Greensill Capital vor der Insolvenz

Was droht deutschen Sparern und wie geht es weiter mit der Greensill Bank?

In den vergangenen Tagen verdichten sich die Zeichen, dass der australisch-britische Finanzkonzern Greensill Capital deutlich in wirtschaftliche Schieflage geraten ist. Laut Medienberichten droht die Pleite und die Greensill Gruppe plant, in Australien Insolvenz anzumelden. Dort hat die Holding Greensill Capital Pty Limited ihren Sitz. In Europa bündelt die Greensill Capital UK mit Hauptsitz in London das Geschäft. In Deutschland ist die Finanzgruppe mit der Greensill Bank vertreten.

Was passiert mit den Einlagen von deutschen Sparern bei dem Bremer Institut? Eine Zusammenfassung.

Was bedeutet die aktuelle Entwicklung für Kunden der Greensill Bank in Deutschland?

Für deutsche Sparer ist der Umstand insofern bedenklich, da die in Bremen angesiedelte Greensill Bank lange Zeit mit vergleichsweise hohen Tagesgeld- und Festgeldzinsen Einlagen für den Finanzkonzern einsammelte. Die aus der Nordfinanz Bank AG (bis 2014) hervorgegangene Bank verzehnfachte ihre Bilanzsumme seit ihrer Übernahme durch den Greensill-Konzern auf ca. 3,8 Milliarden Euro (Stand: 2019). Ein immenser Teil stammt von deutschen Privatanlegern. Mit diesem Geld werden – davon gehen zahlreiche Spezialisten aus – die Geschäfte der Greensill Capital finanziert und Garantien abgesichert. Aus einem Bericht der Rating-Agentur Scope aus Berlin geht hervor, dass die Greensill Bank "vollständig von Greensill [Capital; die Redaktion] abhängig ist, um Geschäfte zu betreiben und ihr Kreditrisiko abzusichern." [1] Kurz: Fällt der Mutterkonzern, wird auch der Geschäftszweck der Bremer Bank obsolet.

Was passiert mit der Greensill Bank im Fall einer Insolvenz von Greensill Capital?

Eine entsprechende Vorhersage ist schwierig. Zunächst drohte ein Moratorium der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), d. h. die Konten der Greensill Bank werden eingefroren, Ein- und Auszahlungen gestoppt. Dies ist inzwischen eingetreten, wie das Handelsblatt berichtete [6]. Begründet wurd die Maßnahme mit drohender Überschuldung. In letzter Instanz könnte es darauf hinauslaufen, dass die deutsche Einlagensicherung und die Entschädigungseinrichtung des Bankenverbands für die Einlagen von Sparern einspringen müssen. Bis 100.000 Euro sind die Einlagen zu 100 Prozent abgesichert. Für Kunden mit höheren Einlagen greift ggf. die freiwillige Einlagensicherung über die Mitgliedschaft der Greensill Bank im Sicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken.

Wie Finanz-Szene berichtete [2], trafen sich in Berlin zwischenzeitlich Vertreter der deutschen Einlagensicherung, um gegebenenfalls entstehende Verpflichtungen aus einer Insolvenz der Greensill Bank zu sondieren. Nähere Details gab es indes nicht.

Was tun bei einer Bankenpleite? So laufen Entschädigungsfälle ab

Ist das Geld verloren? Nein. In der Regel greifen die gesetzlichen und freiwilligen Schutzmaßnahmen und sichern das Ersparte der Kunden ab. Wie ein solcher Entschädigungsfall abläuft und was der Bankkunde der Pleitebank tun muss, klärt unser Ratgeber "Ablauf von Entschädigungsfällen" und gibt verschiedene Beispiele.

Wie geht es weiter bei der Greensill Bank bzw. Greensill Capital?

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) entsendete Anfang März 2021 einen Sonderbeauftragten zur Greensill Bank AG. Wie die Finacial Times [3] berichtete, gibt es seitens der Aufsichtsbehörde Zweifel an der Qualität diverser Forderungen in der Bilanz. Eine offizielle Stellungnahme der BaFin gab es allerdings nicht.

Wie aus weiteren Presseberichten zu entnehmen [4], steht Greensill Capital in Verhandlungen mit einem großen US-Finanzinvestor (Apollo Global Management). Jener soll große Teile des Geschäftsbereichs sowie des verwalteten Vermögens übernehmen. Es wäre praktisch gleichbedeutend mit einem Verkauf des Finanzkonzerns. Parallel wird sich der Schweizer Assetmanager GAM aus der Kooperation mit Greensill Capital zurückziehen. "Die Schließung des Supply Chain Finance Fonds markiert das Ende der Geschäftsbeziehung zwischen GAM und Greensill, die bis ins Jahr 2016 zurückreicht", wird der Vermögensverwalter zitiert [5]. Die Credit Suisse kündigte an, den Handel mit vier Lieferketten-Fonds (Anlagevermögen: rund 10 Milliarden US-Dollar) auszusetzen. Die Fonds investieren ausschließlich in festverzinsliche Wertpapiere verschiedener Gesellschaften, hinter denen Greensill steht.

Weshalb findet sich das Tagesgeld und das Festgeld der Greensill Bank nicht mehr?

Unter Berücksichtigung des schwer kalkulierbaren Risikos für Verbraucher, hat Tagesgeldvergleich.net beide Angebote aus seinen Vergleichen entfernt. Die Angebote waren in Deutschland vorwiegend über Zinsbroker wie Weltsparen und Zinspilot abschließbar.

Quellen:

[1] Scope Greensill Bank AGIssuer Rating Report

[2] Finanz-Szene.de: Greensill, die Bremer Bank, die Bafin und die Rolle der Fintechs - 3.3.2021

[3] Financial Times: Credit Suisse lent $160m to Greensill on top of fund exposure / Paywall

[4] Finanzbusiness.de: Greensill Capital steht offenbar vor Verkauf - 3.3.2021

[5] Spiegel.de: Das Drama um die Bremer Greensill Bank - 3.3.2021

[6] Handelsblatt: Finanzaufsicht Bafin verhängt Moratorium gegen Bremer Greensill Bank - 3.3.2021

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