Bilanzsummen der Zentralbanken

Die Augen der Öffentlichkeit ruhen in Bezug der Zentralbanken in den meisten Fällen auf deren Zinspolitik. Die Bilanzsummen hinterfragt niemand. Dabei spielt die Zinspolitik hinsichtlich der Bilanzsumme eine große Rolle. Wir wollen die Frage, weshalb das so ist, und wie sich die Bilanzsumme der Zentralbanken zusammensetzt, in diesem Beitrag erläutern.

Entwicklung im Zeitverlauf

Wie sich die Bilanzsummen der fünf größten Zentralbanken der Welt im Zeitverlauf entwickelt haben, zeigen unser Zeitreihen:

Bilanzsumme der EZB (Eurozone)

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Quellen:

Bilanzsumme der Federal Reserve (USA)

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Bilanzsumme der Bank of England (Grossbritannien)

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Bilanzsumme der Schweizer Nationalbank (SNB)

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Bilanzsumme der Bank of Japan (BoJ)

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Quellen:

Wodurch kam es zu einem massiven Anstieg der Bilanzsummen?

Ein Blick auf die Entwicklung der Bilanzsummen der fünf wichtigsten Zentralbanken zeigt einen enormes Anwachsen der Bilanzsummen. Im Zuge der Finanzkrise brachten die Zentralbanken Unmengen von Geld in Umlauf, um die Konjunktur zu beleben.

Schauen wir zunächst auf die Europäische Zentralbank EZB. Die Position Refinanzierungskredite an Kreditinstitute auf der Aktivseite war hier zunächst für das Ansteigen „verantwortlich“. Banken untereinander waren misstrauisch und liehen sich gegenseitig kein Geld mehr. Die EZB stellte den Instituten folglich benötigte Gelder zur Verfügung. Diese allerdings wurden im wahrsten Sinne des Wortes selbst gedruckt [1]. Im nächsten Schritt begann die Politik des Anleiheaufkaufs durch die EZB. Damit schwoll die Position Wertpapiere WZB an.

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Quellen:

Die US-Notenbank Fed überschwemmte den Markt mit Bargeld. Innerhalb von eineinhalb Jahren (12/2012 bis 6/2014) stiegt die Bilanzsumme der Fed-Bank von drei Billionen US-$ auf 4,5 Billionen US-$. Auslöser war in diesem Fall die Passiv-Position Banknotenumlauf.

Bei der schweizerischen Zentralbank lag die Ursache für den Anstieg ihrer Bilanzsumme in den massiven Aufkäufen von Euro, um den Schweizer Franken zu stärken. Beim Anleiheaufkauf ist die Schweiz außen vor, da dort keine Anleiheaufkäufe zum Zweck eines „quantitative easing“ stattfanden.

Warum lassen sich die Bilanzen nicht kurzfristig wieder senken?

Ein Rückbau der aufgeblähten Zentralbankbilanzen ist nicht ohne Weiteres möglich. Würden die Zentralbanken sich wieder von den erworbenen Anleihen trennen, würde genau der Effekt eintreten, der ausgeklammert werden sollte. Den Märkten würde wieder Kapital entzogen.

Die US-Notenbank hatte daher beschlossen, die erworbenen Anleihen im Bestand zu halten und auslaufen zu lassen. Eine Reinvestition in neue Anleihen wäre ebenfalls kontraproduktiv. Dieser Prozess, abhängig von der Laufzeit der Anleihen, kann aber Jahre dauern. Mit Einstellung der Anleiheaufkäufe ging die Bilanzsumme der Fed tatsächlich zurück, aber nur von kurzer Dauer [2].

Aufbau der Bilanz einer Zentralbank

Bilanzen sind einheitlich aufgebaut und weisen die selben Sachverhalte, Aktiva und Passiva aus. Allerdings weichen die Inhalte der Zentralbankbilanzen teilweise von den Inhalten der Geschäftsbanken ab.

Die folgende Grafik zeigt zunächst auf einen Blick, wie sich eine grob strukturierte Bilanz einer Zentralbank, hier am Beispiel Deutsche Bundesbank, darstellt:

Aufbau der Bilanz einer Zentralbank

Quelle: Wikipedia

Aktivseite

Die fünf Positionen auf der Aktivseite sind im Detail allerdings deutlich ausführlicher:

  • Währungsreserven G (auch als Nettoauslandsforderungen bezeichnet)
    • Gold und Goldforderungen
    • Forderungen in Fremdwährung an Ansässige außerhalb des Währungsgebietes
      • Forderungen an den IWF
      • Guthaben bei Banken, Wertpapieranlagen, Auslandskredite und sonstige -aktiva
  • Forderungen in Fremdwährung an Ansässige im Währungsgebiet

Refinanzierungskredite F (Forderungen in Eigenwährung aus geldpolitischen Operationen an Kreditinstitute im Währungsgebiet)

  • Hauptrefinanzierungsgeschäfte
    • Längerfristige Refinanzierungsgeschäfte
    • Feinsteuerungsoperationen in Form von befristeten Transaktionen
    • Strukturelle Operationen in Form von befristeten Transaktionen
    • Spitzenrefinanzierungsfazilität
    • Forderungen innerhalb des Eurosystems
      • Beteiligung an der Europäischen Zentralbank
      • Forderung aus der Übertragung von Währungsreserven an die Europäische Zentralbank
      • Forderung aus der Verteilung des Euro-Banknotenumlaufs
      • sonstige Forderungen innerhalb des Eurosystems

    Kredite an Staat ZKS (Forderung an öffentliche Haushalte)
    Wertpapiere WZB (Wertpapiere in Eigenwährung von Ansässigen im Währungsgebiet)
    sonstige Aktiva SoZB

