Marktanalyse Zinsen und Geldpolitik

Wie entwickeln sich Zinsen und Geldpolitik derzeit? Unsere Marktanalyse liefert monatlich die wichtigsten Entwicklungen auf einen Blick - angefangen bei den nominalen und realen Zinsen für Sparer, den Kredit- und Baufinanzierungszinsen über die Geldmenge bis hin zu den Bilanzsummen der Zentralbanken und den Zinsstrukturen am Anleihemarkt.

 

Unsere monatliche Marktanalyse

Zins- und Geldpolitische Entwicklungen auf einen Blick

Daniel Franke - Betreiber Tagesgeldvergleich.net

Zinsentwicklung bei Tages- und Festgeld

Tagesgeld

Beim Tagesgeld geht der Zinsanstieg momentan noch etwas langsam vonstatten. So legten die durchschnittlichen Zinsen aller von uns verglichenen Banken im August gegenüber dem Vormonat von 0,06 auf 0,07 Prozent pro Jahr zu. Die besten fünf Banken boten laut unserer Statistik zur Zinsentwicklung von Tagesgeld mit durchschnittlich 0,43 Prozent Zinsen pro Jahr ein Vielfaches davon, was zeigt, wie wichtig es für Verbraucher auch in einer Phase steigender Zinsen ist, verschiedene Angebote zu vergleichen.


Tagesgeld - 6 Monate Anlagedauer

Tagesgeld - Mindest-Rating AA - Laufzeit: 4 Monate - Anlagesumme: 25000 Euro

Anbieter Land Zinssatz Zinsertrag
pbb direkt Tagesgeld Deutschland 0,75% 62,52 €
My Money Bank Tagesgeld Frankreich 0,65% 54,21 €
Consorsbank Tagesgeld Frankreich 0,60% 50,01 €
LeasePlan Bank Tagesgeld Niederlande 0,55% 45,86 €
Renault Bank direkt Tagesgeld Frankreich 0,55% 45,85 €
Stand: 27.09.2022

Tagesgeld - alle Banken - Laufzeit: 4 Monate - Anlagesumme: 25000 Euro

Anbieter Land Zinssatz Zinsertrag
FCM Bank Tagesgeld Malta 1,08% 90,04 €
pbb direkt Tagesgeld Deutschland 0,75% 62,52 €
My Money Bank Tagesgeld Frankreich 0,65% 54,21 €
Consorsbank Tagesgeld Frankreich 0,60% 50,01 €
LeasePlan Bank Tagesgeld Niederlande 0,55% 45,86 €
Stand: 27.09.2022
Alle Tagesgeld-Angebote im Vergleich »

Festgeld

Die durchschnittlichen Zinsen für Festgeld aller von uns verglichenen Banken stiegen im August erneut und bewegen sich inzwischen auf einem 5-Jahres-Hoch:

Lauf­zeit Durch­schnitt­liche Zinsen p.a. Spitzen­zins­satz p.a.
01.08.2022 01.09.2022 Verän­derung 01.08.2022 01.09.2022 Verän­derung
6 Monate 0,41% 0,45% 9,76% 1,15% 1,15% unver­ändert
1 Jahr 0,68% 0,81% 19,12% 1,80% 1,95% 8,33%
2 Jahre 0,88% 1,05% 19,32% 2,20% 2,20% unver­ändert
3 Jahre 0,99% 1,17% 18,18% 2,40% 2,50% 4,17%
5 Jahre 1,18% 1,28% 8,47% 2,60% 2,50% -3,85%
10 Jahre 1,32% 1,40% 6,06% 2,15% 2,25% 4,65%
Festgeld-Vergleich - über 500 Angebote im Überblick »

Kaufkraftverlust von 210 bzw. 650 Milliarden Euro

Warum die Inflation für Sparer ein großes Problem ist: Bei 7,90 Prozent Inflation auf Jahressicht kommen wir in unserem Zinsradar auf 210 Milliarden Euro Kaufkraftverlust der Verbraucher auf deren Spareinlagen bei Banken - nur 2022 in Deutschland! Für die Eurozone haben wir in unserem Zinsradar bei 7,50 Prozent Jahresinflation einen Kaufkraftverlust von mehr als 650 Milliarden Euro errechnet.

Kredit- und Baufinanzierungszinsen

Zinsentwicklung bei Privatkrediten

Die Zinswende kommt auch bei Privatkrediten für Verbraucher an – hier allerdings nicht in Form höherer Kosten: Im August stiegen die Werbezinsen in Form der Mindest-Sollzinsen aller von unserer Redaktion auf unserem Schwesterportal Kreditvergleich.net verglichenen Banken um 3,45 Prozent und die 2/3-Zinsen als von mindestens zwei Dritteln aller Kreditnehmer tatsächlich zu zahlenden Zinsen um 2,64 Prozent. Auf 12-Monats-Sicht kommen wir in unseren Berechnungen auf einen Zinsanstieg von 18,84 Prozent bei den Mindest-Sollzinsen und 17,64 Prozent bei den 2/3-Zinsen:

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Quellen:

Zinsentwicklung bei Autokrediten

Auch bei Autokrediten für Verbraucher erhöhten die Banken im August ihre Zinsen: um 5,10 Prozent bei den Werbezinsen in Form der jeweiligen Mindest-Sollzinsen und um 3,68 Prozent bei den von mindestens zwei Dritteln aller Kreditnehmer tatsächlich zu zahlenden 2/3-Zinsen. Für zwölf Monate beträgt der Zinsanstieg 14,16 Prozent bei den Mindest-Sollzinsen und 13,82 Prozent bei den 2/3-Zinsen.

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Quellen:

Steigende Bauzinsen, sich erholende Zinsmarge

Um 109 Prozent sind die Zinsen für Baufinanzierungen seit Jahresbeginn gestiegen. Berechnungsgrundlage sind die Mindest-Sollzinsen aller in der Datenbank unseres Schwesterportals Kreditvergleich.net enthaltenen Banken und Vermittler, welche im dortigen Baufinanzierungsvergleich veröffentlicht werden.

Trotz dieses Anstiegs waren die realen Bauzinsen zuletzt mit -4,65 Prozent noch immer deutlich negativ, obgleich sie sich damit bereits deutlich von den Tiefs bei 5,61 Prozent aus März und Mai entfernt haben.

Steigende Renditen für Hypothekenpfandbriefe sorgten bei den Banken im Juli dafür, dass sich die Zinsmargen bei der Baufinanzierung deutlich erholten, nachdem sie in den Vormonaten völlig kollabiert waren. So stieg die Zinsmarge bei 10 Jahren Laufzeit von 0,16 auf 0,93 Prozentpunkte, was ziemlich genau der durchschnittlichen Marge von 0,92 Prozentpunkten aus 2021 entspricht.:

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Quellen:

Geldmengen in den USA und der Eurozone

Der Unterschied zwischen Federal Reserve in den USA und EZB in der Eurozone: die US-Zentralbank reagiert in Krisen schneller und umfassender, bremst dann aber auch schneller ihre Geldpolitik ab - zu erkennen am 12-Monats-Wachstum der Geldmenge M2, welches zu Beginn der Coronakrise in den USA in der Spitze bis zu 2,5-mal so hoch war wie in der Eurozone, zuletzt im Juli mit 5,50 Prozent deutlich unter den 6,24 Prozent der EZB lag:

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Quellen:

Bilanzsummen von Federal Reserve und EZB

Auch beim Blick auf die Bilanzsummen der Zentralbanken der Eurozone und der USA zeigt sich, dass die Federal Reserve deutlich schneller und stärker auf dem Bremspedal ihrer Geldpolitik steht. Ihre Bilanzsumme schrumpfte im August mit 0,55 Prozent bzw. 48,527 Milliarden US-Dollar fast sechsmal so schnell wie die der EZB mit 0,09 Prozent bzw. 7,655 Milliarden Euro:

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Quellen:

Leitzinsen in der Eurozone und den USA

Der Leitzins der EZB für die Eurozone lag im August bei 0,50 Prozent und wurde erst am 08. September auf 1,25 Prozent erhöht. Der Leitzins der Federal Reserve für die USA hingegen lag den gesamten August schon bei deutlich höheren 2,50 Prozent:

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Quellen:

Beiden Wirtschaftsräumen gemein ist jedoch, dass die realen Leitzinsen (Leitzins minus Inflation) im August weiterhin deutlich negativ waren. In der Eurozone wurde erneut das Rekordtief von minus 8.60 Prozent markiert und in den USA gingen sie moderat auf minus 5,80 Prozent zurück:

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Quellen:

Zinsstrukturen am Anleihemarkt

Auch beim Blick auf die Bilanzsummen der Zentralbanken der Eurozone und der USA zeigt sich, dass die Federal Reserve deutlich schneller und stärker auf dem Bremspedal ihrer Geldpolitik steht. Ihre Bilanzsumme schrumpfte im August mit 0,55 Prozent bzw. 48,527 Milliarden US-Dollar fast sechsmal so schnell wie die der EZB mit 0,09 Prozent bzw. 7,655 Milliarden Euro:

Die Zinsdifferenz zwischen US-Staatsanleihen mit drei Monaten und 10 Jahren Laufzeit lag im August 2022 mit -0,19 Prozent deutlich unter dem Vormonatsniveau (-0,60 Prozent). Wichtig: höhere Zinsen für Anleihen mit längerer Laufzeit sollten die Regel sein, weshalb die Differenz von kurz- und langfristigen Zinsen im Normalfall negativ ist.

Die Zinsdifferenz zwischen 2- und 10-jährigen US-Staatsanleihen erhöhte sich im August 2022 auf +0,30 Prozentpunkte nach +0,14 Prozentpunkten im Vormonat. Die Zinsen für Anleihen mit kürzerer Laufzeit sind hier also höher als die Zinsen für Anleihen mit längerer Laufzeit. In der Vergangenheit war das Verharren der Zinsdifferenzkurve im positiven Bereich in 8 von 10 Fällen der Vorbote einer Rezession.

Einen Grund für die immer noch flache Zinsdifferenz sehen wir nach wie vor in den niedrigeren Zinsen in Europa und Japan, die für eine starke Nachfrage nach den deutlich höher verzinsten US-Staatsanleihen sorgen. Das lässt deren Kurse steigen und drückt damit die Rendite. Die Anleger sind auf der Suche nach so genannten "Safe Havens", also sicheren Anleihen und flüchten sich daher in - trotz sinkender Rendite - immer noch positiv verzinste US-Anleihen.

Die aktuelle Invertierung der US-Zinsstrukturkurve für 2 und 10 Jahre beruht also nicht zwingend auf einem schwächeren Wirtschaftswachstum, sondern kann auch auf eine anhaltend hohen Nachfrage nach US-Anleihen aus dem Ausland zurückzuführen sein.

In Deutschland hat sich die Zinsdifferenz zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen mit -0,46 Prozentpunkten im August 2022 gegenüber dem Juli um 16 Basispunkte verringert. Sie liegt damit aber noch im als normal definierten negativen Bereich, bei dem die Differenz zwischen kurz- und langfristigen Zinsen negativ ist.

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Quellen: