Pfandbriefe

Was sind Pfandbriefe?

Pfandbriefe sind gedeckte, verzinsliche Schuldverschreibungen, auf Grund erworbener Hypotheken, Schiffshypotheken und Flugzeughypotheken sowie Forderungen gegen staatliche Stellen. Abhängig von der Art der Besicherung werden sie als Hypothekenpfandbriefe, Schiffspfandbriefe, Flugzeugpfandbriefe und Öffentliche Pfandbriefe bezeichnet. Investoren haben einen Anspruch auf Rückzahlung und Verzinsung. Pfandbriefe werden in der Regel als Inhaberschuldverschreibungen herausgegeben, können aber auch als Namensschuldverschreibungen emittiert werden. Pfandbriefe werden als Wertpapiere an der Börse gehandelt, unterliegen im Vergleich zu Aktien allerdings nur geringen Kursschwankungen.

Dass Pfandbriefe auch in unruhigen Zeiten ein solides Investment mit einer bewährten Marktinfrastruktur sind, haben die festverzinslichen Wertpapiere zuletzt in der im September 2008 ausgebrochenen Finanzkrise unter Beweis gestellt. Neben der Sicherheit überzeugen Pfandbriefe (international auch als „Covered Bonds“ bezeichnet) durch Liquidität und Transparenz. Letzteres wird dadurch gewährleistet, dass Pfandbriefbanken bestimmte Angaben zur Zusammensetzung der Deckungsmasse vierteljährlich bzw. jährlich den Investoren zur Verfügung stellen müssen (§ 28 PfandBG).

Angesichts der hohen Kriterien hinsichtlich Sicherheit und Transparenz ist der Pfandbrief ein sehr gutes Anlageinstrument für konservative, mittelfristig orientierte Anleger. Aufgrund des sehr geringen Ausfallrisikos – nicht selten erhalten deutsche Pfandbriefe von Rating-Agenturen die Bestnote AAA – gelten Pfandbriefe als gute Alternative zu Bundeswertpapieren. Die Rendite der Pfandbriefe ist mäßig, die gedeckten Schuldverschreibungen liegen knapp über den Bundesanleihen. Das größte Argument für den Pfandbrief ist die Sicherheit.

Wie sicher sind Pfandbriefe?

Pfandbriefe unterliegen strengen Sicherheitsanforderungen. Vor allem die Absicherung im Insolvenzfall unterscheidet sich stark von herkömmlichen Anleihen: Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten steht der Deckungsstock ausschließlich für die Befriedigung der Ansprüche der Pfandbriefinhaber zur Verfügung.

Die Grundlagen des Pfandbriefes sind im Pfandbriefgesetz (PfandBG) gesetzlich geregelt. Der § 30 des Pfandbriefgesetzes sieht vor, dass sich die Sicherheiten im Falle der Insolvenz der emittierenden Bank außerhalb des verwertbaren Vermögens befinden müssen. Das bedeutet, dass der Deckungsstock (auch Deckungsmasse) ausschließlich für die Befriedigung der Ansprüche der Pfandbriefinhaber zur Verfügung steht. Die Überwachung der Einhaltung der mit den Sicherheiten verbundenen Vorschriften, auch ob die Sicherheiten zu jedem Zeitpunkt werthaltig sind, übernimmt ein von der BaFin bestellter Treuhänder.

Dass es sich bei Pfandbriefen um eine krisenfeste Refinanzierungsquelle handelt, zeigte sich zuletzt in der Finanzmarktkrise, die im Herbst 2008 ihren Lauf nahm: Viele Pfandbriefbanken gerieten stark ins Wanken, es wurde allerdings kein Anleger geschädigt. Der Pfandbrief dient nach wie vor als sicherer Hafen für Anlegergelder. Ein vergleichbares Maß an Sicherheit erhalten nationale und internationale Investoren lediglich bei einigen staatlichen Emittenten.

HINWEIS:
Noch nie in der über 200-jährigen Pfandbriefgeschichte konnte in Europa ein Papier nicht zurückgezahlt werden!!

Bedeutung und Funktionsweise von Pfandbriefen

Angesichts der hohen Sicherheitsstandards hat der Pfandbriefmarkt vor allem für institutionelle Anleger wie Pensionskassen, Versicherer, Kreditinstitute und Fondsgesellschaften eine große Bedeutung. Über letztere können auch Privatpersonen in Pfandbriefe bequem und sicher investieren. Angesichts der hohen Anforderungen, die eine Anlagesumme von 50.000 Euro oder gar mehr vorsehen, ist eine Direktanlage für Verbraucher kaum geeignet. Für sicherheitsorientierte Verbraucher gibt es deshalb Pfandbrieffonds. Dabei handelt es sich um herkömmliche Investmentfonds, die jeden Pfandbrief kaufen können. Privatanleger erwerben Fondsanteile und umgehen die Mindestanlagen.

Für die Emittenten ist der Pfandbrief angesichts der relativ günstigen Risikoprämie eine kostengünstige und verlässliche Refinanzierungsquelle. Dadurch können die emittierenden Kreditinstitute nachhaltig Kredite vergeben, deren Preise sich nach dem Kapitalmarkt richten. Die gängigen Laufzeiten bei Pfandbriefen liegen zwischen fünf und 10 Jahren, sie können aber auch kürzer und mit bis zu 30 Jahren deutlich länger ausfallen.

Das Pfandbriefgeschäft, also die Ausgabe gedeckter Schuldverschreibungen, ist ein Bankgeschäft.

Wer bekommt eine Pfandbrieflizenz?

Zur Herausgabe von Pfandbriefen sind ausschließlich spezialisierte Banken und Sparkassen, überwiegend Landesbanken und Girozentralen, die Deutsche Pfandbriefbank und andere private Hypothekenbanken, berechtigt. Die Lizenz zum Betreiben des Pfandbriefgeschäfts vergibt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Aktuell sind circa 40 Institute zur Emission gedeckter Schuldverschreibungen nach dem deutschen Pfandbriefgesetz berechtigt. Um eine Pfandbrieflizenz zu erhalten, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Unter anderem muss das Kreditinstitut ein Mindestkernkapital von 25 Millionen Euro und die Erlaubnis für das Kreditgeschäft gemäß Kreditwesengesetz verfügen. Nachgewiesen werden müssen auch geeignete Regelungen und Instrumente des Risikomanagements der Deckungsmassen und des entsprechenden Emissionsgeschäfts. Eine Pfandbriefbank benötigt für jede der Pfandbriefart eine eigene Lizenz.

Bis zum in Kraft treten des Pfandbriefgesetzes (PfandBG) Mitte 2005, das das Hypothekenbankengesetz abgelöst hat und die rechtliche Grundlage für die Emission von Pfandbriefen regelt, war die Emission von Pfandbriefen nur wenigen Spezialinstituten vorbehalten.

Welche Arten von Pfandbriefen gibt es?

Es gibt Hypothekenpfandbriefe und Öffentliche Pfandbriefe; Sonderformen sind Schiffspfandbriefe und Flugzeugpfandbriefe:

Was sind Hypothekenpfandbriefe?

Pfandbriefe sind vor allem in der Immobilienfinanzierung ein bewährtes Instrument der Pfandbriefbanken zur Beschaffung von langfristigen Finanzierungsmitteln. In der Gewerbeimmobilienfinanzierung sind die Pfandbriefbanken die bedeutendste Gruppe. Das Volumen der begebenen Pfandbriefe darf 60 Prozent des Beleihungswertes nicht unterschreiten und die zu beleihenden Immobilien müssen dauerhaft und realistisch bewertet werden. Zwar wurde der Hypothekenpfandbrief bei emittierenden Finanzinstituten schon lange als solides und günstiges Refinanzierungsinstrument gehandelt, doch erst das durch die Finanz- und Wirtschaftskrise gestiegene Risikobewusstsein der Investoren hat das wertstabile Anlageprodukt aus seinen Dornröschenschlaf geholt.

Was sind Öffentliche Pfandbriefe?

Öffentliche Pfandbriefe (früher: Kommunalobligationen) sind Schuldverschreibungen, die insbesondere durch Forderungen gegen Zentralregierungen und unterstaatliche Stellen in EU-Ländern gedeckt sind. Sollte der Emittent insolvent werden, kann mit den Deckungswerten die Ansprüche der Pfandbriefgläubiger erfüllt werden. Bei Öffentlichen Pfandbriefen bestehen die Sicherheiten aus Darlehensforderungen gegen den Staat und Kommunen. Refinanziert werden Investitionen der öffentlichen Hand. Öffentliche Pfandbriefe müssen zu 100 Prozent durch Forderungen gedeckt sein.

Was sind Schiffs- und Flugzeugpfandbriefe?

Schiffspfandbriefe und Flugzeugpfandbriefe werden mit Schiffs- bzw. Flugzeughypotheken besichert und dienen der Refinanzierung von Reederei- und Schiffsdarlehen. Bei diesen Pfandbriefarten darf das Volumen der begebenen Pfandbriefe 60 Prozent des Beleihungswertes nicht unterschreiten.

Was sind Jumbo-Pfandbriefe?

Jumbopfandbriefe wurden im Jahr 1995 zur Liquiditätssteigerung eingefügt. Bei Jumbopfandbriefen beträgt das Mindestvolumen eine Milliarde Euro. Der aktuelle Kurs wird börsentäglich ermittelt.

Historische Entwicklung von Pfandbriefen

Die Wurzeln des Pfandbriefes gehen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Das preußische Schlesien hatte durch den Siebenjährigen Krieg (Schlesischer Krieg gegen Maria Theresia) sehr stark gelitten, Geld und Kredite waren knapp. Um Großgrundbesitzer aus ihren finanziellen Schwierigkeiten zu befreien und den Wiederaufbau der schlesischen Landwirtschaft zu verwirklichen, wurde auf Erlass König Friedrichs II von Preußen im Jahr 1770 die so genannte "Schlesische Landschaft" gegründet. Dabei handelt es sich um regionale, öffentlich-rechtliche Verbände von Rittergutbesitzern, die die preußischen Gutsbesitzer mit günstigen und langfristigen Krediten versorgen sollten.

Die Kredite wurden nicht direkt durch die Schlesische Landschaft vergeben. Diese vermittelte vielmehr die Darlehensgeschäfte zwischen Gläubiger und Schuldner und garantierte für die Zahlungsforderungen der Gläubiger. Genauer: Alle Rittergüter einer Provinz hafteten gemeinschaftlich für den jeweiligen an ein bestimmtes Gut vergebenen Kredit. Als zusätzliche Sicherheit diente dem Pfandbriefinhaber bestimmter Grundbesitz.

Entwicklungen am Pfandbriefmarkt von 2008 bis 2017

Entwicklung des Brutto-Absatzes an Pfandbriefen

Jahr Hypothekenpfandbriefe (Mrd. Euro) Öffentliche Pfandbriefe (Mrd. Euro) Gesamt (Mrd. Euro)
2007 27,5 108,0 135,3
2008 63,4 89,5 152,9
2009 58,1 52,3 110,4
2010 45,4 41,6 87,0
2011 41,1 30,5 71,6
2012 42,2 14,3 56,6
2013 33,9 15,6 49,5
2014 30,6 15,3 45,9
2015 42,6 15,5 58,1
2016 35,1 10,4 45,5
2017 36,8 11,9 48,8
Quelle: Bafin Jahresberichte

Quelle: Bafin Jahresberichte

Das Angebot der Pfandbriefe am Markt hat sich deutlich reduziert. Der konsequenten Rückgang des Pfandbriefumlaufes ist den hohen Fälligkeiten und den dem gegenüberstehenden geringen Neuemissionen geschuldet. Gleichzeitig ist eine hohe Nachfrage zu verzeichnen, die die Kurse steigen lässt. Wie sich der Grafik entnehmen lässt, ist die Entwicklung bei Hypothekenpfandbriefen sehr stabil. Bei den Öffentlichen Pfandbriefen dagegen ist eine anhaltende Konsolidierung festzustellen.

Wie hat sich der Pfandbriefumlauf entwickelt?

Jahr Hypothekenpfandbriefe (Mrd. Euro) Öffentliche Pfandbriefe (Mrd. Euro) Gesamt (Mrd. Euro)
2007 217,1 699,4 916,5
2008 217,9 620,6 838,6
2009 231,9 524,9 756,8
2010 231,3 444,4 675,7
2011 230,3 355,7 586,0
2012 223,8 301,1 524,9
2013 206,2 246,0 452,2
2014 195,8 206,5 402,3
2015 203,9 180,5 384,4
2016 203,7 155,2 358,9
2017 214,0 148,2 362,2
Quelle: Bafin Jahresberichte

Quelle: Bafin Jahresberichte

Gegenüber dem Vorjahr sind die Neuemissionen wieder leicht gestiegen (2017: 48,8 Milliarden Euro, 2016: 45,5 Milliarden Euro, 2015: 58,1 Milliarden Euro, 2011: 71,6 Mrd. Euro, 2007: 135,3 Euro). Die Entwicklung des Gesamtabsatzes  ist auf einen leichten Wachstum bei Hypothekenpfandbriefen und den Öffentlichen Pfandbriefen zurückzuführen.  

Warum ist der Anteil öffentlicher Pfandbriefe rückgängig?

Während der Hypothekenpfandbrief wieder Kurs aufnimmt, verliert der Öffentliche Pfandbrief immer mehr an Gewicht. Dieser Umstand ist der abnehmenden strategischen Bedeutung der Staatfinanzierung geschuldet, die eine geringere Refinanzierung über öffentliche Pfandbriefe erforderlich macht. Aufgrund der veränderten Regulierung haben sich viele Institute aus diesem Geschäft teilweise oder ganz zurückgezogen.

Entwicklung der Zinsstrukturkurve für Pfandbriefe

Quellen:

  • Deutsche Bundesbank

Die DGZF Pfandbriefkurve ist ein bekannter Indikatior für die Entwicklung von Bauzinsen.