Marktanalyse Zinsen und Geldpolitik

Wie entwickeln sich Zinsen und Geldpolitik derzeit? Unsere Marktanalyse liefert monatlich die wichtigsten Entwicklungen auf einen Blick - angefangen bei den nominalen und realen Zinsen für Sparer, den Kredit- und Baufinanzierungszinsen über die Geldmenge bis hin zu den Bilanzsummen der Zentralbanken und den Zinsstrukturen am Anleihemarkt.

 

Unsere monatliche Marktanalyse

Zins- und Geldpolitische Entwicklungen auf einen Blick

Daniel Franke - Betreiber Tagesgeldvergleich.net

Zinsentwicklung bei Tages- und Festgeld

Tagesgeld - 16 Prozent Anstieg im Januar

Beim Tagesgeld geht der Zinsanstieg jetzt etwas langsamer vonstatten als in den Vormonaten. So legten die durchschnittlichen Zinsen aller von uns verglichenen Banken im Januar 2022 gegenüber dem Vormonat von 0,51 um 15,7 Prozent auf 0,59 Prozent pro Jahr zu. Die besten fünf Banken boten laut unserer Statistik zur Zinsentwicklung von Tagesgeld mit durchschnittlich 2,12 Prozent Zinsen pro Jahr (+11 Prozent gegenüber den 1,91 Prozent vom Vormonat) ein Vielfaches davon, was zeigt, wie wichtig es für Verbraucher auch in einer Phase steigender Zinsen ist, verschiedene Angebote zu vergleichen.

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Quellen:

Tagesgeld - 6 Monate Anlagedauer

Tagesgeld - Mindest-Rating AA - Laufzeit: 6 Monate - Anlagesumme: 25000 Euro

Anbieter Land Zinssatz Zinsertrag
Scalable Capital Tagesgeld Deutschland 2,31% 288,33 €
Bank11 Tagesgeld Deutschland 2,30% 287,50 €
Consorsbank Tagesgeld Frankreich 2,11% 263,19 €
Volkswagen Bank Tagesgeld Deutschland 2,01% 251,04 €
Trade Republic Tagesgeld Deutschland 2,01% 251,04 €
Stand: 06.02.2023

Tagesgeld - alle Banken - Laufzeit: 6 Monate - Anlagesumme: 25000 Euro

Anbieter Land Zinssatz Zinsertrag
Scalable Capital Tagesgeld Deutschland 2,31% 288,33 €
Bank11 Tagesgeld Deutschland 2,30% 287,50 €
FCM Bank Tagesgeld Malta 2,12% 264,45 €
Consorsbank Tagesgeld Frankreich 2,11% 263,19 €
Volkswagen Bank Tagesgeld Deutschland 2,01% 251,04 €
Stand: 06.02.2023
Alle Tagesgeld-Angebote im Vergleich »

Festgeld - bis zu 5,5 Prozent höhere Zinsen im Januar

Die durchschnittlichen Zinsen für Festgeld aller von uns verglichenen Banken stiegen im Januar erneut - diesmal um bis zu 5,50 Prozent gegenüber dem Vormonat - und bewegen sich inzwischen auf einem 5-Jahres-Hoch:

Lauf­zeit Durch­schnitt­liche Zinsen p.a. Spitzen­zins­satz p.a.
01.01.2023 01.02.2023 Verän­derung 01.01.2023 01.02.2023 Verän­derung
6 Monate 1,27% 1,34% 5,51% 2,50% 2,61% 4,40%
1 Jahr 1,83% 1,93% 5,46% 3,00% 3,10% 3,33%
2 Jahre 2,05% 2,11% 2,93% 3,40% 3,40% 0,00%
3 Jahre 2,18% 2,24% 2,75% 3,50% 3,50% 0,00%
5 Jahre 2,26% 2,28% 0,88% 3,50% 3,75% 7,14%
10 Jahre 1,98% 2,08% 5,05% 3,50% 3,50% 0,00%
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Zinsentwicklung der letzten 1 bis 12 Monate

Wie sich die Zinsen aufs Festgeld in den letzten ein bis zwölf Monaten entwickelt haben, zeigen unsere nachfolgenden Berechnungen:

Top-Zinsen

Entwicklung der Top-Zinsen beim Festgeld
Laufzeit Zinsentwicklung zum 01.02.2023 gegenüber
1 Monat 3 Monate 6 Monate 12 Monate
6 Monate 5,51% 54,02% 226,83% 857,14%
1 Jahr 5,46% 42,96% 183,82% 704,17%
2 Jahre 2,93% 34,39% 139,77% 520,59%
3 Jahre 2,75% 30,99% 126,26% 446,34%
5 Jahre 0,88% 26,67% 93,22% 330,19%
10 Jahre 5,05% 11,23% 57,58% 240,98%

Durchschnittszinsen

Entwicklung der durchschnittlichen Zinsen beim Festgeld
Laufzeit Zinsentwicklung zum 01.02.2023 gegenüber
1 Monat 3 Monate 6 Monate 12 Monate
6 Monate 4,40% 37,37% 126,96% 272,86%
1 Jahr 3,33% 19,23% 72,22% 313,33%
2 Jahre 0,00% 15,25% 54,55% 223,81%
3 Jahre 0,00% 9,38% 45,83% 204,35%
5 Jahre 7,14% 7,14% 44,23% 200,00%
10 Jahre 0,00% 12,90% 62,79% 133,33%

Top-Zinsen auf einen Blick

Die nachfolgende Zeitreihe zeigt auf Monatsbasis, wie sich die Top-Zinsen aufs Tagesgeld sowie Festgeld mit einem bis drei Jahren Laufzeit seit 2016 entwickelt haben:

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Quellen:

Kaufkraftverlust von 210 bzw. 650 Milliarden Euro

Warum die Inflation für Sparer ein großes Problem ist: Bei 7,90 Prozent Inflation auf Jahressicht kommen wir in unserem Zinsradar auf 210 Milliarden Euro Kaufkraftverlust der Verbraucher auf deren Spareinlagen bei Banken - nur 2022 in Deutschland! Für die Eurozone haben wir in unserem Zinsradar bei 7,50 Prozent Jahresinflation einen Kaufkraftverlust von mehr als 650 Milliarden Euro errechnet.

Zum Zinsradar »

Einlagenzins

Vergleich von Einlagenzins und Zinsen bei Tagesgeld

Niedrige Einlagenzinsen bedeuten fast zwangsläufig auch niedrige Zinsen bei Tagesgeld und Festgeld. Das liegt daran, dass sich die Sparzinsen in vielen Fällen am EZB-Leitzins orientieren und Einlagenzins sowie Leitzins parallel erhöht oder gesenkt werden. Den direkten Vergleich von EZB-Einlagenzins und den von uns ermittelten Tagesgeldzinsen stellt nachfolgendes Diagramm dar:

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Quellen:

Abstand zwischen Tagesgeldzinsen und Einlagenzins der EZB

Neben der Höhe der Zinsen aufs Tagesgeld wollen wir nachfolgend untersuchen, ob und in welchem Umfang die Banken die Einlagenzinsen der EZB weitergeben, welche sie auf ihre Zentralbankguthaben erhalten. Liegt der Tagesgeldzins, den eine Bank ihren Kunden gewährt, zum Beispiel bei 1,00 Prozent pro Jahr während der Einlagenzins bei 2,00 Prozent pro Jahr liegt, beträgt die Differenz 1,00 Prozentpunkte. Diese Zinsdifferenz könnte die Bank vereinnahmen, wenn sie das Geld ihrer Kunden einfach nur auf ihr Zentralbankkonto legt und sich von der EZB den höheren Einlagenzins gutschreiben lässt.

In unseren Zeitreihen werten wir die Differenz zwischen Tagesgeldzinsen und Einlagenzinsen aus. Positive Werte bedeuten also, dass die Banken höhere Zinsen zahlen, als sie von der EZB erhalten, negative Werte bedeuten das Gegenteil. Dabei betrachten wir einmal die Zinsen der jeweils fünf besten Banken eines Monats und einmal den Durchschnitt aller von uns untersuchten Banken:

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Quellen:

Zinsprognose für Tages- und Festgeld

Tagesgeld

Während sich Festgeldzinsen eher an den Renditen von Anleihen derselben Laufzeit orientieren, dient beim Tagesgeld die Einlagefazilität der EZB als Referenz, also der Zinssatz, den Banken für täglich fällige Guthaben auf ihren Zentralbankkonten bekommen. Der Einlagenzins der EZB liegt seit dem 14. Dezember 2022 bei 2,00 Prozent und der Leitzins für die Eurozone bei 2,50 Prozent. Für das erste Halbjahr 2023 werden drei weitere Zinsschritte erwartet, in denen der Leitzins auf 3,50 und der Einlagenzins auf 3,00 Prozent angehoben werden. Für die zweite Jahreshälfte werden keine Zinsänderungen erwartet, so dass wir für Tagesgeld von bis zu 3,00 Prozent Zinsen p.a. ab Ende des ersten Halbjahres ausgehen, wobei einzelne Banken für die Neukundengenerierung auch Zinsen zwischen 3,00 und 3,50 Prozent pro Jahr bieten könnten:

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Quellen:

Bloonberg Survey of Economics stützt unsere Prognose für 2023

Laut Bloomberg Survey of Economics rechnen Wirtschaftsexperten für 2023 mit weiteren Anhebungen des Einlagenzinses bis Mitte 2023 in drei Schritten von derzeit 2,00 auf 3,25 Prozent. Für das dritte Quartal sehen die Analysten eine moderate Senkung des Zinssatzes auf 3,00 Prozent vor. Dieser Satz soll dann bis zum Jahresende konstant bleiben. Das stützt unsere oben gemachte Prognose, denn die höchsten Zinsen fürs Tagesgeld liegen für gewöhnlich ein bis zwei Monate nach dem entsprechenden Zinsschritt der EZB leicht über dem Einlagenzin.

Prognose für den Einlagenzins der EZB im Jahresverlauf 2023

Risikolose Zinsgewinne für Banken

Gerade in Phasen steigender Einlagenzinsen ist es für Banken verlockend, ihren Kunden weniger Zinsen aufs Tagesgeld zu zahlen, als sie selber fürs Parken der Einlage auf ihrem Zentralbankkonto erhalten, erlaubt das doch eine risikofreie Arbitrage.

Dazu ein Beispiel: wenn eine Bank 100 Millionen Euro von Kunden über ein Tagesgeldangebot zu 0,75 Prozent Zinsen pro Jahr einwirbt und dieses Geld eins zu eins auf ihrem Zentralbankkonto parkt, bekommt sie dafür von der EZB nach aktuellem Stand (12/2022) 2,00 Prozent Zinsen pro Jahr gutgeschrieben. Zinsaufwendungen von 750.000 Euro (100.000.000 EUR x 0,75 Prozent) stehen Zinserträge von 2.000.000 Euro (100.000.000 EUR x 2,00 Prozent) gegenüber, was einen risikolosen Zinsgewinn von 1.250.000 Euro ergibt.

2021 hatten Kreditinstitute aus Deutschland durchschnittlich 1.048 Milliarden Euro Zentralbankguthaben auf Girokonten der EZB. Bei einem aktuellen Einlagenzins von 2,00 Prozent würde das 20,96 Milliarden Euro risikofreie Zinsgewinne pro Jahr für deutsche Banken bedeuten - nur dafür, dass sie so viel Geld wie möglich auf ihren Zentralbank-Girokonten lagern.

Sparquote und deren Veränderung

Im 3. Quartal 2022 ist die Sparquote in Deutschland nach 10,3 Prozent im Vorquartal auf 9,6 Prozent gesunken. Unsere Auswertung der Veränderung gegenüber dem Vorjahresquartal zeigt aber, dass die Befürchtungen, Verbraucher würden angesichts steigender Lebenshaltungskosten kaum noch Geld zur Seite legen können, nicht zutreffen. Die Sparquote lag nur 0,8 Prozentpunkte unter der vom 3. Quartal 2021, was einen wesentlich geringeren Rückgang als die 7,9 Prozentpunkte im 1. Quartal bedeutet, die aber durch den sprunghaften Anstieg der Sparquote während der Coronakrise in 2021 bedingt waren.

