Hohe Zinsen auf Tagesgeld

Wie schaffen es Banken, so hohe Zinsen aufs Tagesgeld oder Festgeld zu zahlen?

Wenngleich sich wohl jeder Sparer über möglichst hohe Zinsen auf seinem Tagesgeldkonto freut und unser Tagesgeld-Vergleich auch jede Menge attraktiver Angebote bereithält, so fragt sich der eine oder andere, wie es die Banken fertig bringen, so hohe Zinsen auf Tagesgeld oder Festgeld zu bieten.

Diese Frage wollen wir im Ratgeber auf dieser Seite beantworten. Als Hauptgründe lassen sich neben der Neukundengewinnung, auf welche wir am Ende dieses Ratgebers noch eingehen werden, vor allem die Aufschläge auf den Referenzzins für das Leihen und Verleihen von Geld im Interbankengeschäft ausmachen.

Zinssatz im Interbankengeschäft

Um Ihnen diese Aufschläge zu erklären, müssen wir jedoch ein wenig ausholen und uns mit der Frage befassen, auf welche Weise sich Banken frisches Geld verschaffen.

Neben Zentralbankgeld leihen sich Banken im Normalfall untereinander Geld. Als Referenzzins für diese Geldgeschäfte dient der so genannte Euribor, welcher täglich für verschiedene Laufzeiten ermittelt und veröffentlicht wird (Details zum Euribor sowie zu seiner Entwicklung finden interessierte Leser auf http://www.tagesgeldvergleich.net/tagesgeld-lexikon/euribor.html).

Genau bei diesem Kreislauf von Geschäftsbankgeld liegt einer der Hauptgründe für die derzeit so hohen Zinsen auf Tages- oder Festgeld. Während im August 2008 der Leitzinssatz der EZB bei 4,25 Prozent lag, betrug der Euribor für Dreimonatsgeld im selben Monat durchschnittlich 4,97 Prozent und für Zwölfmonatgeld gar 5,32 Prozent.

Im Normalfall liegt der Euribor sehr dicht am Leitzinssatz. Der Grund für Abweichungen, wie sie im Jahr 2008 zu beobachten sind, liegt in der US-Finanzkrise begründet. Die Banken misstrauen sich seit dem Ausbruch der Krise gegenseitig und leihen sich kaum noch Geld untereinander. Bei ungebrochener Nachfrage macht sich ein geringeres Angebot immer in einem höheren Preis bemerkbar, was in diesem Fall den bereits erwähnten Zinsaufschlag verursacht.

Daher ist es derzeit für Banken einfacher, sich frisches Geld über Sichteinlagen von Privatkunden zu holen, anstatt es zu höheren Zinsen von einer anderen Bank zu leihen. Gehen wir vom angesprochenen Zwölfmonatszins in Höhe von 5,32 Prozent aus (Stand August 2008), dann wird bei einem kurzen Abgleich mit den Daten aus unserem Tagesgeldrechner schnell deutlich, dass – abgesehen von ausländischen Banken, für welche die oben angegebenen Referenzzinsen nicht zwingend gelten – auf Sicht von zwölf Monaten keine Bank höhere Zinsen als den Zwölfmonats-Euribor an ihre Anleger zahlt.

Die Differenz zwischen den Zinsen, welche Anleger für ihre Einlagen erhalten, und dem besagten Zwölfmonats-Euribor ist die Ersparnis der Bank, wenn sie sich frisches Geld über Privateinlagen besorgt.

Da es sich hier um Größenordnungen von bis zu mehreren hundert Millionen Euro handelt, können schon Zinsunterschiede von 0,20 oder 0,30 Prozentpunkten eine ganze Menge Geld bedeuten, was wir Ihnen nachfolgend an einem kurzen Beispiel aufzeigen wollen:

Finanzierungsform Interbankengeschäft BMW Bank Festgeld netbank Tagesgeld
Zwölfmonatszins 5,32 Prozent 5,10 Prozent 4,61 Prozent
Differenz zum Zwölf-
monats-Euribor
0,00 Prozentpunkte 0,22 Prozentpunkte 0,71 Prozentpunkte
Benötigte Einlagen 100 Millionen Euro
Finanzierungskosten 5,32 Millionen Euro 5,10 Millionen Euro 4,61 Millionen Euro
Ersparnis   220.000,- Euro 710.000,- Euro
Zum Angebot   BMW Bank Festgeld netbank Tagesgeld
Stand: August 2008

Neukundengewinnung

Der zweite Hauptgrund für die hohen Zinsen auf Tages- oder Festgelder ist die Gewinnung von Neukunden.

Da für jedes eröffnete Konto auch Vertriebs- und Verwaltungskosten anfallen, kann es durchaus beabsichtigt sein, dass Banken an Neukunden erst einmal nichts verdienen.

Hier stehen aber fast immer ein Zeitraum von mehreren Jahren sowie die Möglichkeit des so genannten Cross-Sellings im Raum. Zum einen können sich die anfänglich hohen Kosten der Neukundengewinnung über mehrere Jahre hinweg doch rechnen und zum anderen gehen Banken davon aus, ihren Kunden weitere Produkte verkaufen zu können, an welchen sie dann entsprechend verdienen. Dabei kann es sich um einen Kredit, ein Depot, einzelne Wertpapiere oder auch ein Girokonto handeln. In diesem Punkt lassen sich die meisten Banken jedoch nicht in die Karten schauen, wie genau sie intern die Kosten der Neukundengewinnung kalkulieren und inwiefern das die bereits eingangs angesprochenen hohen Zinsen für ebendiese Neukunden rechtfertigt.

Nutzung der Zinsdefferenzen beim Weiterverleihen des eingenommenen Geldes

Ursprünglich schöpften Banken ihren Gewinn aus der Differenz zwischen dem Zinssatz, welchen Sie Anlegern für deren Einlagen zahlten, und dem Zinssatz, welchen Sie Kreditnehmern für aufgenommene Darlehen in Rechnung stellten. Genau so funktioniert das Kerngeschäft der Banken auch heute noch, was wir Ihnen in unserem Tagesgeld-Lexikon zum Thema Fristenkongruenz anhand zweier Beispiele erläutert haben.

Ihnen als Kunde kann die Intention der Bank auch relativ egal sein, da Sie bei einem Tagesgeldkonto täglich bzw. beim Festgeldkonto nach Ablauf der vereinbarten Laufzeit ihr Konto ohne Gebühren wechseln können. Entsprechende Angebote finden Sie in den Vergleichen auf unseren folgenden Seiten: