Geldvermögen privater Haushalte

Was ist das Geldvermögen?

Das Gabler Bank-Lexikon definiert Geldvermögen als "Differenz zwischen Forderungen und Schulden (Verbindlichkeiten) einer Wirtschaftseinheit" (Gabler Bank-Lexikon 14. Auflage, S.609) . In unserem Fall beziffert es das Vermögen der privaten Haushalte in Deutschland. Zum Geldvermögen gehören neben dem Bestand an Bargeld und Sicht- sowie Termineinlagen auch längerfristige Anlageformen. Sachwerte wie Immobilien oder Firmenbeteiligungen hingegegn werden nicht dem Geldverrmögen zugeordnet.

Die Vermögensuhr: Entwicklung des Geldvermögens pro Sekunde

Unsere Vermögensuhr zeigt nachfolgend die Entwicklung des Geldvermögens pro Sekunde - basierend auf dem Zuwachs zwischen den letzten beiden von der Bundesbank veröffentlichten Quartalen und gegliedert nach den wichtigsten Anlageformen:

Verwendungszweck Betrag

  • Bargeld und Einlagen 0
  • Lebens- und Rentenversicherungen 0
  • Aktien 0
  • sonstige Anteilsrechte 0
  • Geldmarktfonds 0
  • sonstige Investmentfonds 0
  • Festverzinsliche Wertpapiere 0
  • sonstige Forderungen 0
  • Gesamt 0

Auszug vom um Blatt 1 von 1

Alle Berechnungen erfolgen auf Grundlage von Daten der Deutschen Bundesbank zum 2. Quartal 2018 und 3. Quartal 2018 (Monatsbericht 01/2019)

Zuwachs bei Bargeld und Einlagen

  • Zuwachs 3. Quartal 2018 gegenüber 2. Quartal 2018: rund 4.315 EUR pro Sekunde
  • Zuwachs 2. Quartal 2018 gegenüber 1. Quartal 2018: rund 5.520 EUR pro Sekunde

Nachfrage nach Anleihen steigt wieder

Auf die leicht steigenden Renditen von Anleihen reagieren Anleger wie erwartet. Die Nachfrage nach festverzinslichen Wertpapieren ist im 3. Quartal weiter gestiegen:

  • Zuwachs 3. Quartal 2018 gegenüber 2. Quartal 2018: rund 415 EUR pro Sekunde
  • Zuwachs 2. Quartal 2018 gegenüber 1. Quartal 2018: rund 305 EUR pro Sekunde

Geldvermögen der Deutschen nimmt weiter zu

  • Zuwachs 3. Quartal 2018 gegenüber 2. Quartal 2018: rund 9.612 EUR pro Sekunde
  • Zuwachs 2. Quartal 2018 gegenüber 1. Quartal 2018: rund 10.226 EUR pro Sekunde

Wie wird das Geldvermögen ermittelt?

Die Höhe des Geldvermögens wird von der Deutschen Bundesbank im Rahmen ihrer Finanzierungsrechnung ermittelt. Darüber hinaus werden Stichproben in Bezug auf Höhe und Entwicklung des Geldvermögens durchgeführt.

Auf diese Anlageformen teilt sich das Geldvermögen privater Haushalte auf

Die Deutsche Bundesbank unterteilt das Geldvermögen der Privathaushalte in folgende Gruppen:

Bargeld und Einlagen

  • Bargeld und Sichteinlagen
  • Sonstige Einlagen

Termineinlagen

  • Termineinlagen bis einschließlich zwei Jahre Laufzeit
  • Termineinlagen über zwei Jahre Laufzeit

Spareinlagen

  • Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist (Sparbücher)
  • Spareinlagen mit mehr als dreimonatiger Kündigungsfrist

Sparbriefe

Wertpapiere (ohne Anteilsrechte) und Finanzderivate

  • Geldmarktpapiere
  • Langfristige festverzinsliche Wertpapiere
  • Anteilsrechte
  • Aktien
  • Sonstige Anteilsrechte

Investmentzertifikate

  • Geldmarktzertifikate
  • Sonstige Investmentzertifikate

Versicherungstechnische Rückstellungen

  • Ansprüche gegenüber Versicherungen
  • Prämienüberträge und Rückstellungen für eingetretene Versicherungsfälle
  • Längerfristige Ansprüche aus Versicherungsverträgen
  • Ansprüche aus Pensionsrückstellungen

Sonstige Forderungen

Wie hat sich das Geldvermögen der Privathaushalte in Deutschland entwickelt?

Die aktuelle Entwicklung des Geldvermögens gibt unsere nachfolgende Statistik wieder.