Passivseite

Auf der Passivseite finden sich folgende Positionen:

  • Banknotenumlauf BG
  • Zentralbankguthaben ZE
    • Zentralbankguthaben der Geschäftsbanken ZEB (Verbindlichkeiten gegenüber Geschäftsbanken)
      • Mindestreserven der Geschäftsbanken
      • sonstige Einlagen der Geschäftsbanken
      • Einlagefazilität
      • Termineinlagen
      • Feinsteuerungsoperationen in Form von befristeten Transaktionen
    • Zentralbankguthaben der Nichtbanken ZENB (Verbindlichkeiten gegenüber sonstigen Ansässigen im Währungsgebiet)
      • Staatseinlagen
      • sonstige Einlagen in Eigenwährung
    • Zentralbankguthaben des Auslandes ZEA
  • Verbindlichkeiten innerhalb des Eurosystems
    • Verbindlichkeiten gegenüber der Europäischen Zentralbank
    • Verbindlichkeiten aus der Verteilung des Euro-Banknotenumlaufs
    • sonstige Verbindlichkeiten innerhalb des Eurosystems
  • Sonstige Passiva
    • Rückstellungen
    • Ausgleichsposten
  • Reinvermögen
    • Eigenkapital
  • Gewinn- bzw. Verlustvortrag

Ausblick auf 2020 – wie werden sich die Bilanzsummen entwickeln?

Für die EZB gilt, dass mit einer erneuten Aufnahme des Anleiherückkaufs die Bilanzsumme weiter ansteigen wird. Dies gilt auch für die Fed Bank, da sie mit einem Problem zu kämpfen hat. Idealerweise wären die Zinsen am Interbankenmarkt parallel zu den Erhöhungen des Leitzinses gestiegen. Das tun sie aber nicht, sie steigen deutlich schneller. In den USA machen sich Anzeichen einer Unterversorgung des Marktes mit Liquidität bemerkbar. Dies mag auch mit der erhöhten Ausgabe von Anleihen durch den Staat zusammenhängen, die eine attraktivere Anlage bieten, als die Gelder bei der Fed zu parken.

Der Schweizer Franken bewegt sich seit seinem letzten Höchststand von fast 1,20 Euro im April 2018 kontinuierlich nach unten. Einige Zwischenhochs konnten den Abwärtstrend nicht aufhalten. Ob der Turn-around von Anfang Oktober 2019 anhalten wird, muss sich zeigen. Andernfalls wird die Schweizer Nationalbank vermutlich wieder aktiv werden, was die Bilanzsumme weiter erhöhen wird.

Bezüglich der Bank of England sind die Aussagen am schwierigsten. Nach wie vor weiß niemand, ob es zum Brexit kommt, ob der Termin 31. Januar 2020 steht oder ob am Ende alles heiße Luft war. Kommt es zu einem Brexit, lässt sich noch nicht deuten, wie sich dieser letztendlich auf die britische Wirtschaft auswirkt, folglich auch nicht, zu welchen Maßnahmen die Bank of England gezwungen sein wird.

Für Japan gilt das gleiche, wie für die Fed Bank und die EZB: Liquidität ist gefragt, die Geldschwemme hält an, die Bilanz wächst.

Diese Zinsen sind für Sparer derzeit noch drin

Das Aufblähen der Zentralbankbilanzen rund um den Globus - vorrangig über den Kauf ausgewählter Anleihen - hat unter anderem dazu geführt, dass mit Bundesanleihen kaum noch eine positive Rendite zu erzielen ist. Das und die negativen Einlagenzinsen der Banken für ihre Guthaben bei der EZB drücken auch auf die Zinsen, die auf Spareinlagen gezahlt werden. Welche Zinsen aktuell noch möglich sind, zeigt unsere Übersicht:

Festgeld (USD) 12 Monate

bis zu
2,15% p.a.

Durchschnittszins
1,42% p.a.
von 5 Angeboten

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Festgeld (EUR) 120 Monate

bis zu
1,80% p.a.

Durchschnittszins
0,84% p.a.
von 20 Angeboten

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Festgeld (EUR) 60 Monate

bis zu
1,60% p.a.

Durchschnittszins
0,75% p.a.
von 71 Angeboten

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Festgeld (EUR) 36 Monate

bis zu
1,60% p.a.

Durchschnittszins
0,65% p.a.
von 96 Angeboten

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Festgeld (EUR) 12 Monate

bis zu
1,20% p.a.

Durchschnittszins
0,43% p.a.
von 127 Angeboten

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Festgeld (EUR) 6 Monate

bis zu
0,85% p.a.

Durchschnittszins
0,28% p.a.
von 71 Angeboten

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Tagesgeld

bis zu
0,55% p.a.

Durchschnittszins
0,11% p.a.
von 95 Angeboten

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Sparbuch

bis zu
0,50% p.a.

Durchschnittszins
0,06% p.a.
von 58 Angeboten

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Tagesgeld und Festgeld unabhängig vom Zinsniveau als Sparformen beliebt

Als Sparformen mit gesetzlicher Einlagensicherung sind Tages- und Festgelder auf jeden Fall eine interessante Alternative zu Bundeswertpapieren oder aber zumindest eine Ergänzung. Während beim Tagesgeld täglich über das angelegte Geld verfügt werden kann, im Gegenzug die Bank aber auch - abgesehen von Zinsgarantien für Neukunden - auch täglich den Zins ändern kann, ist es beim Festgeld umgekehrt: der Zins ist über die gesamte vereinbarte Laufzeit garantiert, dafür kann über das angelegte Geld erst zum Ende der Laufzeit verfügt werden.

Wie hoch derzeit die Zinsen auf Tagesgeld und Festgeld sind, können Sie unseren aktuellen Zinsvergleichen entnehmen: