Inflation - Entwicklungen seit 1997

Definition der Inflationsrate

Die Inflationsrate gibt an, um welchen Prozentsatz sich das Preisniveau verschiedener Bereiche einer Volkswirtschaft im Zeitverlauf ändert. Da man bei einer Preissteigerung von einer Teuerung spricht, hat sich auch der Begriff der Teuerungsrate eingebürgert.

Inflation oder Deflation

  • Hat die Inflationsrate einen Wert größer 0, spricht man von Inflation – die Preise der betrachteten Bereiche steigen.
  • Hat die Inflationsrate einen Wert kleiner 0, spricht man von Deflation – die Preise der betrachteten Bereiche sinken.
  • Hat die Inflationsrate einen Wert von 0, spricht man von Preisstabilität.

Inflation in den Ländern der Eurozone 2016

Wie hoch war die Inflation in der Eurozone in 2016? Die meisten würden diese Frage mit Werten von einem bis zwei Prozent beantworten. Tatsächlich lag die durchschnittliche Inflation aller Länder des Euroraumes 2016 gerade einmal bei 0,20 Prozent. Die Spanne reichte dabei von -1,20 Prozent in Zypern bis -1,80 Prozent in Belgien. Deutschland lag mit moderaten +0,40 Prozent im Mittelfeld. Die breite Spanne der Inflationswerte zeigt, dass es im Grunde für die EZB unmöglich ist, ein einheitliches Inflationsziel für die gesamte Eurozone zu verfolgen:

Inflation in den Ländern des Euroraums 2016

Inflationserwartungen der EZB für die Eurozone

  • 2017: +1,30 Prozent
  • 2018: +1,80 Prozent

Stand: 02.06.2016

Wie die nachfolgende Infografik zeigt, steigt die Inflationserwartung für die Eurozone - gemessen am 5-Jahres Swapsatz - seit dem September 2016 rapide an:

Inflationserwartungen für die Eurozone

Quelle: Bloomberg

Inflationserwartungen für Deutschland

Die WirtschaftsWoche veröffentlichte in Ausgabe 5 vom 27.01.2017 die Ergebnisse einer Umfrage unter Mitgliedern des Bundesverbandes Deutscher Volks- und Betriebswirte (bdvb). Die Mehrheit der Befragten erwartet für 2017 eine Inflation von 1,00 bis 2,00 Prozent in Deutschland. Die Erwartungen gliedern sich dabei wie folgt auf:

  • unter 0,5% - 6% der Nennungen
  • 0,5 bis 1,0% - 24% der Nennungen
  • 1,0 bis 1,5% - 35% der Nennungen
  • 1,5 bis 2,0% - 27% der Nennungen
  • über 2,0% - 7% der Nennungen

Studie der CreditPlus Bank im Auftrag der WirtschaftsWoche - 10/2016

Nicht nur die Fachleute rechnen für 2017 mit einer moderaten Inflation unterhalb der von der EZB gewünschten Zielmarke von 2,00 Prozent. Einer Studie der CreditPlus Bank im Auftrag der WirtschaftsWoche zufolge rechnen 37 Prozent der 2.000 befragten Verbraucher für die kommenden 12 Monate mit einem Anstieg der Inflation auf einen Wert zwischen ein und zwei Prozent. 33 Prozent der Befragten gehen von gleich bleibenden Preisen aus und nur ein Prozent aller Befragten rechnet mit sinkenden Preisen:

Inflationserwartungen für Deutschland

EZB definiert positive Inflationsrate als Wunschzustand

Interessant ist an dieser Stelle, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei einer Inflationsrate von 2,00 Prozent von Preisstabilität spricht. Für sie ist also eine leichte Inflation der Normzustand, den zu erhalten es gilt.

Dazu sollte man aber wissen: für ihre Inflationserwartung bezieht sich die EZB in der Regel auf so genannte Inflations-Swaps mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Mit solchen Sowas sichern sich Anleger gegen Inflationsrisiken ab. Aus ihnen kann die EZB also die Inflationserwartungen der Marktteilnehmer herauslesen.

Gegenüber der Betrachtung aktueller Inflationsraten haben diese Swap-basierten Inflationserwartungen den Vorteil, dass Schwankungen einzelner Preise wie Öl oder Lebensmittel kaum durchschlagen. Die EZB bezeichnet die Inflationserwartungen daher als verankert.

Entwicklung der Inflationsrate

Die Entwicklung der Inflationsraten für Deutschland, die EU und die USA zeigen unsere nachfolgenden Diagramme auf Monatsbasis.