Quellen:

  • Deutsche Bundesbank/gemäß ESVG 2010

 

Geldver ­mögen* 2014 2015 2016 3. Quartal 2017 4. Quartal 2017 1. Quartal 2018 2. Quartal 2018 3. Quartal 2018
Bargeld und Einlagen gesamt 1998,1 2094,8 2208,8 2270,1 2311,0 2327,7 2371,1 2405,4
Bargeld und Sicht ­einlagen 1109,1 1235,6 1362,4 1437,9 1479,1 1497,5 1542,0 1575,5
Termin ­einlagen 256,4 246,8 248,7 243,1 245,4 246,6 248,6 250,6
Spareinlagen und Sparbriefe 632,7 612,4 597,7 589,1 586,5 283,6 580,5 579,8
Schuldver ­schreibungen 162,2 139,8 127,4 123,6 120,5 117,7 118,1 119,3
inländische Kapital ­gesellschaften 92,8 89,4 85,6 85,1 82,5 81,2 81,4 82,5
des Staates 9,6 6,5 5,0 4,1 3,9 3,7 3,5 3,4
des Auslands 59,8 50,3 41,8 38,5 37,9 36,4 36,7 36,9
Aktien und sonstige Anteils ­rechte 508,9 555,9 588,3 630,6 640,1 624,5 629,0 643,8
börsen ­notierte Aktien inländischer Kapital ­gesellschaften 169,7 188,9 200,8 223,7 226,4 217,3 214,2 217,2
börsen ­notierte Aktien des Auslands 64,0 74,8 86,8 96,5 101,0 97,7 102,9 111,4
nicht-börsen ­notierte Aktien und Sonstige Anteils ­rechte 275,3 292,2 300,8 310,3 312,7 309,5 311,9 315,2
Anteile an Investment ­fonds 442,5 484,8 517,8 560,7 576,2 572,1 586,3 595,7
Versicherungs-, Alters ­sicherungs- und Standard ­garantie-Systeme 1945,0 2030,4 2106,9 2173,9 2201,6 2222,3 2240,0 2256,5
Ansprüche aus Rück ­stellungen bei Nichtlebens ­versicherungen und Rückstellungen für Forderungen im Rahmen standardisierter Garantien 307,3 324,3 339,9 352,3 360,1 364,3 368,6 372,7
Ansprüche aus Rückstellungen bei Lebens ­versicherungen 885,6 919,5 947,8 981,9 991,4 1003,8 1012,4 1020,3
Ansprüche gegenüber Alterssicherungs ­systemen 752,1 786,6 819,2 839,7 850,1 854,2 859,0 863,5
Finanzderivate und Mitarbeiter ­aktienoptionen 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0
Sonstige Forderungen 35,8 37,1 32,6 31,7 31,1 31,5 31,8 31,8
Insgesamt 5092,5 5342,8 5581,8 5790,6 5880,5 5895,8 5976,2 6052,6

* in Mrd. Euro (unkonsolidiert) - Stand: 01/2019 - Quelle: Bundesbank

Entwicklung des Geldvermögens der Privathaushalte (Methode bis 1. Quartal 2014)

Quellen:

  • Deutsche Bundesbank/gemäß ESVG 1995

 

Die Struktur des Geldvermögens im Zeitverlauf

Wie sich die Struktur des Geldvermögens der Privathaushalte in Deutschland seit 1999 entwickelt hat, zeigt unsere nachfolgende Statistik:

Quellen:

  • Bundesbank.de

Quick Facts

Die wichtigsten Fakten zur Entwicklung der Struktur des Geldvermögens auf einen Blick:

  • Der Anteil von Bargeld und Sichteinlagen hat sich seit 1999 um 171 Prozent erhöht.
  • Der Anteil des auf Sparbüchern angelegten Geldes ist seit 1999 um 52 Prozent gesunken.
  • Der Anteil des in Aktien angelegten Geldes ist seit 1999 um 33 Prozent gesunken aber vom Tiefpunkt aus 2009 bereits um 23 Prozent gestiegen.
  • In Lebens- und Rentenversicherungen steckt 31 Prozent mehr Geld als 1999. Mit knapp 37 Prozent stellen die Versicherungen den größten Bestandteil des Geldvermögens dar.
Aufteilung des Geldvermögens deutscher Privathaushalte

Was sind Sichteinlagen

Bei Sichteinlagen handelt es sich um Bankguthaben ohne vereinbarte Laufzeit oder Kündigungsfrist bzw. mit entsprechenden Vereinbarungen unter einem Monat. In der Regel handelt es sich un täglich fällige Einlagen die jederzeit verfügbar sind. Klassischerweise ist das Girokonto die bekannteste und häufigste Sichteinlage.

Quellen:

  • Deutsche Bundesbank

 

Statistik zu den Sichteinlagen in Deutschland seit 1999

Quartal Angabe in Mrd. Euro
01.01.1999 230,7
01.04.1999 244,9
01.07.1999 247,1
01.10.1999 254,6
01.01.2000 263,6
01.04.2000 257,1
01.07.2000 253,2
01.10.2000 259,4
01.01.2001 266,8
01.04.2001 279,3
01.07.2001 290
01.10.2001 320,2
01.01.2002 325,1
01.04.2002 338,1
01.07.2002 335,7
01.10.2002 352,8
01.01.2003 365,7
01.04.2003 375,6
01.07.2003 380
01.10.2003 388,2
01.01.2004 397
01.04.2004 405,3
01.07.2004 404,4
01.10.2004 414,9
01.01.2005 421,7
01.04.2005 432,1
01.07.2005 435,2
01.10.2005 448,1
01.01.2006 449,3
01.04.2006 453,6
01.07.2006 442,2
01.10.2006 450,3
01.01.2007 450
01.04.2007 462,6
01.07.2007 462,7
01.10.2007 472,1
01.01.2008 467,5
01.04.2008 466
01.07.2008 463,2
01.10.2008 495,1
01.01.2009 543
01.04.2009 575,8
01.07.2009 600,8
01.10.2009 633,9
01.01.2010 650,8
01.04.2010 670,2
01.07.2010 676,2
01.10.2010 694,4
01.01.2011 694,1
01.04.2011 701,9
01.07.2011 709,9
01.10.2011 727,1
01.01.2012 737,6
01.04.2012 761,4
01.07.2012 786,6
01.10.2012 818,3
01.01.2013 836,8
01.04.2013 862,5
01.07.2013 878,8
01.10.2013 907,8
01.01.2014 916
01.04.2014 935,9
01.07.2014 947,8
01.10.2014 981,4
01.01.2015 1000,6
01.04.2015 1035,1
01.07.2015 1050,1
01.10.2015 1082,4
01.01.2016 1089,8
01.04.2016 1117,9
01.07.2016 1141,5
01.10.2016 1188
01.01.2017 1201,2
01.04.2017 1231,2
01.07.2017 1251,8
01.10.2017 1287,7
01.01.2018 1299,8
01.04.2018 1333,7
01.07.2018 1354,9
Quelle: Deutsche Bundesbank

Welche Anlageformen haben die größten Zu- bzw. Abflüsse?

Wie Sie unserer oben stehenden Tabelle entnehmen können, gab es seit 1993 die größten prozentualen Zuflüsse mit 241,41 Prozent bei den Lebens- und Rentenversicherungen sowie mit 230,76 Prozent bei den Investmentzertifikaten. Die größten prozentualen Mittelabflüsse gab es bei Geldmarktfonds. Aus diesen zogen Anleger von 1993 bis 2013 46,38 Prozent der angelegten Gelder ab.

Auch bei den absoluten Zuflüssen liegen Lebens- und Rentenversicherungen mit einem Plus von 1.097,20 Mrd. Euro auf Platz 1, gefolgt von Bargeld und Einlagen mit einem Plus von 993,20 Mrd. Euro. Größter Verlierer auch hier Geldmarktpapiere, aus denen Anleger zwischen 1993 und 2013 rund 3,20 Mrd. Euro abgezogen haben.

Veränderung der Anlageformen innerhalb des Geldvermögens privater Haushalte

Statistiken zur Verteilung des Geldvermögens

Sozialausgaben und Vermögensanteil der unteren Hälfte

Eine aus unserer Sicht bemerkenswerte Infografik haben wir im Gutachten des IW Köln zum Thema "Die Vermögensverteilung im internationalen Vergleich" aus dem Juni 2018 gefunden [1]. Die Grafik zeigt auf, dass der Vermögensanteil der unteren Hälfte der Bevölkerung einer Volkswirtschaft umso geringer ist, je höher die kaufkraftbereinigten Sozialausgaben des Landes sind. Unsere Vermutung: je höher die Sozialausgaben und damit die Sozialstandards, desto weniger die Notwendigkeit, eigenes Vermögen anzusparen. Aber werfen Sie doch einfach selbst einen Blick auf die Daten:

Zusammenhang zwischen Sozialausgaben eines Landes und dem Vermögensanteil der unteren Hälfte

Verteilung des Nettovermögens nach Haushaltsgruppen

Ebenso interessant wie die eben vorgestellte Statistik ist auch die Verteilung des Nettovermögens auf die verschiedenen Haushaltsgruppen in Deutschland. Wir greifen dazu auf eine Erhebnung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag der Hans Böckler Stiftung aus dem Jahr 2017 zurück [2], die eine Schätzung der Aufteilung auf Haushalte nach ihrem Vermögen in Gruppen, denen jeweils fünf Prozent der Haushalte entsprechen, abliefert:

Aufteilung des Nettovermögens in Deutschland auf die einzelnen Haushaltsgruppen

Verteilung des Nettovermögens nach Altersgruppen

Die Vermögensbefragung 2014 der Deutschen Bundesbank [3] hält einige interessante Daten zum Nettovernögen bereit. So unter anderem die Verteilung auf die verschiedenen Altersgruppen. Wie zu erwarten haben die Jüngeren noch wenig Vermögen. Bis zur Altersgruppe der 55- bis 64-jährigen steigt das Vermögen dann an, um ab einem Alter von 65+ wieder zu sinken, wenn es im Zuge der Rente aufgebraucht wird:

Verteilung des Nettovermögens in Deutschland nach Altersgruppen

Verteilung des Nettovermögens nach sozialer Stellung

Die Verteilung der Nettovermögen privater Haushalte nach sozialer Stellung auf Basis von Daten der Vermögensbefragung 2014 der Deutschen Bundesbank [3] ist aus unserer Sicht interessant, weil sie den Unterschied zwischen Beamten und Angestellen/Arbeitern sowie Rentnern und Pensionären sehr deutlich aufzeigt:

Sowohl im Durchschnitt als auch im Median, der den Wert angibt, an dem genau die Hälfte der Bevölkerungsgruppe mehr oder weniger Nettovermögen hat, liegen Beamte deutlich vor Angestellten/Arbeitern und Pensionäre deutlich vor Rentnern.

Selbst das überdurchschnittlich hohe Nettovermögen von Selbstständigen relativiert sich im Median auf kaum mehr als das von Beamten und bei der Betrachtung dieser Werte darf nicht vergessen werden, dass Selbstständige fast immer ihre Altersvorsorge aus dem eigenen Vermögen bestreiten müssen:

Verteilung des Nettovermögens in Deutschland nach sozialer Stellung

Bruttovermögen pro Haushalt nach Altersgruppen

Interessant ist auch die Statistik des Bruttovermögens pro Haushalt nach Altersgruppen, die von der Deutschen Bundesbank aller Jahre veröffentlicht wird. Das Bruttovermögen setzt sich dabei aus dem Sachvermögen in Form von Immobilien, Fahrzeugen, Sammlungen, Schmuck etc. sowie dem Geldvermögen ohne Abzug von Schulden zusammen. Bis zum Renteneintritt nimmt es erwartungsgemäß zu, um dann innerhalb des Ruhestandes eingesetzt bzw. verzehrt zu werden:

Altersgruppe Bruttovermögen pro Haushalt
16 bis 24 Jahre 16.400 Euro
25 bis 34 Jahre 88.800 Euro
35 bis 44 Jahre 210.700 Euro
45 bis 54 Jahre 389.200 Euro
55 bis 64 Jahre 352.100 Euro
65 bis 74 Jahre 328.300 Euro
75 Jahre und älter 227.500 Euro
Quelle: Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2019

Warum sind Bargeld und Einlagen (Sicht- und Termineinlagen) so beliebt?

Als Sparformen mit gesetzlicher Einlagensicherung sind Tages- und Festgelder auf jeden Fall eine interessante Alternative zu Bundeswertpapieren oder aber zumindest eine Ergänzung. Während beim Tagesgeld täglich über das angelegte Geld verfügt werden kann, im Gegenzug die Bank aber auch - abgesehen von Zinsgarantien für Neukunden - auch täglich den Zins ändern kann, ist es beim Festgeld umgekehrt: der Zins ist über die gesamte vereinbarte Laufzeit garantiert, dafür kann über das angelegte Geld erst zum Ende der Laufzeit verfügt werden.

Wie hoch derzeit die Zinsen auf Tagesgeld und Festgeld sind, können Sie unseren aktuellen Zinsvergleichen entnehmen:

Quellen

[1] IW Köln "Die Vermögensverteilung im internationalen Vergleich" Juni 2018, Seite 10

[2] Hans Böckler Stiftung "Wie sind die Vermögen in Deutschland verteilt?" April 2017

[3] Deutsche Bundesbank "Vermögensbefragung 2014" März 2016