Inflation - Definition und Statistiken

Was ist Inflation?

Die Inflation gibt im Finanzsektor an, um welchen Prozentsatz sich das Preisniveau verschiedener Bereiche einer Volkswirtschaft im Zeitverlauf ändert. Da man bei einer Preissteigerung von einer Teuerung spricht, hat sich auch der Begriff der Teuerungsrate eingebürgert. Der Begriff "Inflation" an sich stammt vom lateinischen Wort "inflatio" ab, welches ins Deutsche übersetzt "aufblähen" bedeutet.

Außerhalb des Finanzsektors bezeichnet er also die Zunahme einer Grundmenge (Personen, Gegenstände etc.). Hier auf dieser Seite geht es uns um die Inflation als Erhöhung der Güter- und/oder Vermögenspreise einer Volkswirtschaft.

Inflation oder Deflation

Die Inflation an sich hat immer einen positiven Wert. Sinkt ihr Wert unter Null, spricht man von Deflation, ist ihr Wert gleich Null, spricht man von Preisstabilität oder Nullinflation:

  • Hat die Inflationsrate einen Wert größer 0, spricht man von Inflation – die Preise steigen.
  • Hat die Inflationsrate einen Wert kleiner 0, spricht man von Deflation – die Preise sinken.
  • Hat die Inflationsrate einen Wert von 0, spricht man von Preisstabilität.

Aktuelle Situation

Die EZB konzentriert sich bei ihren geldpolitischen Entscheidungen auf den als Inflationskennziffer dienenden Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) sowie die Kerninflationsrate, bei welcher der HVPI um Preise für Lebensmittel und Energie bereinigt wurde. Dabei hat sie einen Zielkorridor von zwei knapp unter oder nahe zwei Prozent definiert. Sowohl Inflation als auch Kerninflation liegen jedoch seit Jahren deutlich unter diesem Zielkorridor, was die EZB an ihrer ultralockeren Geldpolitik festhalten lässt.

Wie falsch sie damit liegt, zeigen unsere Berechnungen der wahren Inflation - auch als echte Inflation nach Friedman bezeichnet. Die Werte für die wahre Inflation für Deutschland und die Eurozone liegen schon seit Langem über der Zielmarke von zwei Prozent. Würde sich die Europäische Zentralbank daran orientieren, hätte sie schon längst einen Grund, ihre ultralockere Geldpolitik zu beenden und eine Zinswende einzuleiten. Stattdessen wird die niedrige Kerninflation als Arugment genutzt, an der Niedrigzinspolitik festzuhalten. Das zeigt, wie verfehlt die Politik der EZB im Hinblick auf geldpolitische Stabilität derzeit ist.

Inflation in den Ländern der Eurozone 2018

Wie hoch war die Inflation in der Eurozone in 2018? Etwas höher als 2017, als sie bei 1,70 Prozent lag. 2018 betrug die Inflation in der Eurozone 1,80 Prozent. Damit kam sie der Zielmarke der EZB von knapp 2,0 Prozent sehr nahe. Die Spanne reichte von 0,7 Prozent in Irland bis 3,6 Prozent in Estland. Deutschland lag mit 1,90 Prozent knapp über dem Durchschnitt.

Inflation in den Ländern des Euroraums 2017

Inflationserwartungen der EZB für die Eurozone

Wie die nachfolgende Infografik zeigt, sind die Inflationserwartungen für die Eurozone in den letzten Monaten förmlich implodiert:

Inflationserwartungen für die Eurozone

Quelle: Bloomberg

Inflationserwartungen der Federal Reserve für die USA

Für die USA lassen sich die Inflationserwartungen an der so genannten 5-Year, 5-Year Forward Inflation Expectation Rate ablesen, die börsentäglich von der Federal Reserve Bank of St. Louis veröffentlicht wird. Die Daten geben an, wie hoch die Inflation ab in fünf Jahren beginnend bis in zehn Jahren erwartet. Für 2019 beantwortet die Kurve also die Frage, wie hoch die Inflation in den USA, ab 2024 beginnend, bis 2009 erwartet wird:

