So viel Geld verschenken deutsche Unternehmen
Erstellt durch: Mario Hess, inhaltlich geprüft durch: Redaktion - letzte Aktualisierung: 24.09.2026
Liquidität vorhalten, aber richtig - ein Anlagevergleich
Sicher ist sicher: Liquidität sichert Unternehmen die Zahlungs- und Handlungsfähigkeit. Löhne bzw. Gehälter sind zu zahlen, Steuern, Sozialabgaben, Energiekosten, Lieferantenrechnungen - die Liste lässt sich beliebig verlängern. Allerdings stehen Unternehmen vor elementaren Fragen: Wie viel Liquidität wird benötigt? Zu wenig Liquidität gefährdet die Zahlungsfähigkeit, zu viel Liquidität kostet Rendite. Wie soll das Geld angelegt werden? Reicht es, das Geld einfach auf dem Unternehmenskonto zu parken? Nachweislich machen die meisten Unternehmen genau das. Sicherheit und ständige Verfügbarkeit werden über die Aussicht auf Rendite gestellt. Geht das auch anders?
Wir gehen in dieser Analyse der Frage nach, wie viel Geld Unternehmen jährlich verschenken, weil sie überschüssige Liquidität als Sichteinlagen bzw. als täglich fällige Einlage anlegen.
Die wichtigsten Fakten
- Rund 515,560 Millionen Euro an Zinserträgen haben Unternehmen in Deutschland mit täglich fälligen Einlagen im Juli 2026 verschenkt, weil sie das Geld nicht am Geldmarkt angelegt haben. Für die letzten 12 Monate kommen wir auf einen Verlust von 5,438 Milliarden Euro verschenkte Zinserträge.
- Seit 2003 summieren sich die verschenkten Zinserträge beim täglich fälligen Einlagen (Tagesgeld) auf ca. 16,423 Mrd. Euro (Stand: Juli 2026). Diesen Betrag hätten Unternehmen erreicht, wären die liquiden Mittel in Geldmarktanlagen geflossen.
- Bei einem 1-jährigen Festgeld beläuft sich die Höhe der verschenkten Zinsen von Unternehmen im Juli 2026 auf ca. 22,941 Millionen Euro. Seit 2003 summiert sich der Verlust auf 1,09 Mrd. Euro.
- Da Rücklagen häufig als unverzinste Sichteinlage auf dem Girokonto verweilen, dürfte der Verlust in der Praxis noch deutlich höher sein.
Methodik
Das Volumen und die Zinssätze entsprechender Einlagen von Unternehmen (täglich fällig sowie als Sichteinlage) werden regelmäßig durch die Deutsche Bundesbank veröffentlicht. Als Basis für eine Geldmarkt-Anlage ziehen wir den EURIBOR (Euro Interbank Offered Rate) heran, um präzise zu sein das EURIBOR Wochengeld. Dessen Verzinsung orientiert an dem Geldmarktzins EURIBOR mit einwöchiger Laufzeit. Hinsichtlich entstehender Kosten wird eine durchschnittliche Gebühr (aktuell ca. 0,30 Prozent) für eine Anlage am Geldmarkt angenommen. Nachfolgend stellen wir die erwartbare Rendite von Unternehmen bei klassischen Anlagen (z. B. als verzinstes Tagesgeld oder auf dem Unternehmenskonto) den potentiellen Renditechancen einer Geldmarkt-Anlage gegenüber. Für das Festgeld haben wir entsprechend passende Daten als Grundlage gewählt.
Wie können Unternehmen Geld anlegen, um Liquidität vorzuhalten?
Unternehmen stehen vor der Herausforderung, einerseits genügend Liquidität vorzuhalten, um Gehälter, Steuern etc. zu begleichen, andererseits keine zu hohen Ertragsverluste zu erzielen, weil das Geld ungenutzt herumliegt. Typische Formen der Liqiditätshaltung sind Giro- bzw. Geschäftskonten, die maximale Verfügbarkeit gewährleisten, aber in der Regel nicht verzinst sind. Alternativ gibt es Tagesgelder, die ebenfalls täglich zur Verfuügung stehen, aber zumindest mäßige Zinsen mitbringen. Kurz- bis mittelfristig sicher angelegt, aber weniger Flexibilität bieten Kündigungs- und Festgelder. Dafür erhalten die Unternehmen hier meist höhere Zinssätze. Eine weitere Option sind Geldmarktanlagen (z. B. in Fonds oder kurzfristigen Staatsanleihen), was die Renditechancen deutlich anhebt, jedoch einen Mehraufwand bedeutet.
Mehr zu diesem Thema und Lösungsansätze bzgl. des Cashmanagegement findet sich in unserem Ratgeber.
Rechtlich gilt: Grundsätzlich dürfen Unternehmen freie Liquidität anlegen, sofern das Unternehmen seiner Sorgfaltspflicht nachkommt, die Anlagen mit dem Unternehmenszweck vereinbar sind und keine vertraglichen Beschränkungen bestehen.
Anlageformen von Unternehmen
Wir haben an dieser Stelle aufgeführt, welche Anlageformen für Unternehmen geeignet sind und wie diese hinsichtlich Sicherheit, Verfügbarkeit und Rendite aufgestellt sind.
Empfehlung: Vivid Business
- bis 4,00 Prozent Zinsen p.a.*(vor Kosten und abhängig vom Kontomodell),
- tägliche Zinszahlung für optimalen
Zinseszinseffekt - Jederzeit verfügbares Geld.
- hohe Sicherheit, da Einlagen als Sondervermögen verwahrt werden.
Vivid Business Girokonto + Zinskonto ist eine Geschäftskonto-Lösung, die es GmbHs, UGs, Freelancern, Partnerschaften und Unternehmen in Gründung ermöglicht, durch die Nutzung von Zentralbank-Einlagen & Geldmarktfonds, ihre Liquidität effizient zu verwalten.
Empfehlung: UnitPlus Business
- 2,49 bis 2,83 Prozent Zinsen p.a.
(vor Kosten), - tägliche Zinszahlung für optimalen
Zinseszinseffekt - Kaptial täglich verfügbar.
- hohe Sicherheit, da Einlagen als Sondervermögen verwahrt werden.
UnitPlus Business ist eine Cash-Management-Lösung, die speziell für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) entwickelt wurde. Sie ermöglicht es Unternehmen durch die Nutzung von Geldmarktfonds, ihre Liquidität effizient zu verwalten und immer marktübliche Zinsen zu erzielen.
Einlagen von Unternehmen in Deutschland
Liquide Mittel fließen bei Unternehmen vielfach in Sichteinlagen (Girokonten) bzw. täglich fällige Einlagen (Tagesgelder). Derzeit verfügen Unternehmen in Deutschland jeweils über entsprechede Rücklagen im Milliarden-Bereich. Für die Berechnung ziehen wir das Neugeschäftsvolumen bei Banken für täglich fällige Einlagen von nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften sowie die Sichteinlagen von inländischen Unternehmen laut den Daten der Deutschen Bundesbank heran.
Die Verzinsung für täglich fällige Einlagen wird nachfolgend für die Jahre ab 2003 herangezogen. Die Zinsen bewegten sich in den letzten Jahren zwischen 0,15 und knapp über 2,50 Prozent. Die negativen Daten stammen aus den Niedrig- bzw. Nullzins-Jahren von 2017 bis 2022.
Alternativ zur Anlage in unverzinste Sichteinlagen bzw. niedrig verzinste Tagesgelder besteht die Möglichkeit, die liquiden Mittel am Geldmarkt anzulegen. In der von uns präferierten Variante entstehen dafür nur geringe Gebühren (0,30 Prozent). Die Entwicklung der Geldmarkt-Anlage sieht entsprechend wie folgt aus:
Verschenkte Erträge von Unternehmen in Deutschland
An diesem Punkt stellen wir den Zinserträgen von Unternehmen bei Sichteinlagen bzw. täglich fälligen Einlagen die potentiellen Erträge von Geldmarkt-Anteilen gegenüber. Die Berechnung erfolgt auf den Volumenangaben der Deutschen Bundesbank sowie den entsprechenden Zinsannahmen.
Monatswerte
Verschenkte Zinserträge bzw. Renditen beim Tagesgeld
Wir ziehen an dieser Stelle die erzielten Zinserträge für täglich fällige Einlagen (Tagesgeld) von denen für Geldmarktanlagen ab.
Entwicklung: Kumulierte Erträge bei der Anlage von liquiden Mitteln von Unternehmen seit 2003
Festgeld/Termingeld vs. Geldmarkt-Anlage für 12 Monate
Alternativ können Unternehmen ihr Geld, sofern es mittelfristig nicht benötigt wird, auch als Festgeld anlegen. In diesem Beispiel haben wir eine Laufzeit von bis zu 12 Monaten gewählt. Die folgenden Daten stammen erneut von der Deutschen Bundesbank sowie aus eigenen Berechnungen. Zunächst betrachten wir das Volumen, welches in entsprechende Anlagen fließt.
Den durchschnittlichen Zinsen für eine Anlagedauer von 12 Monaten (Quelle: Deutsche Bundesbank) stellen wir eine Geldmarktanlage mit ähnlicher Laufzeit gegenüber. Aus jener wurden die Kosten abgezogen (0,30 Prozent). Grundlage ist der EURIBOR 12 Monate.
Wie sich erkennen lässt, sind die Verläufe zwar ähnlich, die Zinserträge in der Höhe aber unterschiedlich.
Verschenkte Zinserträge bzw. Renditen beim Festgeld
Wie beim Tagesgeld ziehen wir auch bei den Festgeldanlagen die erzielten Zinserträge für Einlagen von 12 Monaten von den berechneten Erträgen für eine Geldmarktanlage ab.
Zur Anschaulichkeit kumulieren wir die Differenzbeträge und betrachten so die Gewinne bzw. Verluste für diese 1-jährigen Anlagen.
Zur Systematik unserer Berechnungen
Analog zur verschenkten Rendite bei Privatkunden sind die verschenkten Renditen als Maximalwertberechnung zu verstehen. Es wird damit lediglich verdeutlicht, dass Anlagen in den Geldmarkt (z. B. als ETF oder Fonds) durchaus zeitweise Sinn machen können, allerdings auch höhere Risiken bergen. Idealerweise kann eine Mischkalkulation für Unternehmen die richtige Lösung darstellen. Wir wollen hier erneut das Bewusstsein dafür schärfen, dass Geldmarkt-Anlagen in manchen Phasen Vorteile gegenüber klassischen Spareinlagen bieten und in anderen Phasen nicht.
Beste Zinsen auf Tages- und Festgeld
Welche Banken derzeit die besten Zinsen aufs Tagesgeld oder Festgeld bieten, können Sie unseren aktuellen Vergleichen entnehmen: