in Mrd. Euro Zinseinbußen in Mrd. Euro - kumuliert Zinseinbußen *
2009 4,18 % 704,42 8,339 8,339 1,18 %
2010 4,27 % 730,93 7,995 16,333 1,09 %
2011 4,13 % 741,26 9,145 25,478 1,23 %
2012 4,59 % 764,49 5,915 31,394 0,77 %
2013 4,68 % 793,41 5,425 36,819 0,68 %
2014 4,63 % 819,27 6,011 42,830 0,73 %
2015 4,50 % 847,42 7,320 50,150 0,86 %
2016 4,36 % 881,81 8,851 59,001 1,00 %
2017 4,49 % 905,52 7,912 66,913 0,87 %
2018 3,59 % 933,22 16,663 83,466 1,76%
2019 3,91 % 969,85 14,099 97,565 1,45%
Quelle: Bundesbank, Tagesgeldvergleich.net / * Durchschnittzins 2000 bis 2007: 5,36 %

Wie sich feststellen lässt, erweist sich die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen bei den Lebensversicherern als einigermaßen stabil. Im Vergleich mit den durchschnittlichen Zinsen der Jahre 2000 bis 2007 liegen die aktuellen Zinssätze indes generell etwas niedriger. Umgelegt auf die Kapitalanlagen bedeuten die Zinseinbußen: Jährlich "fehlen" den Lebensversicherern im Schnitt 8,87 Milliarden Euro. Seit 2009 kommen wir auf einen kumulierten Wert von 87,565 Milliarden Euro.

Bemerkenswert: Die bis 2017 stabile Nettoverzinsung kam 2018 erstmals richtig ins Rutschen und sank um fast 20 Prozent. Die Stabilität ließ sich bis dahin in erster Linie auf einen deutlichen Anstieg der Quoten für Aktien, Investmentanteile und nicht festverzinslichen Wertpapiere zurückführen. 2009 betrug der Anteil rund 25,4 Prozent, 2019 bereits 38,99 Prozent - ein Anstieg um 54 Prozent. Wie sich die Verzinsung und die Gewichtung der Bestandteile der Kapitalanlagen der Lebensversicherungen entwickelt haben, zeigen unsere Statistiken:

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Quellen:


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Niedrige Aktienquote dank Solvency II

Den sinkenden Zinsen hätten Lebensversicherer schon seit Jahren mit einer höheren Aktienquote begegnen und so eine der längsten Aufschwungphasen an den Weltbörsen mitnehmen können. Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass gerade deutsche Lebensversicherer ihre Aktienanteile am Kapitalbestand in etwa halbiert haben - meist nicht freiwillig, sondern in Folge der strikten Eigenkapitalregeln von Solvency II. Die Folge: verschenkte Rendite.

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Quellen:

Fazit

Das Licht am Ende des Tunnels wird wieder kleiner. Statt einem Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik plant die EZB derzeit eher das Gegenteil. Entsprechend verschärfen sich die Auswirkungen für den Sparer hierzulande. Klassische Sparkonten bieten zwar hohe Sicherheit, allerdings bezahlt der Kunde diese Risikominimierung mit einem immensen Kaufkraftverlust. Insofern bleiben wir bei unserer Kernaussage: Auf Sparkonten bzw. Tagesgelder sollten lediglich bis zu drei Monatsgehältern zurückgelegt werden – z. B. für die Begleichung kurzfristiger Rechnungen oder dringende Anschaffungen. Alles darüber hinaus ist anderweitig besser aufgehoben. Selbst ein Festgeld mit 12 bis 24 Monaten Laufzeit kann eine sinnvolle Alternative sein. Interessant für Sparer sind auch Wertpapier-Sparpläne mit überschaubarem Risiko.

Stand der Daten: Juni 2020