Quellen:

Inflationserwartungen für Deutschland

Die Wirtschaftswoche hat in ihrer Ausgabe 53 vom 21. Dezember 2018 eine Übersicht der Inflationserwartungen verschiedener Experten für die Eurozone veröffentlicht, die wir an dieser Stelle ergänzt um die Prognosen von Tradingeconomics.com sowie unserer eigenen Prognose wiedergeben wollen:

Organisation/Institut Inflation Eurozone 2019
EU-Kommission 1,90%
Institut für Weltwirtschaft 2,10%
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung 2,00%
Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle 1,70%
RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung 1,80%
Commerzbank 2,10%
Institut der deutschen Wirtschaft 1,80%
Ifo Institut 2,20%
Tradingeconomics.com 1,90%
Franke-Media 1,75%
Quellen: Wirtschaftswoche, Ausgabe 53 vom 21. Dezember 2018, Tradingeconomics.com, eigene Angaben
Quelle: de.tradingeconomics.com, abgerufen am 09.01.2019

EZB definiert positive Inflationsrate als Wunschzustand

Interessant ist an dieser Stelle, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei einer Inflationsrate von 2,00 Prozent von Preisstabilität spricht. Für sie ist also eine leichte Inflation der Normzustand, den zu erhalten es gilt.

Dazu sollte man aber wissen: für ihre Inflationserwartung bezieht sich die EZB in der Regel auf so genannte Inflations-Swaps mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Mit solchen Sowas sichern sich Anleger gegen Inflationsrisiken ab. Aus ihnen kann die EZB also die Inflationserwartungen der Marktteilnehmer herauslesen.

Gegenüber der Betrachtung aktueller Inflationsraten haben diese Swap-basierten Inflationserwartungen den Vorteil, dass Schwankungen einzelner Preise wie Öl oder Lebensmittel kaum durchschlagen. Die EZB bezeichnet die Inflationserwartungen daher als verankert.

Entwicklung der Inflationsrate

Die Entwicklung der Inflationsraten für Deutschland, die Eurozone und die USA zeigen unsere nachfolgenden Diagramme auf Monatsbasis.

Inflation und Kerninflation (ohne Energie und Lebensmittel) - Deutschland

Quellen:

Inflation und Kerninflation (ohne Energie und Lebensmittel) - Eurozone

Quellen:

Entwicklung der Inflationsrate in der Eurozone

Quellen:

Entwicklung der Inflationsrate in den Ländern der Eurozone

Quellen:

Entwicklung der Inflationsrate in den USA

Quellen:

So hoch ist die "echte" Inflation in Deutschland

Alternativ zur offiziellen Inflationsrate, die den Anstieg des allgemeinen Preisniveaus wiederspiegelt, gibt es noch eine andere Definition der Inflationsrate von Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman. Dieser definiert Inflation als Geldmengenwachstum minus Wirtschaftswachstum. Seine Inflationsrate gibt also an, um wieviel Prozent das Wachstum der Geldmenge das Wirtschaftswachstum über- oder unterschreitet. Der Definition liegt die Tatsache zugrunde, dass im Grunde nur so viel Mehr an Geld in Umlauf gebracht werden muss, wie die Wirtschaft eines Landes oder Währungsraumes wächst. Inflation entsteht bei Friedman, wenn die Geldmenge schneller wächst als die Wertschöpfung in der realen Wirtschaft.

Legen wir Friedmans Definition von Inflation zugrunde, kommen wir für Deutschland ab 2000 auf folgende Inflationsraten:

Jahr Geldmenge M3 in Bio. Euro Wachstum Geldmenge M3 Wirtschafts-
wachstum
offizielle Inflationsrate "echte" Inflationsrate nach Friedman
2000 1,38 -1,43% 3,00% 1,40% -4,43%
2001 1,47 6,52% 1,70% 2,00% 4,82%
2002 1,46 -0,68% 0,00% 1,40% -0,68%
2003 1,51 3,42% -0,70% 1,10% 4,12%
2004 1,52 0,66% 1,20% 1,60% -0,54%
2005 1,59 4,61% 0,70% 1,60% 3,91%
2006 1,67 5,03% 3,70% 1,50% 1,33%
2007 1,86 11,38% 3,30% 2,30% 8,08%
2008 2,03 9,14% 1,10% 2,60% 8,04%
2009 1,99 -1,97% -5,60% 0,30% 3,63%
2010 2,08 4,52% 4,10% 1,10% 0,42%
2011 2,21 6,25% 3,70% 2,10% 2,55%
2012 2,34 5,88% 0,50% 2,00% 5,38%
2013 2,32 -0,85% 0,50% 1,50% -1,35%
2014 2,43 4,74% 1,60% 0,90% 3,14%
2015 2,64 8,64% 1,70% 0,30% 6,94%
2016 2,78 5,30% 1,90% 0,50% 3,40%
2017 2,92 5,04% 2,20% 1,80% 2,84%
2018 3,05 4,45% 1,50% 1,94% 2,95%
Quellen: de.tradingeconomics.com, Statista.com, Deutsche Bundesbank

Quellen:

So hoch ist die "echte" Inflation in der Eurozone

Wie bereits im vorherigen Abschnitt erwähnt, wollen wir an dieser Stelle die "echte" Inflation in der Eurozone untersuchen. Inflation entsteht bei Friedman, wenn die Geldmenge schneller wächst als die Wertschöpfung in der realen Wirtschaft. Also nehmen wir das Wachstum der Geldmenge M3 und ziehen davon das Wirtschaftswachstum ab. Das Ergebnis ist die "echte" Inflationsrate:

Jahr Geldmenge M3 in Bio. Euro Wachstum Geldmenge M3 Wirtschafts-
wachstum
offizielle Inflationsrate "echte" Inflationsrate nach Friedman
2000 4,86 4,29% 5,29% 2,20% -0,99%
2001 5,42 11,52% 4,61% 2,10% 6,92%
2002 5,77 6,46% 3,45% 2,30% 3,01%
2003 6,15 6,59% 2,88% 2,30% 3,71%
2004 6,54 6,34% 4,27% 2,10% 2,08%
2005 7,08 8,26% 3,61% 2,20% 4,64%
2006 7,76 9,60% 3,20% 2,20% 6,40%
2007 8,65 11,47% 3,00% 2,20% 8,47%
2008 9,41 8,79% 0,40% 3,30% 8,39%
2009 9,35 -0,64% -4,50% 0,30% 3,86%
2010 9,29 -0,64% 2,10% 1,60% -2,74%
2011 9,50 2,26% 1,50% 2,70% 0,76%
2012 9,79 3,05% -0,90% 2,50% 3,95%
2013 9,83 0,41% -0,30% 1,30% 0,71%
2014 10,32 4,98% 1,20% 0,40% 3,78%
2015 10,83 4,94% 2,00% 0,00% 2,94%
2016 11,37 4,99% 1,70% 0,20% 3,29%
2017 11,87 4,40% 2,50% 1,54% 1,90%
2018 12,37 4,21% 2,10% 1,73% 2,11%
Quellen: de.tradingeconomics.com, Statista.com, Deutsche Bundesbank

Quellen:

Hohe Inflation = hohe Sparzinsen?

Einer zu niedrigen Inflationsrate begegnen Notenbanken gerne durch Leitzinssenkungen. Damit einhergehen dann sinkende Sparzinsen. Ob eine hohe Inflation gleichgesetzt werden kann mit hohen Sparzinsen, darüber können sich unsere Leser beim Betrachten des nachfolgenden Diagramms ein eigenes Bild machen:

Entwicklung von Tagesgeldzinsen und Inflationsrate in Deutschland

Quellen:

Quelle der Daten für Einlagenvolumen und Effektivzins: Deutsche Bundesbank

Wie hoch derzeit die Zinsen auf Tagesgeld und Festgeld sind, können Sie unseren aktuellen Zinsvergleichen entnehmen:

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