Entwicklung von Inflation und Kerninflation (ohne Energie und Lebensmittel) Deutschland

false

Quelle: Statistisches Bundesamt

Entwicklung von Inflation und Kerninflation (ohne Energie und Lebensmittel) in der EU

false

Quellen:

  • de.global-rates.com
  • de.tradingeconomics.com

Quellen: tradingeconomics.com, global-rates.com

Entwicklung der Inflationsrate in der Eurozone

false
Quelle: tradingeconomics

Entwicklung der Inflationsrate in den USA

false
Quelle: usinflation.org

So hoch ist die "echte" Inflation in Deutschland

Alternativ zur offiziellen Inflationsrate, die den Anstieg des allgemeinen Preisniveaus wiederspiegelt, gibt es noch eine andere Definition der Inflationsrate von Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman. Dieser definiert Inflation als Geldmengenwachstum minus Wirtschaftswachstum. Seine Inflationsrate gibt also an, um wieviel Prozent das Wachstum der Geldmenge das Wirtschaftswachstum über- oder unterschreitet. Der Definition liegt die Tatsache zugrunde, dass im Grunde nur so viel Mehr an Geld in Umlauf gebracht werden muss, wie die Wirtschaft eines Landes oder Währungsraumes wächst. Inflation entsteht bei Friedman, wenn die Geldmenge schneller wächst als die Wertschöpfung in der realen Wirtschaft.

Legen wir Friedmans Definition von Inflation zugrunde, kommen wir für Deutschland ab 2000 auf folgende Inflationsraten:

Jahr Geldmenge M3 in Bio. Euro Wachstum Geldmenge M3 Wirtschafts-
wachstum
offizielle Inflationsrate "echte" Inflationsrate nach Friedman
2000 1,38 -1,43% 3,00% 1,40% -4,43%
2001 1,47 6,52% 1,70% 2,00% 4,82%
2002 1,46 -0,68% 0,00% 1,40% -0,68%
2003 1,51 3,42% -0,70% 1,10% 4,12%
2004 1,52 0,66% 1,20% 1,60% -0,54%
2005 1,59 4,61% 0,70% 1,60% 3,91%
2006 1,67 5,03% 3,70% 1,50% 1,33%
2007 1,86 11,38% 3,30% 2,30% 8,08%
2008 2,03 9,14% 1,10% 2,60% 8,04%
2009 1,99 -1,97% -5,60% 0,30% 3,63%
2010 2,08 4,52% 4,10% 1,10% 0,42%
2011 2,21 6,25% 3,70% 2,10% 2,55%
2012 2,34 5,88% 0,50% 2,00% 5,38%
2013 2,32 -0,85% 0,50% 1,50% -1,35%
2014 2,43 4,74% 1,60% 0,90% 3,14%
2015 2,64 8,64% 1,70% 0,30% 6,94%
2016 2,78 5,30% 1,90% 0,50% 3,40%
Quellen: de.tradingeconomics.com, Statista.com, Deutsche Bundesbank
false

Quellen:

  • Eigene Berechnungen

So hoch ist die "echte" Inflation in der Eurozone

Wie bereits im vorherigen Abschnitt erwähnt, wollen wir an dieser Stelle die "echte" Inflation in der Eurozone untersuchen. Inflation entsteht bei Friedman, wenn die Geldmenge schneller wächst als die Wertschöpfung in der realen Wirtschaft. Also nehmen wir das Wachstum der Geldmenge M3 und ziehen davon das Wirtschaftswachstum ab. Das Ergebnis ist die "echte" Inflationsrate:

Jahr Geldmenge M3 in Bio. Euro Wachstum Geldmenge M3 Wirtschafts-
wachstum
offizielle Inflationsrate "echte" Inflationsrate nach Friedman
2000 4,86 4,29% 5,29% 2,20% -0,99%
2001 5,42 11,52% 4,61% 2,10% 6,92%
2002 5,77 6,46% 3,45% 2,30% 3,01%
2003 6,15 6,59% 2,88% 2,30% 3,71%
2004 6,54 6,34% 4,27% 2,10% 2,08%
2005 7,08 8,26% 3,61% 2,20% 4,64%
2006 7,76 9,60% 3,20% 2,20% 6,40%
2007 8,65 11,47% 3,00% 2,20% 8,47%
2008 9,41 8,79% 0,40% 3,30% 8,39%
2009 9,35 -0,64% -4,50% 0,30% 3,86%
2010 9,29 -0,64% 2,10% 1,60% -2,74%
2011 9,50 2,26% 1,50% 2,70% 0,76%
2012 9,79 3,05% -0,90% 2,50% 3,95%
2013 9,83 0,41% -0,30% 1,30% 0,71%
2014 10,32 4,98% 1,20% 0,40% 3,78%
2015 10,83 4,94% 2,00% 0,00% 2,94%
2016 11,37 4,99% 1,70% 0,20% 3,29%
Quellen: de.tradingeconomics.com, Statista.com, Deutsche Bundesbank
false

Quellen:

  • Eurostat, eigene Berechnungen

Hohe Inflation = hohe Sparzinsen?

Einer zu niedrigen Inflationsrate begegnen Notenbanken gerne durch Leitzinssenkungen. Damit einhergehen dann sinkende Sparzinsen. Ob eine hohe Inflation gleichgesetzt werden kann mit hohen Sparzinsen, darüber können sich unsere Leser beim Betrachten des nachfolgenden Diagramms ein eigenes Bild machen:

Entwicklung von Tagesgeldzinsen und Inflationsrate in Deutschland

false

Quelle der Daten für Einlagenvolumen und Effektivzins: Deutsche Bundesbank

Wie hoch derzeit die Zinsen auf Tagesgeld und Festgeld sind, können Sie unseren aktuellen Zinsvergleichen entnehmen:

Über 100 Banken mit Tagesgeld im Vergleich »
Über 60 Banken mit Festgeld im Vergleich »