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Quellen:

 

Kredit- und Baufinanzierungszinsen

Zinsentwicklung bei Privatkrediten

Die Zinswende kommt auch bei Privatkrediten für Verbraucher an – hier allerdings nicht in Form höherer Kosten: Im Dezember stiegen die Werbezinsen in Form der Mindest-Sollzinsen aller von unserer Redaktion auf unserem Schwesterportal Kreditvergleich.net verglichenen Banken um 4,1 Prozent und die 2/3-Zinsen als von mindestens zwei Dritteln aller Kreditnehmer tatsächlich zu zahlenden Zinsen um 3,9 Prozent. Auf 12-Monats-Sicht kommen wir in unseren Berechnungen auf einen Zinsanstieg von 31,5 Prozent bei den Mindest-Sollzinsen und 57,0 Prozent bei den 2/3-Zinsen:

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Zinsentwicklung bei Autokrediten

Auch bei Autokrediten für Verbraucher erhöhten die Banken im Dezember ihre Zinsen: um 1,1 Prozent bei den Werbezinsen in Form der jeweiligen Mindest-Sollzinsen und um 7,2 Prozent bei den von mindestens zwei Dritteln aller Kreditnehmer tatsächlich zu zahlenden 2/3-Zinsen. Über die letzten zwölf Monate beträgt der Zinsanstieg 40,0 Prozent bei den Mindest-Sollzinsen und 44,3 Prozent bei den 2/3-Zinsen.

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Steigende Bauzinsen, sinkende Zinsmargen

Um 122 Prozent sind die Zinsen für Baufinanzierungen seit Jahresbeginn 2022 gestiegen. Berechnungsgrundlage sind die Mindest-Sollzinsen aller in der Datenbank unseres Schwesterportals Kreditvergleich.net enthaltenen Banken und Vermittler, welche im dortigen Baufinanzierungsvergleich veröffentlicht werden.

Trotz dieses Anstiegs blieben die realen Bauzinsen zuletzt mit -5,01 Prozent weiterhin deutlich negativ und lagen nur 2,08 Prozentpunkte unter dem Rekordtief aus dem Oktober 2022.

Stärker als die Bauzinsen im Neugeschäft steigende Renditen für Hypothekenpfandbriefe sorgten bei den Banken im Dezember dafür, dass die Zinsmargen bei der Baufinanzierung nach +0,58 bis +0,95 Prozentpunkten im November auf +0,13 bis +0,47 Porzentpunkte zurückgingen. Zum Vergleich: die durchschnittliche Zinsmarge 2021 lag für Baufinanzierungen mit zehn Jahren Zinsbindung bei 0,92 Prozentpunkten:

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Geldmengen in den USA und der Eurozone

Der Unterschied zwischen Federal Reserve in den USA und EZB in der Eurozone: die US-Zentralbank reagiert in Krisen schneller und umfassender, bremst dann aber auch schneller ihre Geldpolitik ab - zu erkennen am 12-Monats-Wachstum der Geldmenge M2, welches zu Beginn der Coronakrise in den USA in der Spitze bis zu 2,5-mal so hoch war wie in der Eurozone, jedoch zuletzt im Dezember 2022 mit -1,99 Prozent erstmals negativ war und weiterhin deutlich unter den +4,17 Prozent der EZB lag:

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Quellen:

Bilanzsummen von Federal Reserve und EZB

Beim Blick auf die Bilanzsummen der Zentralbanken der Eurozone und der USA zeigt sich, dass die Federal Reserve im Januar 2023 stärker auf der geldpolitischen Bremse stand. Ihre Bilanzsumme schrumpfte um 1,37 Prozent bzw. 117,560 Milliarden US-Dollar, während die Bilanzsumme der EZB nur um 0,88 Prozent bzw. 70 Milliarden Euro schrumpfte:

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Leitzinsen in der Eurozone und den USA

Der Leitzins der EZB für die Eurozone liegt seit dem 14. Dezember bei 2,50 Prozent. Der Leitzins der Federal Reserve für die USA ist nach der letzten Zinserhöhung vom 13. Dezember mit 4,50 Prozent fast doppelt so hoch:

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Quellen:

Beiden Wirtschaftsräumen gemein ist jedoch, dass die realen Leitzinsen (Leitzins minus Inflation) im November weiterhin deutlich negativ waren. Die Unterschiede zwischen beiden Wirtschaftsräumen zeigen aber auch die unterschiedliche Geschwindigkeit der Geldpolitik der jeweiligen Zentralbanken: während sich in der Eurozone der reale Leitzins von den rekordtiefen -9,45 Prozent des Vormonats auf -8,00 Prozent verbesserte, stiegen die realen Leitzinsen in den USA von minus 4,45 Prozent im Oktober auf minus 3,10 Prozent im November:

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Quellen:

Zinsstrukturen am Anleihemarkt

In den USA ist die Zinskurve mit Stand 01.02.2023 größtenteils invertiert. Der Spread zwischen lang- und kurzfristigen Zinsen (20 Jahre versus drei Monate) beträgt minus 0,86 Prozentpunkte, wohingegen er in Deutschland bei plus 0,14 Prozentpunkten liegt. Dafür ist das Zinsniveau in den USA deutlich höher, weil die Federal Reserve in ihrem Zyklus der Anhebungen der Leitzinsen schon wesentlich weiter ist als die EZB.

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Quellen:

Die Zinsdifferenz zwischen US-Staatsanleihen mit drei Monaten und 10 Jahren Laufzeit lag Ende Januar 2023 mit +1,17 Prozent den vierten Monat in Folge im positiven Bereich (kurzfristige Zinsen höher als langfristige), wobei die Invertierung um 43 Basispunkte höher war als noch im Dezember 2022. Zur Erklärung: höhere Zinsen für Anleihen mit längerer Laufzeit sollten die Regel sein, weshalb die Differenz von kurz- und langfristigen Zinsen im Normalfall negativ ist.

Die Zinsdifferenz zwischen 2- und 10-jährigen US-Staatsanleihen erhöhte sich Ende Dezember 2022 auf +0,70 Prozentpunkte nach +0,67 Prozentpunkten im Vormonat. Die Zinsen für Anleihen mit kürzerer Laufzeit sind also auch hier höher als die Zinsen für Anleihen mit längerer Laufzeit. In der Vergangenheit war das Verharren der Zinsdifferenzkurve im positiven Bereich in 8 von 10 Fällen der Vorbote einer Rezession.

Einen Grund für die inverse Zinsdifferenz sehen wir nach wie vor in den niedrigeren Zinsen in Europa und Japan, die für eine starke Nachfrage nach den deutlich höher verzinsten US-Staatsanleihen sorgen. Das lässt deren Kurse steigen und drückt damit die Rendite. Die Anleger sind auf der Suche nach so genannten "Safe Havens", also sicheren Anleihen und flüchten sich daher in - trotz sinkender Rendite - immer noch positiv verzinste US-Anleihen.

Die aktuelle Invertierung der US-Zinsstrukturkurve für 2 und 10 Jahre beruht also nicht zwingend auf einem schwächeren Wirtschaftswachstum, sondern kann auch auf eine anhaltend hohen Nachfrage nach US-Anleihen aus dem Ausland zurückzuführen sein.

In Deutschland war die Zinsdifferenz zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen mit +0,31 Prozentpunkten Ende Januar 2023 erstmals seit Januar 1993 und den dritten Monat in Folge positiv, die kurzfristigen Zinsen lagen also auch hier über den langfristigen Zinsen - deutlicher Vorbote einer Rezession, die auch von Experten fürs 4. Quartal 2022 und das erste Halbjahr 2023 erwartet wird.

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