Quantitative Easing - Auswirkungen und Kritik

Warum das Wundermittel der EZB die Kreditvergabe NICHT ankurbelt

Die Apotheken der Zentralbanken sind gut bestückt. Kleinere Wehwehchen an den Finanz- und Wirtschaftsmärkten werden mit einem Pflaster abgedeckt. Wuchern indes die ersten Geschwüre und haben die bisherigen Maßnahmen nicht zur Gesundung beigetragen, folgt meist der Griff in den Giftschrank. Dann fahren die Notenbanker schwere Geschütze auf. In diese Kategorie dürfte auch das Quantitative Easing oder auf gut Deutsch die quantitative Lockerung, kurz QE, fallen. Sie soll Banken motivieren, mehr Kredite zu vergeben. Ziel: Der Stoffwechsel kommt in Schwung, die Selbstheilungskräfte werden aktiviert und die Medikamente der Zentralbank können langsam wieder abgesetzt werden. Welche Nebenwirkungen ein solcher Eingriff hat und ob tatsächlich alle Beteiligten mitspielen, lässt sich nicht vorhersagen. Ein Blick in ältere Patientenakten macht mit Blick auf die Effektivität des QE jedenfalls nur bedingt Hoffnung.

Was heißt Quantitative Easing?

Zum Einsatz kommt die quantitative Lockerung in der Regel, wenn eine Rezession oder eine Deflation droht. Um diese Szenarien abzuwenden, schraubt die Zentralbank die eigene Geldbasis nach oben. Man spricht daher auch von der Geldschöpfung durch die Zentralbank. Die Ausweitung der Geldmenge (Quantität) dient nur einem Zweck: dem Ankauf von Anleihen mit Schwerpunkt auf langlaufenden Staatsanleihen. Daraus resultiert zum einen ein deutlicher Kursanstieg der Anleihen. Zum anderen sinkt die Rendite der Papiere, „was [...] das allgemeine Zinsniveau am Anleihemarkt beeinflusst“ (QE-Definition der Bundesbank). Die Zinsstrukturkurve der (Staats-)anleihen flacht zum Ende hin also ab. Anders ausgedrückt: Unter dem Strich stehen beim Quantitative Easing niedrigere Realzinsen, die einen Investitionsschub auslösen und das Wirtschaftswachstum stimulieren sollen. Vorausgesetzt, Banken stellen die nötigen Mittel zur Verfügung. Doch dazu später mehr.

Wo wurde die quantitative Lockerung bereits eingesetzt?

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich jüngst erst zum quantitative Easing durchgerungen. Andere Nationen haben ihrem Wirtschafts- und Finanzmarkt bereits vor Jahren die bittere Pille verabreicht. Teils wurden die Rezepte verlängert, teils auch eingestellt (Daten: Wikipedia, Quantitative Lockerung).

Zeittafel - Quantitative Easing in Großbritannien, USA, Japan und Schweiz.
  • Japan: Zu den Ländern, in denen die quantitative Lockerung offenbar als Allheilmittel gesehen wird, zählt Japan. Hier läuft das QE-Programm bereits seit März 2001 und wird regelmäßig ausgeweitet. Schätzungen zufolge wird die japanische Zentralbank bis 2017 etwa die Hälfte aller Staatsanleihen in ihrem Besitz haben (FocusMoney, 22/2015, Seite 3).
  • Schweiz: Genaue Zahlen und Daten zum quantitative Easing liegen für die Schweiz nicht vor. Die Zentralbank hält sich diesbezüglich eher bedeckt. Gestartet ist das Ankaufprogramm, das auch Fremdwährungen umfasst, im März 2009.
  • Großbritannien: Der Startschuss für die quantitative Lockerung fiel in Großbritannien ebenfalls im März 2009. Die erste Phase umfasste ein Volumen von 75 Milliarden Britischen Pfund. Im November 2009 wurde eine Anhebung auf 200 Milliarden Britische Pfund, im Oktober 2011 auf 275 Milliarden Britische Pfund und im Februar 2012 auf 325 Milliarden Britsche Pfund beschlossen. Ende des QE war 2014.
  • USA: Die Vereinigten Staaten haben schrittweise versucht, die Finanzlage zu verbessern. QE1 lief von Dezember 2008 bis März 2010, QE2 von November 2010 bis Juni 2011 und QE3 von September 2012 bis Oktober 2014. Zwischendurch, im September 2011, fuhr die Zentralbank die Operation Twist. Sie war gekennzeichnet durch den Kauf von Anleihen mit Laufzeiten zwischen sechs und 30 Jahren in Höhe von 400 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig wurden Papiere mit Laufzeiten unter drei Jahren abgestoßen.

Was hat Quantitative Easing bisher gebracht?

Der Erfolg – oder eben Misserfolg – von QE-Maßnahmen lässt sich an mehreren Indikatoren festmachen. Da das vornehmliche Ziel lautet, die Wirtschaft über günstige Kredite zu beleben, sollte das quantitative Easing zu einem (spürbaren) Anstieg des Kreditvolumens, also einer regeren Kreditvergabe führen. Eine Auswertung der entsprechenden Statistiken zeigt allerdings, dass die Wirkung des QE nicht überall gleich ist und teils in eine völlig andere Richtung drängt.

Japan

Das Land des Lächelns ist ein Thema für sich. Der stellvertretende Chefredakteur von FocusMoney, Frank Mertgen, bezeichnet Japan als „Experimentallabor“. Hoch verschuldet, extrem niedrige Zinsen. Das ideale Umfeld für exzessives Quantitative Easing – und genau das wird betrieben. Experten rechnen damit, dass die Anleihen irgendwann in zinslosen Papiere mit endloser Laufzeit gewandelt werden. Das stört die Japaner scheinbar nur wenig. Sie haben einen Großteil ihres Kapitals in Auslandsvermögen angelegt, was sie angesichts eines schwachen Yen reich wirken lässt. Auf die Kreditvergabe hat sich das QE kaum ausgewirkt. In der Anfangsphase knickte die Kreditkurve ein, bis etwa Mitte 2006. Danach normalisierte sich die Lage wieder und es ist seitdem ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Laut japanmacroadvisers.com tragen dazu vor allem die ländlichen Banken bei, die ihre Kredite recht aggressiv bewerben.

Auswirkungen von Quantitative Easing auf die Kreditvergabe in Japan.
Japan Datum Kreditvergabe aller Banken*
(in Billionen JPY)
Änderung zum Volumen vor QE
* Lending all Bank inkl. Shinkin - Daten: Bank of Japan
Vor Beginn QE 02.2001 524,5 (100 %)
6 Monate nach Beginn 08.2001 506,4 -3,45 %
Aktueller Stand QE 03.2015 488,4 -6,88 %

Schweiz

Die Schweiz, von Ökonomen gerne als kleine offene Volkswirtschaft bezeichnet, betreibt eine autonome Geldpolitik (NZZ). Vielleicht liegt es daran, dass dem Programm zur quantitativen Lockerung keine Berg- und Talfahrt am Kreditmarkt folgte. Es lief alles wie gehabt, mit leicht steigender Tendenz. Das gilt sowohl für die Kreditvolumenstatistik, die das gesamte Inland umfasst, als auch die Kreditvergabe an private Haushalte. Insofern hat die QE ihr Ziel bei den Eidgenossen durchaus erreicht.

Quantitative Easing in der Schweiz und der Einfluss auf das Kreditvolumen.
Schweiz Datum Kreditvolumen Inland insgesamt
(in Milliarden CHF)
Änderung zum Volumen vor QE
Daten: Bankstatistische Monatshefte Schweiz
Vor Beginn QE 02.2009 998,69 (100 %)
6 Monate nach Beginn 08.2009 1.022,11 +2,35 %
Aktueller Stand QE 02.2015 1.308,52 +31,02 %

Großbritannien

Die Bank of England liefert eine Menge Datenmaterial und verfügt über eine Reihe historischer Charts. Darunter auch Informationen zum M4 Lending, der Kreditvergabe an Privatpersonen (M4 Lending – Monetary Financial Institutions Sterling Net Lending to Private Sector – in Sterlin Millions, seasonally adjusted). Betrachtet man die monatlichen Veränderungen, gab es von Januar 2007 bis März 2009 zwar deutliche Ausschläge, jedoch allesamt über der Nulllinie. Mit dem quantitative Easing setzte dann die Periode der negativen Vorzeichen ein. Statt mehr Kredite zu vergeben, nahm das Volumen spürbar ab, mit einigen Ausreißern nach oben. Wäre alles so gelaufen, wie gewünscht, hätte die Kreditkurve eine langsam steigende Aufwärtstendenz zeigen müssen. Dem ist nicht so. Inzwischen – mit dem Ende des QE – nimmt die Kreditvergabe langsam wieder zu.

Quantitative Easing in Großbritannnien und dessen Auswirkungen.
Großbritannien Datum Kreditvolumen*
in Milliarden GBP)
Änderung zum Volumen vor QE
*M4 Lending (monetary financial institutions' sterling net lending to private sector)- Daten: Bank of England
Vor Beginn QE 02.2009 2.437,39 (100 %)
6 Monate nach Beginn 08.2009 2.417,63 -0,81 %
Ende QE 12.2014 2.160,81 -11,35 %
3 Monate nach Ende QE 03.2015 2.157,56 -11,48 %

USA

Die USA haben es in mehreren Schritten mit der quantitativen Lockerung versucht. Bis zum Start von QE1 waren die „Loans and Leases in Bank Credit“ (Darlehen und Mieten im Bankkredit) auf einem guten Weg. Heißt: Die Gesamtkreditsumme am US-amerikanischen Markt stieg. Mit der Ankündigung der Zentralbank, Anleihen zu kaufen, ging es bergab. Und zwar genau so lange, wie die QE1 anhielt. Danach beruhigte sich der Kreditmarkt wieder, durchfuhr eine Senke, um jetzt wieder an Fahrt aufzunehmen. Während der Zeit von QE2 war in den ersten Monaten ein kurzes Absacken zu beobachten. QE3 indes lief im Sinne der Macher. Spürbar wurde die Belebung des Kreditmarkes aber erst nach dem Ende des Anleihekaufprogramms.

Quantitative Easing in den USA - Die Auswirkungen im Überblick.

USA Datum Handelskredite (Gewerbe) und Industrie
(in Milliarden USD)
Änderung zu Volumen vor QE Darlehen und Mieten in Bankkrediten
(in Milliarden USD)
Änderung zum Volumen vor QE
Daten: Board of Governors of the Federal Reserve System (US)
Vor Beginn QE1 11.2008 1.574,80 (100 %) 7.235,51 (100 %)
6 Monate nach Beginn 05.2009 1.468,85 -6,73 % 7.104,03 -1,82 %
Ende QE1 03.2010 1.209,35 -23,21 % 6.601,72 -8,76 %
3 Monate nach Ende QE1 06.2010 1.189,83 -24,45 % 6.860,03 -5,19 %
 
Vor Beginn QE2 10.2010 1.184,49 (100 %) 6.789,00 (100 %)
6 Monate nach Beginn 04.2011 1.214,19 +2,51 % 6.707,01 -1,21 %
Ende QE2 06.2011 1.233,50 +4,14 % 6.723,63 -0,96 %
2 Monate nach Ende QE2 08.2011 1.263,12 +6,61 % 6.794,25 +0,08 %
 
Vor Beginn QE3 08.2012 1.425,97 (100 %) 7.122,03 (100 %)
6 Monate nach Beginn 02.2013 1.489,83 +4,48 % 7.261,03 +1,95 %
Ende QE3 10.2014 1.736,13 +21,75 % 7.826,31 +9,89 %
3 Monate nach Ende QE3 01.2015 1.790,68 +25,58 % 7.991,43 +12,21 %

Die Rolle der Banken im Konzept der quantitativen Lockerung

USA, Japan und Großbritannien – in Phasen des Quantitative Easing nahm das Kreditvolumen teils deutlich ab. Das Gegenteil ist jedoch beabsichtigt. Wie kommt es zu einer solchen Nebenwirkung?

Wie erwähnt weitet die Zentralbank im Rahmen der geldpolitischen Maßnahme QE die Geldmenge massiv aus und kauft mit dem frischen Geld speziell langfristige Staatsanleihen von Banken an. Nehmen wir an, die Bankhäuser halten sich an das Rezept und verkaufen Ihre Anleihen mit sicheren Zinsen an die jeweilige Zentralbank – das ist keinesfalls sicher – und erhöhen dadurch ihre Liquidität. Steigt nun das Interesse der Institute an einer Ausreichung von Darlehen? Um dies zu beantworten, muss man verstehen, wie sie ihre Erträge erwirtschaften.

Banken leihen kurzfristig und verleihen langfristig. Ihr Gewinn ergibt sich aus dem Zinsspread, also dem Unterschied zwischen den Zinsen für die Ausreichung von Krediten und den kurzfristigen Zinsen die Banken etwa für Einlagen zahlen.

Der massive Ankauf durch die Zentralbank steigert den Kurs der Anleihen am Markt und sorgt für die von der Zentralbank gewünschten niedrigen Zinsen. Die quantitative Lockerung sorgt also für ein Abflachen der Zinsstrukturkurve. Soweit ist die Wirkung wie erwartet und erwünscht. Geringere Zinsen für langfristige Anleihen lassen allerdings auch die Renditen der Papiere schmelzen. Als Nebenwirkung der Medizin QE verringern sich also die Margen und damit die Erträge der Banken!

Tatsächlich haben sich verschiedene europäische Banken mit den ersten Quartalszahlen des Jahres 2015 über eine sinkende Rentabilität beklagt und zum Teil die geldpolitischen Lockerungsübungen der EZB dafür verantwortlich macht. (Quelle: http://www.bloomberg.com... )

Auch wenn so manches Bankhaus wie Santander im Vorfeld des QE-Programms sein Wohlwollen kundgetan hat (Quelle (Video): http://www.bbc.co.uk/programmes/p02hh2b4), Banken sind keine Wohlfahrtsunternehmen. Wenn die Zinsmarge schwindet und damit die Ertragslage der Banken erodiert, sinkt neben der Motivation auch ihre Fähigkeit die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen.

Jede Ausreichung eines Darlehens ist für die Bank zudem mit einem Risiko verbunden. Wenn das Verhältnis aus Nettozinsmarge und Risiko nicht mehr stimmt, wird die Bank das Geld eher zu leicht negativen Zinsen risikoarm etwa bei der EZB parken und auf steigende Renditen warten. Dem Wirtschaftskreislauf wird letztlich Geld entzogen. Im Worst Case geschieht also das Gegenteil von dem, was Quantitative Easing eigentlich bewirken soll.

QE: Wundermittel, Placebo oder gar Gift?

Eine klare Antwort zur Wirksamkeit der quantitativen Lockerung liefern die liefern die Charts nicht nicht. Lässt man Japan mit seiner eigenwilligen Geldpolitik außen vor, bleiben drei Patienten mit ähnlichen Symptomen: die Schweiz, Großbritannien und die USA. Dass QE kein Wundermittel ist, belegen die Akten aller drei Nationen.

In der Schweiz wirkt QE. Nicht sonderlich schnell, dafür kontinuierlich. Das hätte man sich in Großbritannien auch gewünscht. Stattdessen flackerten die Monitore im Krankenzimmer und zeigten wenig vertrauensfördernde Daten. Ein Auf und Ab, das ganz sicher nicht erwünscht war. Bleiben noch die USA. Die erste Dosis QE verfehlte ihre Wirkung, klar und deutlich. Erst als der Organismus sich an die quantitative Lockerung gewöhnt hatte, machte der Kreditmarkt einen kleinen Schritt nach vorne.

Lassen sich diese Informationen auf Europa bzw. die EZB übertragen? Gewiss nicht. Eine schnelle Lösung des Problems wird die quantitative Lockerung nicht bringen. Das haben alles bisherigen Versuche gezeigt. Hinzu kommt ein Faktor, auf den die Zentralbank nur bedingt Einfluss hat: die Kreditinstitute. Die EZB mag das Rezept ausstellen. Ob die Banken es auch einlösen, steht auf einem anderen Blatt. Denn schmecken wird den Instituten der niedrige Zins und damit der geringere Gewinn kaum. Noch weniger, wenn die Entwicklung nur schwer bis gar nicht absehbar ist. Schon die bisherigen Maßnahmen wie Zinssenkungen und Strafzinsen für Einlagen haben die Kreditvergabe eher geschwächt.

Dass jetzt mit dem Quantitative Easing alles „easy“ wird, ist wohl eher Wunschdenken. Vor allem, da die Zahlen bisher enttäuschen. Trotz massiver Geldschwemme durch die EZB stockt der Kreditfluss. Die im April 2015 an Firmen und Haushalte ausgereichten Darlehen verharrten auf dem Vorjahresniveau. Das Medikament QE wirkt bisher jedenfalls nicht wie das vielgepriesen Wundermittel, mit dem die Kreditvergabe und damit die Wirtschaft in den Euro-Ländern nachhaltig angekurbelt werden kann. Es wirkt neutral wie ein Placebo.

Oder hat Quantitative Easing vielleicht eine geheime Nebenwirkung? Uns scheint nämlich, dass das Argument der EZB, die Kreditvergabe zu stimulieren, nur vorgeschoben ist. Tatsächlich ist der massive Anleihekauf ein prima Wirkstoff um die Zinslast massiv verschuldeter EU-Länder zu senken und um vergebene Staatsanleihen zinsgünstig durch neue zu ersetzen, was uns zu einem heiklen Thema bringt: der monetären Staatsfinanzierung durch die Notenpresse der Zentralbank.

Faktisch verbotene monetäre Staatsfinanzierung durch die EZB

Seit Beginn des Anleihekaufprogrammes im März 2015 hat die EZB bereits für hunderte Milliarden EUR Staatsanleihen gekauft, darunter auch ausfallgefährdete Papiere aus Spanien, Italien, Portugal und Griechenland. Gemäß Artikel 123 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) ist monetäre Staatsfinanzierung, also die Finanzierung von Staaten über die Zentralbank, verboten. In der Praxis interessiert dieser Artikel aber anscheinend niemanden.

Die EZB behilft sich mit einem Taschenspielertrick: da sie beim Ankauf der Anleihen direkt bei den Staaten (am so genannten Primärmarkt) der Eurozone gegen besagten Artikel 123 AEUV verstoßen würde, geht sie den Weg über den Sekundärmarkt, kauft die Staatsanleihen also von den Geschäftsbanken. Diese wiederum kaufen sie vorher bei den Emittenten, also den Staaten der Eurozone, und müssen sie die berühmte eine Sekunde im eigenen Bestand halten, bevor sie an die EZB weiterverkauft werden.

Dadurch umgeht die EZB das Verbot der monatären Staatsfinanzierung im rechtlichen Sinn. Aus praktischer Sicht macht es jedoch keinen Unterschied, ob für eine Sekunde eine Bank zwischengeschaltet wird, bevor das Geld den Staaten der Eurozone zukommt.

01.06.2015

Update November 2015

Die EZB als Handlanger der Staaten

Acht Monate nach Beginn des Anleihekaufprogramms der EZB sieht die Bilanz katastrophal aus. Nicht nur der eigentliche Zweck - die Ausweitung der Kreditvergabe im Euro-Raum - wird derzeit nicht annähernd erreicht. Auch die Inflation liegt weit unter dem Zielkorridor der EZB, woran diese selbst schuld ist. Ihre Anleihenkäufe haben dem Markt suggeriert, dass ohne sie ein Preisverfall droht. Darauf haben sich die Marktteilnehmer eingestellt und gehen derzeit in ihren Absicherungsgeschäften mittels Inflations-Swaps von einer niedrigeren mittle- bzw. langfristigen Inflation aus.

Aus Sicht der Banken ist die stagnierende Kreditvergabe absolut nachvollziehbar. Indem die EZB Anleihen aufkauft, senkt sie die langfristigen Zinsen (siehe unsere Statistiken zur Zinsstrukturkurve in Deutschland und den USA). Banken refinanzieren sich kurzfristig und vergeben Kredite langfristig. Eine niedrigere Spanne zwischen kurz- und langfristigen Zinsen bedeutet für sie also niedrigere Gewinne und damit keinerlei Anreiz, die Kreditvergabe auszuweiten.

Das Quantitative Easing, wie es die FED betrieben hat und wie es die EZB seit 2015 betreibt, dämpft also die Kreditvergabe und damit auch das Wirtschaftswachstum.

Dieser Umstand ergibt sich aus der Tatsache, dass die EZB über Leit- und Einlagenzinsen die kurzfristigen Zinsen beeinflusst. Die langfristigen Zinsen hingegen werden durch Angebot und Nachfrage vom Markt beeinflusst. Die erhöhte Nachfrage der EZB nach lang laufenden Staatsanleihen im Rahmen ihres Anleihekaufprogrammes steigert bei gegebenem Angebot also deren Kurse. Damit sinken deren Renditen und damit auch die langfristigen Zinsen. Ergebnis: die Zinsstrukturkurve wird flacher, die Marge der Banken also geringer.

Anstatt nun aber das Scheitern ihres Programms zuzugeben und die leidigen Ankäufe von Staatsanleihen einzustellen, wurde das Anleihen-Kaufprogramm auf 1,5 Billionen Euro ausgeweitet (3.12.2015) und beschlossen, die monatlichen Käufe über ein Volumen von 60 Mrd. EUR bis mindestens März 2017 durchzuführen. Dadurch wird der Eindruck verstärkt, dass es der EZB gar nicht um eine stabil bei zwei Prozent liegende Inflationsrate geht, sondern das Ziel vielmehr der verstärkte Ankauf von Staatsanleihen und damit die monetäre Staatsfinanzierung der hoch verschuldeten Euro-Staaten ist. Die EZB wird so also zum Handlanger der Finanzminister der Länder in der Euro-Zone.

Das aktuelle Anleihekaufprogramm ist nur der Anfang

Vergleicht man die Situation der US-Banken mit denen in der Eurozone, so kann man nur zu einem Schluss kommen: die EZB wird über kurz oder lang noch viel mehr Geld in die hiesigen Banken pumpen. Das aktuelle Anleihekaufprogramm über 1.500 Mrd. EUR ist da nur der Anfang.

Im Rahmen ihrer Quantitative Easing Programme hat die US-Notenbank FED in den letzten Jahren Anleihen im Wert von rund 2.600 Mrd. US-Dollar von amerikanischen Banken aufgekauft. Damit haben diese nun mehr Geld auf ihren Zentralbankkonten als täglich fällige Zahlungsverbindlichkeiten gegenüber ihren Kunden, die sich derzeit auf 1.700 Mrd. US-Dollar belaufen. Oder kurz gesagt: die US-Banken sind jederzeit zahlungsfähig.

In der Eurozone sieht das ganz anders aus.Die Bilanzen der hiesigen Banken weisen täglich fällige Verbindlichkeiten gegenüber ihren Kunden in Höhe von 5.400 Mrd. EUR aus. Die Einlagen der Banken auf den Zentralbankkonten bei der EZB betragen hingegen nur 680 Mrd. EUR. Selbst die 1.500 Mrd. EUR aus dem aktuellen Anleihekaufprogramm reichen also nicht aus, die Banken in der Eurozone gegen einen Bank-Run immun zu machen:

Wirtschaftsraum Quantitative Easing Volumen täglich fällige Zahlungs-verbindlichkeiten der Banken Liquide Mittel der Banken auf Zentralbankkonten Differenz
Stand: 12/2015
USA 2.600 Mrd. US-Dollar 1.700 Mrd. US-Dollar 2.600 Mrd. US-Dollar + 900 Mrd. US-Dollar
Eurozone 1.500 Mrd. EUR 5.400 Mrd. EUR 680 Mrd. EUR - 4.720 Mrd. EUR

Abzüglich der bereits geplanten Anleihekäufe würde immer noch eine Deckungslücke von 3.220 Mrd. EUR verbleiben. Diese wird die EZB unserer Meinung nach mit weiteren Anleihekäufen schließen. Damit nähme sie noch mehr Staatsschulden der Euroländer in ihre Bilanz und würde am Ende mindestens die Hälfte aller Euro-Staatsschulden mithilfe der Notenpresse finanzieren.

Update Dezember 2015

Anleihekaufprogramm bis März 2017 verlängert

Wie von uns erwartet, hat die EZB in ihrer Sitzung am 3. Dezember 2015 verkündet, das usprünglich bis September 2016 laufende Quantitative Easing Programm um mindestens ein halbes Jahr zu verlängern. Sein Ende wäre damit der März 2017. Nach der Ankündigung der Verlängerung des Anleihekaufprogramms durch EZB-Chef Mario Draghi, gab der DAX um über 3,5 Prozent nach und der Euro stieg gegenüber dem US-Dollar. Kostete ein Euro 14 Uhr noch rund 1,055 US-Dollar, mussten keine vier Stunden später schon rund 1,09 US-Dollar auf den Tisch gelegt werden.

Die Erklärung für die Ausschläge bei DAX und Wechselkurs sind schnell gefunden: die EZB verlängert das Anleihekaufprogramm zwar, erhöht aber dessen monatliches Volumen nicht. Es bleibt also bei 60 Milliarden EUR pro Monat. Auch der Strafzins, den Banken derzeit an die EZB für ihr dort geparktes Guthaben entrichten müssen, wurde "nur" von minus 0,20 auf minus 0,30 Prozent gesenkt (siehe dazu unsere Statistik zum EZB-Einlagenzins). Viele Marktteilnehmer hatten eine Senkung auf minus 0,40 Prozent erwartet.

Update Januar 2016

Niedriger Ölpreis = längere expansive Geldpolitik

Der sinkende Ölpreis wird auch im Januar 2016 die Inflationsrate nach unten drücken und damit den Bemühungen der EZB entgegenwirken, die eine Inflationsrate von zwei Prozent als Ziel hat. Die Folge: die extrem expansive Geldpolitik der EZB wird wohl noch länger andauern, als von den meisten angenommen.

Keine Inflation in Sicht, Kreditvergabe stagniert

Der Blick auf Verbraucherpreise und Kreditvergabe zeigt, dass die öffentlich verlautbarten Ziele des QE-Programms der EZB bislang nicht mal im Ansatz erreicht wurden. 2015 stiegen in Deutschland die Verbraucherpreise nur um 0,30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zwar wurden sie durch den Verfall des Ölpreises und die damit einhergehenden sinkenden Preise für Energie gedämpft, doch rechnet man selbige aus der Inflationsrate heraus, liegt die Teuerung in 2015 immer noch deutlich unterhalb der Zielmarke der EZB von zwei Prozent.

Währenddessen steigt die Geldmenge M3, was ja eigentlich die Inflation befeuern sollte. Doch die sogar sinkende Kreditvergabe der Banken an Unternehmen zeigt: das Geld kommt nicht in der Realwirtschaft an, sondern wird zum Ankauf von Staatsanleihen eingesetzt.

Ein Anstieg der Kreditvergabe war aber eines der hehren Ziele, welches die EZB mit ihrem Quantiative-Easing Programm verfolgt. Aus aktueller Sicht wird dieses Ziel eindeutig verfehlt.

Update Februar 2016

Ausweitung des Quantitative Easing Programms der EZB im März wahrscheinlich

In einem Interview mit der "Börsen-Zeitung" vom 30.01.2016 auf Seite 13 sagt Andrew Bosomworth, Deutschland-Geschäftsführer des Anleihegiganten Pimco, "die EZB wird sehr wahrscheinlich den Beschluss fassen, Anleihen länger als nur bis März 2017 zu kaufen, der Zeithorizont wird somit verlängert. Darüber hinaus könnte sie auch die monatlichen Volumina von 60 Mrd. Euro erhöhen. Ich würde auch mit einer weiteren Zinssenkung rechnen. Zum Beispiel könnte der Einlagensatz auf minus 0,40 % fallen, und der Hauptrefinanzierungssatz könnte auf null sinken."

Angesichts dessen, dass die Aktienmärkte seit Anfang 2016 förmlich eingebrochen sind, ist ein weiteres Fluten der Märkte mit Zentralbankgeld naheliegend. Dabei müssen wir immer an Draghis Spruch "Whatever it takes" denken. Das Problem: der Grenznutzen weiterer geldpolitischer Maßnahmen sinkt, bis er negativ wird. Ab diesem Punkt bringt die expansive Geldpolitik der EZB mehr Nach- als Vorteile mit sich. Gefühlt stehen wir kurz vor diesem Punkt. Die nächsten Monate werden zeigen, ob wir damit recht haben.

Update März 2016 (I)

Einlagenzins von -0,30 auf -0,40 Prozent, Kaufvolumen für Anleihen + 20 Mrd. EUR pro Monat

Wenige Tage vor der EZB-Sitzung am 10. März 2016 sickern erste Details der geplanten Maßnahmen durch. Wie in einem Preview der Nordea Bank AB (SE) zu lesen ist, gehen die Experten von folgenden Maßnahmen aus:

  • Der Einlagenzins wird um weitere zehn Basispunkte gesenkt - von derzeit minus 0,30 auf dann minus 0,40 Prozent
  • Das Volumen der monatlichen Anleihekäufe wird um 10 Milliarden Euro erhöht - von derzeit 60 auf dann 70 Milliarden Euro pro Monat
  • Einführung eines zweistufigen Systems für die Einlagenzinsen der Mindestreserven ("An announcement of a 2-tier system on interest rates on reserves (might be implemented with a lag")
  • Weitere Liquiditätsmaßnahmen, etwa in Form weiterer extra langer Refinanzierungsgeschäfte ("New liquidity measures e.g. in the form of another very long term refinancing operation with special terms")

Eine weitere, von uns vermutete Maßnahme könnte die Ausweitung des Anleihekaufprogrammes auf Unternehmensanleihen sein.

Michael Schubert, Volkswirt bei der Commerzbank kann sich einen gestaffelten Einlagenzins vorstellen, wie das Handelsblatt berichtet. Der Staffelzins könnte sich demnach nach dem Betrag richten, sodass der Strafzins geringer angesetzt wird oder ganz entfällt. Hinsichtlich der umstrittenen Aufstockung der Anleihenkäufe denkt Schubert an einen Kompromiss, z. B. eine befristete Anhebung von weiteren 20 Milliarden Euro für sechs Monate.

Joachim Feld, Managing Director bei Pimco, geht in einem Interview mit der Wirtschaftswoche (Ausgabe 10 vom 04.03.2016) auch davon aus, dass der Einlagenzins um zehn Basispunkte abgesenkt wird. Höhere Zinssenkungen würden seiner Meinung nach die Banken zu sehr unter Druck setzen. Die Option der EZB, einen gestaffelten Einlagenzins einzuführen, sieht auch er. Seiner Meinung nach könnte der höhere Strafzins dann nur für die Überschussreserven der Banken gelten, die durch die zusätzlichen Anleihenkäufe der EZB entstehen.

Update März 2016 (II)

Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) am 10. März 2016 beinhaltet deutlich mehr als die erwarteten Maßnahmen.

Die wichtigsten Entscheidungen auf einen Blick:

  • Der Leitzins wird von 0,05 auf 0,00 Prozent gesenkt.
  • Der Einlagenzins sinkt – wie erwartet – von minus 0,30 auf minus 0,40 Prozent.
  • Das Volumen der monatlichen Anleihekäufe wird von 60 auf 80 Milliarden Euro pro Monat erhöht. Eine Laufzeitverlängerung ist bisher nicht bestätigt, kann aber jederzeit beschlossen werden. Bisher läuft das Anleihenkaufprogramm bis März 2017.
  • Vier neue Kreditlinien (TLTRO II) werden für Finanzinstitute aufgelegt – jeweils mit einer Laufzeit von vier Jahren. Die Kosten orientieren sich am gesenkten Einlagenzins (-0,40 Prozent), sodass Banken sogar daran verdienen können.

Mit den Entscheidungen geht die EZB weit über das erwartete Maßnahmenpaket hinaus. Vor allem die Erhöhung der Anleihenkäufe auf 80 Milliarden Euro stößt hierzulande auf Kritik.

"Es ist vollkommen unnötig, dass die Europäische Zentralbank den Geldhahn heute noch weiter aufgedreht hat. Wirtschaftsreformen sowie die Sanierung von Bankbilanzen werden verschleppt.", erklärt Michael Kemmer, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB). "Der Geldmarkt im Euro-Raum ist durch die EZB-Politik faktisch stillgelegt. Wirtschaftsreformen sowie die Sanierung von Bankbilanzen werden verschleppt. Doch auf all diesen Feldern hat die EZB heute noch einmal eine Schippe draufgelegt.“

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer befürchtet, dass "die Medizin nicht wirken [wird], auch wenn man die Dosis erhöht (Reuters).

Sparparkassen-Präsident Georg Fahrenschon sieht den Kurs der EZB als gefährlich an: "In der Sackgasse muss man den Mut haben, umzudrehen. Weiter Vollgas führt zur Katastrophe."

Wie sich das Gesamtvolumen des aktuellen QE-Programms der EZB durch die Ausweitung der Anleihenkäufe entwickeln wird, zeigt unsere Infografik:

Diagramm zur Entwicklung des Volumens des aktuellen Anleihekaufprogramms der EZB

Update März 2016 (III)

Welche Auswirkungen Quantitative Easing Programme auf Anleihen- und Aktienmärkte haben

Seit Beginn der ersten Anleihenkaufprogramme der Zentralbanken stand die Frage im Raum: welche Auswirkungen haben diese Programme auf Anleihen- und Aktienmärkte. Die Experten der UBS gehen davon aus, dass die Anleihenkaufprogramme der vier großen Notenbanken EZB, Fed, Bank of England und Bank of Japan den Rückgang der Rendite von Anleihen zu rund 50 Prozent und den Anstieg des Kurs-Gewinn-Verhältnisses an den Aktienmärkten zu 50 bis 70 Prozent verursacht haben.

Darüber hinaus geht die UBS davon aus, dass diese Effekte auch weiterhin Bestand haben werden. Die Begründung ist denkbar einfach: die Fed etwa wird nicht plötzlich Wertpapiere in Größenordnungen verkaufen, um ihre Bilanz wieder zu verschlanken. Vielmehr dürfte uns der jetzige Zustand noch einige Jahre erhalten bleiben und die Analysten der UBS gehen davon aus, dass auch die Bewertungen an den Aktienmärkten generell höher bleiben werden als vor den Zeiten der Anleihekaufprogramme.

Subventionsprogramm für Südeuropa

Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchner Ifo-Instituts, bezeichnet den Kurs der EZB in der Wirtschaftswoche (12/18.03.2016) als Subventionsprogramm für Südeuropa. Demnach bleiben Europas hochverschuldete Staaten weiterhin im Krisenmodus. In den letzten Jahren wurden laut Sinn dringend notwendige Reformen verschleppt, die "eine langfristige Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit ermöglicht hätten."

Neben der Ausweitung des QE-Programms, der Absenkung des Einlagenzinses auf 0,40 % und der Senkung des Hauptrefinanzierungszinssatzes auf 0,00 % kritisiert Hans-Werner Sinn speziell die vier neuen langfristigen Kredittranchen (TLTRO II) der EZB. Unter bestimmten Umständen sind diese Kredite mit bis zu 0,40 % verzinst, d. h. "der Gläubiger zahlt Zinsen an den Schuldner". Der Gläubiger ist in diesem Fall der Steuerzahler.

Die derzeitige Geldpolitik der EZB träfe vorwiegend Deutschland, als Staat mit dem zweitgrößten Nettoauslandsvermögen weltweit. Die niedrigen Zinsen bedeuten für Deutschland, so Sinns Berechnung, seit 2008 einen Verlust von rund 327 Milliarden Euro. Umgekehrt profitierten die sechs Krisenstaaten (Griechenland, Italien, Portugal, Spanien, Irland und Zypern) dank niedriger Zinsen im gleichen Zeitraum von einem "Gewinn" in Höhe von ca. 316 Milliarden. Die Summe der Verschuldung der genannten Länder lag bis Ende 2014 bei 2,06 Billionen Euro. Bis Ende 2015 schätzt der Volkswirtschaftler den Gewinn auf knapp 400 Milliarden Euro. Es "dürfte […] sich bei diesen Zahlen um die Untergrenze der durch die EZB verursachten Umverteilungseffekte zwischen den Volkswirtschaften handeln", so Hans-Werner Sinn.

Update April 2016

Welche Unternehmensanleihen die EZB nun kaufen darf

Nachdem die EZB am 10. März 2016 beschlossen hat, ihr Anleihekaufprogramm auch auf Unternehmensanleihen auszuweiten (Beginn der Anleihenkäufe wird der Juni 2016 sein), konnte lange Zeit nur gerätselt werden, welche Auswahlkriterien sie dafür zugrunde legen würde. Die Katze ist nun aus dem Sack, denn bei der Notenbanksitzung am 21. April 2016 legte Mario Draghi, der Chef der EZB, seine "Einkaufsliste" vor. Diese überrascht gleich in mehrfacher Hinsicht, denn gekauft werden auf Euro lautende Anleihen:

  • auch von Unternehmen, die ihren Sitz nicht in der Eurozone haben, wenn diese Unternehmen Tochtergesellschaften im Euro-Raum haben, die auch in selbigem aktiv sind. Darüber hinaus müssen es Unternehmen oder Muttergesellschaften sein, deren Kredite von Banken als Sicherheit bei der EZB eingereicht werden können. Zudem auch von Unternehmen, denen nicht alle Rating-Agenturen eine gute Bonität bescheinigen. Dabei reicht es aus, wenn wenigstens eine der vier Rating-Agenturen S&P, Moody's, Fitch oder DBRS dem Unternehmen ein Rating innerhalb des Investment-Grades bescheinigt.
  • auch von Autobanken oder Versicherern, denn nur Anleihen von Banken sind ausdrücklich vom Ankauf ausgeschlossen. Die Konzernmutter darf keine Bank sein, weshalb auch Anleihen von VW Bank, Mercedes-Benz Bank, Renault Bank oder Audi Bank zum Kaufuniversum gehören.
  • mit einer Restlaufzeit von mindestens sechs Monaten, höchstens jedoch 31 Jahren - auch ohne Mindestvolumen.

Analysten gehen davon aus, dass die EZB ab Juni 2016 monatliche für drei bis zehn Milliarden Euro Unternehmensanleihen kaufen wird. Dabei wird sie am Primärmarkt als Käufer auftreten, also bei Neuemissionen. Theoretisch darf die EZB bis zu 70 Prozent an einzelnen Anleihen halten, wobei nicht davon auszugehen ist, dass die EZB bei einzelnen Papieren zum Hauptgläubiger werden wird.

Sinkende Umlaufgeschwindigkeit des Geldes

Die (Nicht-)Wirksamkeit der Maßnahmen der EZB lässt sich an der so genannten Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ablesen. Vereinfacht ausgedrückt gibt diese an, wie oft die Geldmenge ihren Besitzer wechselt. Als Messgrößen werden meist die Bruttonational- bzw. -inlandsprodukte sowie Geldmengen der betrachteten Volkswirtschaft ins Verhältnis gesetzt. Die Zahlen lassen dabei nur einen Schluss zu: Das Quantitative-Easing der EZB zeigt bisher kaum eine Wirkung. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sinkt weiter bzw. ist auf dem tiefsten Stand seit Jahren. Die von der EZB bereitgestellte Liquidität wird also nicht an Unternehmen und Verbraucher weitergeleitet, sondern im Bankensektor gehortet. Das erklärt dann auch, warum bislang trotz massiver Ausweitung der monetären Basis keine Belebung der Inflation zu verzeichnen ist.

Update Mai 2016

Warum die Vorgehensweise der EZB beim Anleihekaufprogramm falsch ist

Trotz aller Bemühungen der EZB kommt die Kreditvergabe und damit die Inflation in Europa nicht richtig in Schwung. John Greenwood, Chefvolkswirt von Invesco, führt dazu in einem Interview mit der Börsenzeitung (kostenpflichtig hier im Volltext nachzulesen) den Hauptgrund an:

Die amerikanische Notenbank FED hat im Rahmen ihrer Quantitative-Easing Programme auch von Versicherern, Pensionskassen und -fonds, Vermögensverwaltern und anderen Marktteilnehmern Anleihen aufgekauft und somit frisches Geld an diese vergeben, mit denen sie andere Wertpapiere kaufen oder Investitionen tätigen konnten. Das Ergebnis: ein Wachstum von derzeit acht Prozent bei der Kreditvergabe in den USA!

In Europa hingegen hat die EZB ihr gesamtes QE-Programm bislang auf den Bankensektor ausgerichtet. Das Problem: das Geld, welches die Banken für die an die EZB verkauften Wertpapiere erhalten, landet nicht in Form von Krediten in der Realwirtschaft sondern wird von den Banken zum Aufhübschen ihrer Bilanzen oder für eigene Wertpapiertransaktionen genutzt. Das Ergebnis: ein kümmerlicher Anstieg der Kreditvergabe in der Eurozone von 1,1 Prozent.

Die Schlussfolgerungen, die Greenwood aus den unterschiedlichen Ergebnissen der QE-Programme von FED und EZB zieht, klingen einleuchtend: seiner Meinung nach muss die Zentralbank Wertpapiere von Nichtbanken erwerben und sie muss langlaufende Wertpapiere kaufen. Im Ergebnis haben die Nichtbanken dann frisches Geld anstatt Anleihen, welches sie - anders als Banken . nicht horten, sondern investieren werden.

Update Juni 2016

Starttermine der neuen Maßnahmen

Wie die EZB am 02. Juni 2016 bekanntgab, werden das Corporate Sector Purchase Program (CSPP), also der Ankauf von Unternehmensanleihen durch die EZB am 8. Juni 2016 und die Vergabe neuer Kreditlinien an Banken (TLTRO II) am 22. Juni 2016 beginnen.

Details zum Corporate Sector Purchase Programm

In der ersten Juniwoche 2016 ist es nun soweit. Der Rat der EZB trifft sich in der Wiener Hochburg und legt dort fest, welche Unternehmensanleihen er im Rahmen des im März beschlossenen "Corporate Sector Purchase Programs", kurz CSPP. Wie bereits beschrieben, tritt die EZB im Rahmen dieses Programms an den Märkten anstelle der bisherigen Marktteilnehmer auf.

Ziel des Programms zum Ankauf von Unternehmensanleihen

Erklärtes Ziel des CSPP ist es, die Kurse der Unternehmensanleihen zu erhöhen und damit die Renditen der Papiere zu senken. Nach der vorherrschenden Denke innerhalb der EZB soll das positive Anreize auf Kinjunktur, Investition und Inflation haben. Man darf skeptisch sein, ob die Maßnahmen diesen Zielen zweckdienlich sind, denn an zinsgünstiger Liquidität besteht derzeit kein Mangel. Nachdenklich sollten hingegen die Steuerzahler sein, denn ihnen werden letzten Endes die möglichen Risiken ungefragt aufgebürdet.

Wie viele Unternehmensanleihen werden pro Monat gekauft?

Marco Stöckle, Leiter des Corporate Credit Researchs der Commerzbank geht in einem Interview mit der "Wirtschaftswoche" (Ausgabe 22 vom 27.5.2016) davon aus, dass die monatlichen Kaufvolumina zwischen drei und fünf Milliarden Euro liegen werden.

Anleihekaufprogramm stößt auf harsche Kritik

Der Ankauf von Unternehmensanleihen durch die EZB stößt unter Fachleuten auf laute Kritik. Thomas Meyer, Direktor des Flossbach von Storch Research Institute, sagt gegenüber der "Wirtschaftswoche" (Ausgabe 22 vom 27.5.2016) "Die schwache Investitionstätigkeit hat ihre Ursache in der Unsicherheit über die Konjunktur und die Wirtschaftspolitik". Daher ist er der Meinung, dass mit niedrigeren Anleihezinsen der Investitionsflaute nicht beizukommen ist.

Marco Stöckle, Leiter des Corporate Credit Researchs der Commerzbank, geht im Interview mi der "Wirtschaftswoche" (Ausgabe 22 vom 27.5.2016) davon aus, dass die EZB rund 50 Prozent der geplanten Anleihekäufe am Primärmarkt durchführen muss. Das führt seiner Meinung nach dazu, dass institutionelle Investoren auf risikoreichere Anlageklassen ausweichen müssen, um ihre Renditeerwartungen oder -versprechungen (Stichwort Garantiezins bei Lebensversicherungen) zu erfüllen.

Professor Dr. Markus C. Kerber von der TU Berlin hat Verfassungsklage gegen die EZB eingereicht. Im Interview mit der Zeitschrift "Focus Money" sagt er "Mit dem Kauf von Unternehmensanleihen verstößt die EZB gegen das Gebot des unverfälschten Wettbewerbs". Weiterhin ist er der Meinung, dass die EZB durch den Ankauf von bis zu 70 Prozent einzelner Unternehmensanleihen das Emittentenrisiko für Unternehmen und damit den Wettbewerb am Kapitalmarkt abschafft. Das führt zu der absurden Situation, dass Unternehmen aus der ganzen Welt in der Eurozone Finanzierungsgesellschaften gründen, die dann Anleihen begeben, damit die EZB einen möglichst großen Anteil davon zeichnen wird.

Update Juli 2016

Unternehmensanleihen: Hier hat die EZB gekauft

Im Juli 2016 veröffentlichte die Europäische Zentralbank (EZB) erstmals eine Liste der Unternehmensanleihen, welche sie aufkauft. Demnach hat die EZB u.a. Anleihen diverser deutscher Unternehmen erworben, darunter Papiere von Allianz, Bayer, BASF, BMW, Deutsche Bahn und SAP. Eine Detaillierte Liste hierzu findet sich bei der Deutschen Bundesbank. Wie viel die EZB jeweils in die einzelnen Anleihen investiert, ist nicht bekannt – zumindest finden sich aber die zugehörigen Laufzeiten. Auf diese Information verzichten andere europäische Notenbanken und listen nur die Identifikationsnummern der Anleihen (ISIN) auf.

Bemerkenswert: Etwa die Hälfte der in der ersten Phase gekauften Titel verfügte lediglich über ein B-Rating. 37 Anleihen lagen sogar knapp über Ramschniveau. Kritiker bemängeln, dass Firmen mit entsprechend mäßiger Bonität ihren Verpflichtungen im Zweifel nicht nachkommen können.

Nach den bisher bekannten Angaben wurden bis 15. Juli 2016 insgesamt 478 Anleihen von europäischen Firmen durch die EZB gekauft. Der größte Anteil fällt auf Energieversorger, darunter der französische Energiekonzern Engie, der spanische Stromerzeuger Iberdrola sowie E.ON und RWE. Ebenfalls gelistet sind z. B. der niederländische Mineralölmulti Royal Dutch Shell, die belgische Brauereigruppe Anheuser-Busch InBev, der Telefonkonzern Telefónica und der italienische Versicherer Generali. Anleihen von Banken erwirbt die EZB generell nicht. Voraussetzung für den Kauf der Bonds ist ein Sitz in der Eurozone.

Verzerrung des Markts?

Die EZB erwarb in den vergangenen Wochen insgesamt Firmenanleihen in einem Umfang von ca. 1,42 Milliarden Euro – nach zuvor 1,95 Milliarden Euro. Einige Finanzexperten betrachten den Ankauf von Unternehmensanleihen indes weiterhin als kritisch – befürchtet wird eine massive Verzerrung der Märkte. David Folkerts-Landau, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, nannte das Ankaufprogramm einen "Akt der Verzweiflung". David Kohl, Deutschland-Chefvolkswirt der schweizerischen Bank Julius Bär erklärte, dass momentan "der nächste Markt kaputt gemacht wird."

Schwierigkeiten beim Kauf von geeigneten Staatsanleihen

Der Stand der gekauften Staatsanleihen kletterte auf 928,41 Milliarden Euro. Die Käufe sind auf 1,74 Billionen Euro angelegt und sollen bis Ende März 2017 weiterlaufen. Wie Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, im Rahmen der letzten Ratssitzung bekräftigte, lässt sich die Phase bei Bedarf aber verlängern.

Da die niedrigen bzw. negativen Zinsen vieler Staatsanleihen allerdings inzwischen den Anforderungen des Kaufprogramms nicht mehr entsprechen, hat die EZB zunehmend Probleme geeignete Papiere zu finden, wie bspw. die Welt am 21.07.2017 ("Europas Währungshüter tappen in ihre eigene Falle") berichtete.

Update August 2016

Immer mehr Experten zweifeln am Kurs der EZB

Nachdem die EZB ihr Anleihekaufprogramm im Juni auch auf Unternehmensanleihen ausgeweitet hat, wird die Kritik zahlreicher Entscheider und Finanzexperten am Kurs der Währungshüter immer lauter. Laut Bericht des Springer Gabler Verlags in der "Bankfachklasse" 7-8/2016 kritisieren die deutschen Bankenverbände das Programm zunehmens.

Michael Kemmer vom Bundesverband deutscher Banken (BdB9 glaubt, "die EZB werde damit keine zählbaren positiven Effekte bei den Investitionen und der Entwicklung der Verbraucherpreise erzielen". Seiner Meinung nach führt der Ankauf von Unternehmensanleihen durch die EZB nur zur Verzerrung der Preise sowie einer künstlichen Verknappung des Marktes.

Der Präsident des Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, Uwe Fröhlich, befürchtet laut Bericht im selbigen Medium "für Mittelständler, die nicht kapitalmarktfähig sind, einen Nachteil im Vergleich zu Großunternehmen".

Auch das "Elite-Panel", welches das Marktforschungsinstitut Allensbach im Auftrag von "Capital" und "FAZ" durchführt, kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: waren noch im Dezember 2012 55 Prozent der Befragten Entscheider der Meinung, dass Mario Draghi als EZB-Chef gute Arbeit leistet, so sank diese Zahl bis Dezember 2015 auf 49 Prozent und lag im Juli 2016 nur noch bei 40 Prozent. Parallel dazu stieg der Prozentsatz der Entscheider, die den Kurs der EZB kritisch sehen von 29 Prozent im Dezember 2012 auf 52 Prozent im Juli 2016.

Infografik mit Werten zur Zustimmung zur EZB-Politik

Update September 2016

45 Milliarden an frischen Langfristkrediten

Im März 2016 hatte der EZB-Rat angekündigt, weitere Anreize für die Kreditvergabe der Banken zu setzen. Entsprechend startete am 22. Juni 2016 die erste einer Serie von vier gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (GLRG II bzw. TLTRO-II). Wie die EZB mitteilte, wurde jetzt die zweite Kreditlinie vergeben – insgesamt mit einem Volumen von 45,270 Milliarden Euro. Beteiligt haben sich daran 249 Institute. Im Juni lag das Volumen noch bei 399,289 Milliarden Euro, wobei 514 Institute Geld erhielten.

Der Unterschied erklärt sich in erster Linie durch die Ersetzung von Liquidität. Viele Banken ersetzten damit Kapital, welches sie im Rahmen von TLTRO I zu schlechteren Konditionen aufgenommen hatten. An den neuen Langfristkrediten, die sich am EZB-Einlagenzins von -0,40 Prozent orientieren, können die Institute ggf. sogar verdienen. Die Zuteilung erfolgt am 22. September 2016. Fällig sind die Gelder in vier Jahren, am 30. September 2020. Die Verzinsung liegt max. bei 0,00 Prozent. Die Verzinsung ist abhängig von der Kreditvergabe der Bankhäuser.

In einem kürzlich veröffentlichten Wirtschaftsbericht geht die Europäische Zentralbank davon aus, dass der moderate Aufschwung der Eurozone anhält, wenngleich in geringer Geschwindigkeit. Gewisse Risiken blieben allerdings, so die Währungshüter. Unter anderem die Unsicherheiten aus dem Brexit-Referendum wurden aufgezählt.

Derweil erklärte Jens Weidmann, Chef der Bundesbank, am 18. September 2016 in der Süddeutschen Zeitung, dass die Zinsen auf keinen Fall länger niedrig bleiben dürfen, "als mit Blick auf die Preisstabilität unbedingt erforderlich." Selbst wenn einige Staatshaushalte oder Finanzinstitute dann in Schwierigkeiten geraten - die Normalisierung der Geldpolitik sei dringend angeraten. Indes warnte er vor überzogenen Erwartungen an die Zentralbank. Die EZB könne nicht alle Probleme lösen.

Update November 2016

Dilemma der EZB: Die Grenzen des Anleihenkaufprogramms

Das Wertpapierkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) läuft weiter auf Hochtouren. Ob das Programm auch über den März 2017 hinauslaufen wird, darüber ist sich der geldpolitische Rat derzeit nicht einig. Zumindest in der letzten Ratssitzung blieb die Frage unbeantwortet. Eventuell bringt die nächste Sitzung am 8. Dezember 2016 mehr Klarheit.

Indes stößt das Anleihenkaufprogramm an marktbedingte Grenzen. Da die EZB monatlich für mehrere Milliarden Euro entsprechende Papiere kauft, präsentiert sich z. B. der Markt für Bankanleihen, die mit Hypotheken- bzw. Staatskrediten unterlegt sind (sogenannte "Covered Bonds"), als weitestgehend leergefegt. Geeignete "Covered Bonds" sind immer schwerer zu finden. Diverse Investoren sind zudem nicht daran interessiert, ihre Bestände kurzfristig zu veräußern, z. B. Versicherer und Pensionsfonds. Bei Staatsanleihen bestehen Engpässe bereits seit einiger Zeit, da viele Papiere den Regeln der EZB nicht entsprechen. Seit Juni 2016 erwirbt die EZB zusätzlich Corporate Bonds, quasi als Ersatz.

Sollte die EZB sich für eine Verlängerung des Anleihenkaufprogramm über März 2017 hinaus entscheiden, muss sie zwingend die betreffenden Regeln und die Zusammensetzung der Käufe anpassen – darin sind sich viele Experten einig. Ein Grund des Dilemmas liegt bspw. im vorgegebenen Länderschlüssel. Derzeit kauft die EZB Staatsanleihen auf Basis eines Kapitalschlüssels ihrer Mitglieder – je Zentralbank ein festgelegter Prozentsatz. Betrachten wir den Länderschlüssel, entfällt fast ein Fünftel der Aufkäufe auf deutsche Bundesanleihen. Deren Volumen reicht jedoch kaum noch aus und die Menge sinkt weiterhin – der Schuldenabbau der Regierung lässt das Volumen schrumpfen.

In einer Veröffentlichung der Deutsche Bank Research vom 1. November 2016 vertritt David Folkerts-Landau, Chefvolkswirt der Deutschen Bank den Standpunkt, dass die "Argumente für die Intervention der EZB zunehmend schwächer [werden]." Mittlerweile dominierten die negativen Folgen. Insgesamt zählt das Papier fünf Schattenseiten der EZB-Geldpolitik auf, darunter den Verlust der Signalfunktion von Anleihekursen, die zunehmende Risikokonzentration in der Bilanz des Euro-Systems und den entstehenden Schaden beim Sparer. Außerdem wird "die Fehlallokation von Kapital" kritisiert, was "den Prozess der schöpferischen Zerstörung verhindert und Vermögenspreisblasen entstehen lässt". Nicht zuletzt ersticke die EZB wichtige Reformen der Arbeitsmärkte und Rechts-, Sozial- und Steuersysteme in ganz Europa.

Letztlich blieben zwei Optionen: Entweder eine (politisch kaum durchsetzbare) Fiskalunion inklusive Sozialisierung der Schulden oder die Etablierung eines Systems, das "durch die Wiedereinführung einer marktbasierten Bewertung staatlicher Ausfallrisiken auf mehr finanzpolitische Verantwortlichkeit der einzelnen Mitglieder abstellt." Letzteres dürfte den wirtschaftlich schlechter gestellten "Peripheriestaaten" aber kaum zu verkaufen sein. Im Ergebnis habe sich die EZB in eine Zwangslage manövriert.

Die EZB sitzt in der Zinsfalle fest

Mitte Dezember 2016 treffen sich zum letzten Mal in diesem Jahr die EZB-Notenbanker und beraten über ihre Geldpolitik sowie die damit zusammenhängenden Zinssätze. Während durchaus damit zu rechnen ist, dass der Einlagenzins von derzeit -0,40 Prozent noch weiter gesenkt wird, offenbart sich ein Problem, welches die EZB noch auf Jahre beschäftigen wird: sie sitzt in der Niedrigzinsfalle fest. Während die Inflation ihren Tiefpunkt durchschritten hat, sind sowohl die Staaten der Eurozone als auch deren Banken weiterhin auf Niedrigzinsen angewiesen.

Erstere, weil sie - dank fehlendem Druck durch entsprechend hohe Marktzinsen - versäumt haben, ihre Haushalte zu konsolidieren, also ihre Staatsausgaben einzuschränken. Letztere, weil sie nicht genug Eigenkapital aufbauen konnten, um beim aktuellen Kurs der EZB Leitzinserhöhungen zu überleben.

Der Hintergrund dieses Dilemmas der Banken ist schnell erklärt: würde die EZB der steigenden Inflation mit einem Anheben der Leitzinsen begegnen und zur Entlastungen der Staatshaushalte die langfristigen Zinsen durch den Kauf entsprechender Staatsanleihen weiterhin niedrig halten, müssten die Banken ihren Sparern höhere Zinsen auf deren Einlagen bieten, könnten aber nur niedrige Zinsen für mittel- und langfristige Kredite verlangen. Die Zinsmarge, also die Differenz zwischen lang- und kurzfristigen Zinsen könnte negativ werden und das Eigenkapital einiger Banken verzehren.

Und so werden uns ausufernde Staatsverschuldungen, fehlende Reformen begleitet von einer steigenden Inflation bei weiterhin niedrigen Zinsen die kommenden Jahre begleiten. Willkommen in der Stagflation.

Update Dezember 2016

EZB weitet Anleihenkaufprogramm aus

Am 8. Dezember 2016 hat die EZB entschieden, dass Anleihekaufprogramm (APP) über März 2017 hinaus zu verlängern. Allerdings reduziert die Notenbank die monatliche Summe von 80 auf 60 Milliarden Euro. Die Verlängerung gilt vorerst bis Dezember 2017. Darüber hinaus kündigte die EZB an, die Kriterien für den Ankauf zu verändern. Die wichtigsten Zinssätze blieben unverändert, darunter der Leitzins auf 0,00 % und der Einlagenzins bei -0,40 %.

Die derzeitige Geldpolitik wird fortgesetzt, bis die Inflationsrate sich wieder dem gesteckten Inflationsziel in der Eurozone nähert. Je nach Bedarf kann das Volumen der Anleihekäufe jederzeit erhöht oder die Laufzeit verändert werden. Hinsichtlich der Kriterien bei der Auswahl der Anleihen geht die Zentralbank dazu über, künftig auch Anleihen mit einer Restlaufzeit unter zwei Jahren zu kaufen. Darüber hinaus wird die EZB Anleihen mit Renditen unter dem Einlagenzinssatz erwerben können, sofern dies notwendig werden sollte. Ab Januar 2017 will die EZB diskutieren, wie sich der Kauf entsprechender Anleihen mit Renditen unterhalb des Einlagenzinssatzes ggf. gestaltet. Beim Kauf von Anleihen unter dem Einlagensatz verbuchen die EZB und die nationalen Notenbanken selbstverständlich Verluste.

Update März 2017

Inflationsrate in der Eurozone übersteigt 2,00 %

Im Februar 2017 erreichte die Inflationsrate in der Eurozone erstmals seit vier Jahren wieder die Zwei-Prozent-Grenze. Zu diesem Ergebnis kam das Statistikamt Eurostat in Luxemburg. Speziell steigende Energiepreise ließen den Wert deutlich anwachsen (+9,2 Prozent). Für die Europäische Zentralbank (EZB) eigentlich eine gute Nachricht, da eine Inflationsrate von mittelfristig "knapp zwei Prozent" jahrelang als Ziel der Währungshüter galt. Ist damit ein Ende der Politik des billigen Geldes in Sicht? Keineswegs.

Erst im Januar 2017 relativierte EZB-Präsident Mario Draghi die bisherigen Ziele. Draghi definierte gleich vier Kriterien, die jetzt für einen Kurswechsel erfüllt sein müssen: a) eine Angleichung der Inflationstrends in den einzelnen Ländern der Eurozone, b) die Teuerung darf nicht vorübergehender Natur sein, sondern nachhaltig, c) sie muss selbsttragend und darf nicht auf die EZB-Geldpolitik zurückzuführen sein und d) die Inflation muss übergreifend in der gesamten Eurozone ein bestimmtes Niveau übersteigen.

Die Welt sah diese Definition kritisch. Sollte sie sich durchsetzen, "könnte Draghi seine Krisenpolitik womöglich bis zum Ende seiner Amtszeit 2019 durchsetzen. Europa, und ganz besonders Deutschland, würde noch lange auf steigende Zinsen warten." (Die Welt, - Mario Draghis abwegige Auslegung der Inflation, 30.01.2017).

Ein zentrales Argument der EZB ist die Kerninflationsrate, d. h. die Inflation bereinigt um schwankende Energie- und Lebensmittelpreise. In der Eurozone verblieb dieser Wert im Februar 2017 bei 0,9 Prozent. Für die EZB ein Kennzeichen, dass der Aufwärtstrend fragil ist. Kurzum: Das milliardenschwere Anleihenkaufprogramm, die Minuszinsen und das Rekordtief des Leitzinses bleiben bestehen.

Ab April 2017 sinkt das monatliche Volumen des Anleihenkaufprogramms von 80 auf 60 Milliarden Euro. Jedoch sei das "kein Einstieg in den Ausstieg", betonte der EZB-Präsident.

Die zögernde Haltung erweist sich für viele Ökonomen als ärgerlich. So erläuterte z. B. die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel, dass das Argument steigender Ölpreise irreführend sei. "Als die Inflation fiel, lag das auch vor allem am Ölpreis – und war für die EZB ein Problem." Die Geldhüter argumentierten also asymmetrisch. (Welt am Sonntag, 15.01.2017)

Kritik an den anhaltenden Staatanleihekäufen äußerte zuletzt auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Er warf die Frage auf, wann die EZB "geldpolitisch vom Gas gehen und ob der EZB-Rat seine Kommunikation nicht im Vorfeld etwas symmetrischer gestalten sollte, etwa indem er nicht mehr nur darauf verweist, dass die Geldpolitik gegebenenfalls auch noch expansiver ausgestaltet werden könnte." (BILD, 23.02.2017)

Die Bundesbank verbuchte 2016 nur noch einen Jahresüberschuss von einer Milliarde Euro (2015: 3,2 Milliarden Euro). Primärer Grund für den Rückgang war das Anleihenkaufprogramm der EZB. Für die entstehenden Risiken stockte die Bundesbank ihre Wagnisrückstellungen auf 15,4 Milliarden Euro auf (+1,8 Milliarden Euro).

Zu einer vergleichsweise positiven Bewertung der EZB-Politik kommen die Autoren Dr. Philipp Ehmer und Dr. Sebastian Wanke in einer Kurzstudie von KfW-Research. Sie erklären, dass die "momentane Geldpolitik [...] eine Reihe von Vorteilen für Deutschland [hat], wenn sie auch nicht ohne Nebenwirkungen bleibt." So seien die Zinsen für Hypothekenkredite seit der Finanzkrise kontinuierlich gesunken, die Vermögenspreise, vor allem Aktien und Immobilien, hingegen deutlich gestiegen. Deutschland erlebe auch dank der expansiven Geldpolitik der EZB seit rund vier Jahren einen anhaltenden Aufschwung, was sich in sehr guten Wachstums- und Arbeitsmarktstatistiken niederschlage.

Insgesamt müsse das Ziel eine möglichst hohe Konvergenz der Volkswirtschaften in der Eurozone sein. Je höher, desto "geringer werden die Unterschiede in den nationalen Bedürfnissen bezüglich der Geldpolitik." (KFW Reseach, Trotz temporär höherer Inflation – die EZB-Politik bleibt unverändert, 01.03.2017)

Update April 2017

Anleihenkaufprogramm wird reduziert

Mit April 2017 wird das monatliche Kaufprogramm für Staatsanleihen der Europäischen Zentralbank (EZB) von 80 Milliarden Euro auf 60 Milliarden Euro reduziert. Zwar beharrt die EZB darauf, dass sie damit nicht das Ende des Programms einläutet, allerdings erwarten Experten, dass sich zumindest die Märkte ganz gemächlich auf die "Phase danach" vorbereiten. "Es ist der erste kleine Schritt zum Austritt", erklärte z. B. Marco Valli, Chefökonom der UniCredit SpA. Jedoch wird der Austritt seiner Meinung nach nicht überstürzt erfolgen.

Aufgrund der gestiegenen Inflationsrate und insgesamt positiver Wirtschaftsaussichten in einigen Teilen der Eurozone gab es zuletzt Spekulationen darüber, dass die EZB bereits vor Jahresende das Anleihenkaufprogramm beenden könnte. Gegebenenfalls könnte die Zentralbank auch den Einlagenzins von derzeit -0,40 % wieder anheben. Theoretisch möglich, praktisch aber unwahrscheinlich, da sich diverse Ratsmitglieder unmittelbar gegen diese Spekulationen aussprachen.

Laut einer aktuellen Erhebung unter 18 Geldmarkthändlern erwarten derzeit 14 einen entsprechenden Zinsschritt nicht vor 2018 (siehe Handelsblatt). Insgesamt neun Händler legten sich auf das Jahr 2018 fest, fünf erwogen das Jahr 2019 und ein Händler sieht der Wende beim Einlagenzins erst 2020 entgegen.

Die Inflationsrate soll nach neuesten Prognosen der EZB im Jahr 2017 auf 1,70 % ansteigen. 2018 erwarten die Notenbanker einen Rückgang auf 1,60 % und 2019 wieder einen Anstieg auf 1,70 %. Im März 2017 liegt die Inflationsrate in der Eurozone bei 1,50 %. Die Kerninflation lag lediglich bei 0,70 %, was für die Einschätzung der EZB spricht.

Update Juni 2017

Kommt es zu Ausfällen, haftet Deutschland mit bis zu 155,5 Milliarden Euro

Sowohl der Tagesspiegel als auch die Welt beschäftigten sich Ende Mai mit einer Anfrage des Bundesverfassungsgerichts an die EZB. Das Bundesverfassungsgericht wollte wissen, welches Risiko Deutschland trägt, sollten die Anleihen ausfallen, welche die EZB derzeit monatlich in Milliardenhöhe kauft.

Laut EZB könnten es bis zu 95 Milliarden Euro sein. Die Welt hat nochmal nachgerechnet und kommt sogar auf 155,5 Milliarden Euro.

Wichtig bei der Berechnung ist: Die EZB selbst kauft im Rahmen ihres Anleiheprogramms nur 10 Prozent der Staatsanleihen. Die anderen 90 Prozent werden von den nationalen Notenbanken im Auftrag der EZB erworben. Für die direkt von der EZB erworbenen Anleihen wird das Risiko geteilt, ebenso für Anleihen von internationalen Organisationen und Entwicklungsbanken des Euro-Raums.

Die nationalen Notenbanken haften demnach für 20 Prozent des Gesamtvolumens, das sind laut EZB-Angaben 380 Milliarden Euro. Die Bundesbank ist der größte Anteilseigner der EZB und haftet darum mit 25 Prozent für diese 380 Milliarden Euro, also mit den besagten 95 Milliarden Euro.

Bei den anderen 80 Prozent der Anleihen wird das Risiko nicht geteilt. Bei ihnen haftet jede der Zentralbanken selbst, falls es zu Verlusten kommt.

Laut Welt sind die 95 Milliarden Euro aber noch zu niedrig gegriffen. Die Angaben der EZB beziehen sich lediglich auf Staatsanleihen. Die Welt hat sich jedoch alle Anleihekaufprogramme angesehen, darunter auch den Erwerb von Unternehmensanleihen. So kommt sie insgesamt auf eine Summe von 155,5 Milliarden, für die Deutschland bei einem Totalausfall der Anleihen haften müsste.

Sowohl der Bericht des Tagesspiegels als auch der Bericht der Welt betonen jedoch, dass ein solcher Totalausfall sehr unwahrscheinlich ist.

Update Juni 2017 II

Ökonomen fordern schnelles Ende des Quantitative Easing

Eine Umfrage des Bundesverbands Deutscher Volks- und Betriebswirte (bdvb) kommt zu dem Ergebnis, dass sich rund 80 Prozent der Ökonomen für einen schnellen Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) aussprechen. Die Ökonomen fordern demnach einen Ausstieg noch in diesem Jahr.

Einer Umfrage des Bundesverbands Deutscher Volks- und Betriebswirte (bdvb) zufolge halten 80 Prozent der befragten Ökonomen einen Ausstieg aus dem Quantitative Easing noch in 2017 für sinnvoll.

Dagegen ist der Anteil der Ökonomen, die einen Ausstieg für verfrüht halten, gering. Nur 18 Prozent der Befragten vertraten diesen Standpunkt. 2 Prozent machten keine Angabe oder hatten keine Meinung dazu.

Darüber hinaus wurden die Teilnehmer gefragt, ob die Bundesregierung darauf drängen sollte, dass der nächste EZB-Präsident dem Stabilitätskurs der Bundesbank nahesteht. 78 Prozent beantworteten dies mit „ja“, 17 Prozent mit „nein“, 5 Prozent machten keine Angaben oder hatten keine Meinung dazu.

Auch bei der Frage, wie sie die Politik der EZB benoten würden, hielten sich die Ökonomen mit ihrer Meinung nicht zurück. „Gut“ oder „sehr gut“ schnitt die EZB-Politik bei den wenigsten ab. Nur rund 13 Prozent bewerteten die EZB mit diesen Noten. 30 Prozent hielten die europäische Geldpolitik hingegen lediglich für „ausreichend“. 28 Prozent vergaben sogar eine noch schlechtere Note. Ihr Urteil lautete „mangelhaft“.

Update August 2017

Bundesverfassungsgericht schaltet Europäischen Gerichtshof wegen Anleihenkaufprogramm ein

Nun hat auch das Bundesverfassungsgericht Bedenken an der Rechtmäßigkeit der Anleihenkäufe, welche die Europäische Zentralbank (EZB) in großem Stil durchführt, geäußert. Sie hat darum den Europäischen Gerichtshof (EuGH) eingeschaltet.

Auslöser des Gerichtsverfahrens war eine Klage, die der Gründer der AfD, Bernd Lucke, gemeinsam mit Peter Gauweiler und dem Juraprofessor Markus Kerber eingereicht hatte. Ihr Ziel ist es, dass die Deutsche Bundesbank sich nicht länger am Anleihenkaufprogramm der EZB beteiligt, da Deutschland für Ausfälle haften müsste. Wie unser Update aus dem Juni 2017 zeigt, müsste Deutschland bei einem Totalausfall für bis zu 155,5 Milliarden Euro aufkommen.

Das Bundesverfassungsgericht will das Programm jetzt zumindest vom EuGH überprüfen lassen. Das Verfahren ruht darum vorerst. Im Beschluss vom 18. Juli 2017 heißt es: „Nach Auffassung des Senats sprechen gewichtige Gründe dafür, dass die dem Anleihenkaufprogramm zugrundeliegenden Beschlüsse gegen das Verbot monetärer Haushaltsfinanzierung verstoßen sowie über das Mandat der Europäischen Zentralbank für die Währungspolitik hinausgehen und damit in die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten übergreifen.“

Im Wesentlichen werden vier Gründe für die Entscheidung aufgeführt. So ist es erstens „Aufgabe des Bundesverfassungsgerichts zu prüfen, ob Maßnahmen von Organen, Einrichtungen und sonstigen Stellen der Europäischen Union auf ersichtlichen Kompetenzüberschreitungen beruhen oder den nicht übertragbaren Bereich der Verfassungsidentität berühren mit der Folge, dass deutsche Staatsorgane weder an ihrem Zustandekommen noch an ihrer Umsetzung mitwirken dürfen.“

Zweitens werden Zweifel daran geäußert, ob das Anleihenkaufprogramm mit dem Verbot monetärer Haushaltsfinanzierung vereinbar ist. So ist es der EZB und den Zentralbanken untersagt, „Schuldtitel unmittelbar von Einrichtungen der Europäischen Union und den Mitgliedstaaten zu erwerben. Auch Ankäufe am Sekundärmarkt dürfen nicht eingesetzt werden, um das mit Art. 123 AEUV verfolgte Ziel zu umgehen“. Es muss für das Anleihenkaufprogramm also hinreichende Garantieren geben, dass dieses Verbot beachtet wird. Zudem kritisiert das Bundesverfassungsgericht die Art und Weise der Anleihenkäufe.

Als dritter Grund wird im Beschluss aufgeführt, dass das Anleihenkaufprogramm vom Mandat der EZB nicht gedeckt sein könnte. Im vierten Punkt verweist das Bundesverfassungsgericht noch darauf, dass es nicht absehbar sei, ob das Anleihenkaufprogramm und die potentiellen Ausfälle das Budgetrecht des Deutschen Bundestages und die haushaltspolitische Gesamtverantwortung beeinträchtigen wird.

Wenn es nach dem Bundesverfassungsgericht geht, soll der EuGH den Fall in einem beschleunigten Verfahren behandeln, „weil die Art der Rechtssache ihre rasche Erledigung erfordert“. Die EZB hat sich bisher nicht zum Beschluss des Bundesverfassungsgerichts geäußert.

Update September 2017

Erste Schritte zur Normalität: Ausstiegsstrategie der EZB

Experten erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) das Anleihekaufprogramm ins Jahr 2018 verlängert, jedoch in der Höhe deutlich reduziert. Derzeit kaufen die Währungshüter monatlich für 60 Milliarden Euro Wertpapiere, größtenteils Staatsanleihen. Die Reduzierung wird, so die Analysten, ca. 20 bis 30 Milliarden Euro umfassen. Das ergab eine Umfrage von Bloomberg.

Hinsichtlich der Verlängerung benennen die Experten einen Zeitraum von rund neun Monaten. Insgesamt klettert das Volumen des Anleihekaufprogramms damit auf über 2,5 Billionen Euro. Diese Summe entspricht einem avisierten Marktlimit. Eine erste Zinserhöhung soll voraussichtlich 2019 kommen.

Dieses Ergebnis wäre ein Kompromiss, mit dem sich die Politik in Europa beruhigen ließe. Es gebe ein deutliches Signal für jene, die ein schnelles Ende des QE-Programms wünschen und gleichzeitig genügend Spielraum, die Entwicklung der Inflation zu verfolgen. Die Exit-Stategie der EZB nachfolgend als Grafik dargestellt.

Exit-Stategie der EZB aus dem QE-Programm
Quelle: Bloomberg

Update November 2017

Anleihekaufprogramm wird reduziert und verlängert

Wie erwartet, fährt die EZB ihr Anleihekaufprogramm zum Jahreswechsel zurück. Ab Januar 2018 investiert die Notenbank statt 60 nur noch 30 Milliarden Euro pro Monat. Gleichzeitig verlängert sich das Kaufprogramm bis September 2018, sodass sich das Gesamtvolumen um 270 Milliarden Euro auf 2,55 Billionen Euro erhöht. Dieser erste Schritt zum Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik wird durch das solide Wirtschaftswachstum innerhalb der Eurozone möglich. Die EZB behält sich allerdings vor, die Anleihekäufe gegebenenfalls wieder auszuweiten, wenn es die Wirtschaftslage erfordert.

An der Zinspolitik der Zentralbank wird sich hingegen vorerst nichts ändern. Der Leitzins bleibt bei 0,00 Prozent. Der Satz der Einlagefazilität liegt weiterhin bei -0,40 Prozent. Die Zinswerte werden, wie die EZB betont, noch lange nach dem Auslaufen der Anleihekäufe niedrig bleiben. Bereits Mitte Oktober erklärte EZB-Präsident Mario Draghi im Rahmen der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF), dass sich die Inflationsrate dem Ziel von zwei Prozent sehr langsam nähern werde. Entsprechend müssten die Beteiligten geduldig sein.

Während die amerikanische Notenbank Federal Reserve ihren Leitzins konstant hält (zwischen 1,00 und 1,25 Prozent), hat die Bank of England am 2. November 2018 den Leitzins in Großbritannien von 0,25 auf 0,50 Prozent angehoben. Die letzte Zinserhöhung fand 2007 statt. Die englische Notenbank reagiert mit der Zinserhöhung auf die steigende Inflationsrate Großbritanniens. Zuletzt lag die Inflationsrate auf der Insel bei drei Prozent.

In den USA wird der nächste Zinsschritt für Dezember 2017 erwartet.


Quellen:

Japan: Bank of Japan,
http://www.japanmacroadvisors.com/page/category/economic-indicators/finance/bank-lending/

Schweiz: Schweizerische Nationalbank,
Bankenstatistische Monatshefte Januar 2008 bis Mai 2015
http://www.snb.ch/de/iabout/stat/statpub/bstamon/id/statpub_bstamon_hist?dsrp_3bbbcb49.page=1
Großbritannien: Bank of England,
http://www.bankofengland.co.uk/boeapps/iadb/fromshowcolumns.asp...

USA: Board of Governors of the Federal Reserve System (US),
https://research.stlouisfed.org/fred2/series/LOANS#
https://research.stlouisfed.org/fred2/series/BUSLOANS

http://www.handelsblatt.com/finanzen/geldpolitik/geldschwemme-verfassungsrichter-haben-bedenken-gegen-ezb-anleihenkaeufe/20189200.html
http://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2017/bvg17-070.html
WirtschaftsWoche 24/9.6.2017 - Wenig Vertrauen in die EZB
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/ezb-informiert-bundesverfassungsgericht...
https://www.welt.de/finanzen/article165137660/Mit-dieser-Summe-haftet-Deutschland...
http://www.bloomberg.com/news/articles/2015-04-29...
http://www.theguardian.com/business/economics-blog/2015/jan/22/european-central...
http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/ezb-geldschwemme...
http://www.dw.com/de/vollgas-in-die-katastrophe/a-19105005
http://www.wiwo.de/politik/europa/denkfabrik-die-verkehrte-welt-der-europaeischen-zentralbank...
http://www.wiwo.de/finanzen/boerse/europaeische-zentralbank-bei-diesen-unternehmensanleihen...
http://www.businessinsider.de/deutsche-konzerne-profitieren-massiv-von-ezb...
http://de.reuters.com/article/ezb-anleihenk-ufe-idDEKCN0ZN1IYA
http://www.welt.de/finanzen/article157193831/Europas-Waehrungshueter-tappen-in-ihre-eigene-Falle.html
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/jens-weidmann-wir-machen-keinen-blindflug...
https://bondsandmore.net/2016/11/06/nicht-genug-von-allem-warum-die-ezb-die-regeln-aendern-muss/