Niedrigzinsphase - Kosten für Sparer seit 2010

Wie geht es mit den Zinsen weiter?

Zinswende ade? Frühestens im Sommer 2020 will die europäische Zentralbank (EZB) eine Anpassung des Leitzinses vornehmen – wenn überhaupt. Aufgrund der mäßigen Konjunkturentwicklung und der stagnierenden Inflation innerhalb der Eurozone denken die Notenbanker derzeit eher in die entgegengesetzte Richtung. Nicht aufwärts, sondern abwärts, zumindest was den Einlagenzins angeht.

Der Zinssatz, zu welchem die Banken Geld bei der EZB parken können, liegt aktuell bei -0,40 Prozent. Gegebenenfalls lasse sich dieser Zinssatz weiter drücken oder in eine Staffel umwandeln. Auch das Anleihekaufprogramm könne bei Bedarf wieder angekurbelt werden. Die EZB kaufte bis Ende 2018 Anleihen mit einem Gesamtvolumen von 2,6 Billionen Euro. Während Anleger die Gedankenspiele die anhaltend lockeren Geldpolitik durchaus begrüßen dürften, geraten Sparer weiter ins Hintertreffen.

Wir betrachten nachfolgend, was die Niedrigzinsphase den durchschnittlichen Zinssparer bis dato gekostet hat.

Die wichtigsten Fakten

  • Rund 219,9 Milliarden Euro weniger Zinsen werden Sparer durch die seit 2010 anhaltende Niedrigzinsphase bis Ende 2019 auf ihre Ersparnisse haben
  • Nominal haben 10.000 Euro, die 2013 auf jeweils einem der fünf bestverzinsten Tagesgeldkonten angelegt wurden, 828,66 Euro an Zinsen abgeworfen.
  • Real, also nach Abzug der Inflation, ergibt sich ein Kaufkraftverlust von 18,06 Euro.
  • Bei durchschnittlichen Sparzinsen aufs Tagesgeld beträgt der nominale Zinsertrag seit 2010 nur 285,21 Euro und der Kaufkraftverlust liegt bei 539,17 Euro.

Diese Zinsen sind für Sparer derzeit noch drin:

Festgeld (USD) 12 Monate

bis zu
3,50% p.a.

Durchschnittszins
2,88% p.a.
von 5 Angeboten

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Festgeld (EUR) 120 Monate

bis zu
2,40% p.a.

Durchschnittszins
1,25% p.a.
von 26 Angeboten

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Festgeld (EUR) 60 Monate

bis zu
2,00% p.a.

Durchschnittszins
0,97% p.a.
von 75 Angeboten

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Festgeld (EUR) 36 Monate

bis zu
1,50% p.a.

Durchschnittszins
0,83% p.a.
von 105 Angeboten

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Festgeld (EUR) 12 Monate

bis zu
1,40% p.a.

Durchschnittszins
0,55% p.a.
von 130 Angeboten

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Tagesgeld

bis zu
1,00% p.a.

Durchschnittszins
0,18% p.a.
von 102 Angeboten

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Festgeld (EUR) 6 Monate

bis zu
0,91% p.a.

Durchschnittszins
0,34% p.a.
von 73 Angeboten

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Sparbuch

bis zu
0,80% p.a.

Durchschnittszins
0,10% p.a.
von 60 Angeboten

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Inhaltsverzeichnis

Kosten der Niedrigzinsphase seit 2009

Wir wollen wissen, wie hoch die Zinseinbußen der Sparer in Deutschland durch die Niedrigzinsphase sind, welche durch die Finanzkrise 2007/2008 ausgelöst wurde. Dazu haben wir aus den monatlichen Statistiken der Deutschen Bundesbank die Zinssätze aller Spareinlagen - vom Tagesgeld über Sparbuch bis hin zu Fest- und Termingeld - für den Zeitraum von Januar 2003 bis Mai 2009 genommen und den Durchschnittszins ermittelt.

Diesen Durchschnittszins ziehen wir für alle Monate ab Juni 2009 vom jeweiligen Monatswert ab, summieren den erhaltenen Zinssatz mit dem Volumen der jeweiligen Einlagen und für den betrachteten Monat. Daraus ergibt sich ein Zinsverlust, den wir kumuliert und in der nachfolgenden Grafik aufbereitet haben:

Jahr Zinsverluste durch Niedrigzinsen in Mio. € kumulierte Zinsverluste in Mio. €
ab Juni 2009 -3.925,03 -3.925,03
2010 -10.397,23 -14.322,26
2011 -9.659,71 -23.981,97
2012 -12.048,17 -36.030,14
2013 -17.225,56 -53.255,70
2014 -20.564,55 -73.820,25
2015 -24.560,85 -98.381,10
2016 -27.289,42 -125.670,52
2017 -29.651,42 -155.321,94
2018 -31.465,83 -186.787,77
2019* -33.100,00 -219.887,77
Quelle: Bundesbank, Tagesgeldvergleich.net / * Prognose
Statistik zu den Zinsverlusten nach der Finanzkrise 2019

Wie sich erkennen lässt, steigen die Zinsverluste weiter an. Für 2018 berechnet Tagesgeldvergleich.net einen Verlust von rund 31,5 Milliarden Euro. Im Jahr 2019 wird der Verlust, basierend auf dem derzeitigen Verlauf, auf mehr 33 Milliarden Euro klettern. Datenbasis waren die ersten vier Monate des Jahres unter Einbezug des Trends. In Summe ergibt sich über die Jahre hinweg ein Verlust von ca. 219,9 Milliarden Euro.

Guthaben- und Kaufkraftentwicklung

Wie haben sich Zinsen und Kaufkraft des angelegten Geldes für einen durchschnittlichen Sparer seit 2013 entwickelt? Dieser Frage gehen wir in der nachfolgenden Musterrechnung nach. Berechnet werden die Entwicklung von Guthaben und Kaufkraft nach der Finanzkrise. Die Daten für 2019 beruhen auf Prognosen.

Tagesgeld-Musterrechnung mit Freistellungsauftrag
Jahr: 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019*
Anlagebetrag 10.000,00 EUR 10.089,00 EUR 10.150,54 EUR 10.195,20 EUR 10.227,82 EUR 10.248,28 EUR 10.266,73 EUR
Anlagebetrag Top-5 10.000,00 EUR 10.175,00 EUR 10.314,40 EUR 10.439,20 EUR 10.558,21 EUR 10.653,23 EUR 10.741,65 EUR
Zinssatz (p.a.) 0,89% 0,61% 0,44% 0,32% 0,20% 0,18% 0,18%
Top-5-Zins (p.a.) 1,75% 1,37% 1,21% 1,14% 0,90% 0,83% 0,81%
Zinsgewinn 89,00 EUR 61,54 EUR 44,66 EUR 32,62 EUR 20,46 EUR 18,45 EUR 18,48 EUR
Zinsgewinn Top-5 175,00 EUR 139,40 EUR 124,80 EUR 119,01 EUR 95,02 EUR 88,42 EUR 87,01 EUR
Inflationsrate 1,50% 0,90% 0,30% 0,50% 1,50% 1,80% 1,60%
Kaufkraftgewinn/-verlust 150,00 EUR 90,80 EUR 30,45 EUR 50,98 EUR 153,42 EUR 184,47 EUR 164,27 EUR
Kaufkraftgewinn/-verlust Top-5 150,00 EUR 91,58 EUR 30,94 EUR 52,20 EUR 158,37 EUR 191,76 EUR 171,87 EUR
Guthaben 10.089,00 EUR 10.150,54 EUR 10.195,20 EUR 10.227,82 EUR 10.248,28 EUR 10.266,73 EUR 10.285,21 EUR
Guthaben Top-5 10.175,00 EUR 10.314,40 EUR 10.439,20 EUR 10.558,21 EUR 10.653,23 EUR 10.741,65 EUR 10.828,66 EUR
Kaufkraft 9.939,00 EUR 9.909,74 EUR 9.923,95 EUR 9.905,59 EUR 9.772,63 EUR 9.606,61 EUR 9.460,82 EUR
Kaufkraft Top-5 10.025,00 EUR 10.072,82 EUR 10.166,68 EUR 10.233,49 EUR 10.170,14 EUR 10.066,80 EUR 9.981,94 EUR
Quelle: Tagesgeldvergleich.net / Bundesbank - * Prognose
Entwicklung der Kaufkraft bei Niedrigzinsen 2013-2019

Basierend auf den Daten bis Ende 2018 hat sich das Sparguthaben bei einer Ausgangsanlage von 10.000 Euro innerhalb von sechs Jahren um 266,73 Euro erhöht. Nehmen wir eine vergleichsweise stabile Entwicklung der Sparzinsen für das laufende Jahr an, befinden sich Ende 2019 rund 10.285,21 Euro auf dem Sparkonto. Angenommen wurden jeweils die durchschnittlichen Jahreszinsen für ein Tagesgeld. Werfen wir einen Blick auf die Realrendite, sieht das Ergebnis indes nicht mehr ganz so gut aus. Auf dem Konto befinden sich inzwischen 10.266,73 Euro, die Kaufkraft entspricht aber einem Wert von 9.606,61 Euro – ein Minus von 393,39 Euro zu den ursprünglichen 10.000 Euro.

Entwicklung der Kaufkraft bei Niedrigzinsen 2013-2019 - Top-5-Sparzinsen

Da Sparer aber in der Regel die besser verzinsten Anlagen wählen, sehen wir uns an dieser Stelle die jeweiligen Top-5-Zinsen an. Nutzt der Kunde jeweils ein Top-5-Angebot mit dem durchschnittlichen Zinssatz der besten fünf Anbieter, dann werden aus 10.000 Euro aus dem Jahr 2013 rund 10.741,65 Euro im Jahr 2018. Bis Ende 2019 könnten – sofern die Zinsen sich einigermaßen stabilisieren – 10.828,66 Euro daraus werden. Hinsichtlich der Realrendite sieht das Resultat indes nicht berauschend aus. Zum Jahresende 2018 liegt der Kaufkraftwert bei 10.066,80 Euro. Im Jahr 2019 wird die Kaufkraft unter 10.000 Euro fallen. Der Sparkonto-Inhaber landet nach sieben Jahren also real im Minus, obwohl er inzwischen rund 828,66 Euro mehr auf der hohen Kante hat.

Fazit

Das Licht am Ende des Tunnels wird wieder kleiner. Statt einem Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik plant die EZB derzeit eher das Gegenteil. Entsprechend verschärfen sich die Auswirkungen für den Sparer hierzulande. Klassische Sparkonten bieten zwar hohe Sicherheit, allerdings bezahlt der Kunde diese Risikominimierung mit einem immensen Kaufkraftverlust. Insofern bleiben wir bei unserer Kernaussage: Auf Sparkonten bzw. Tagesgelder sollten lediglich bis zu drei Monatsgehältern zurückgelegt werden – z. B. für die Begleichung kurzfristiger Rechnungen oder dringende Anschaffungen. Alles darüber hinaus ist anderweitig besser aufgehoben. Selbst ein Festgeld mit 12 bis 24 Monaten Laufzeit kann eine sinnvolle Alternative sein. Interessant für Sparer sind auch Wertpapier-Sparpläne mit überschaubarem Risiko.

Stand der Daten: Juni 2019