Was sind die Basel I / II / III Regeln und was bedeuten sie für Anleger?

Die Vorschriften Basel I, Basel II und Basel III vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht zur Eigenkapitalvereinbarung regeln, was Eigenkapital für Banken bedeutet und in welcher Höhe es vorhanden sein muss. Ziel der Regelungen ist unter anderem, dass Banken das Insolvenzrisiko bei der Kreditvorgabe reduzieren können, außerdem sollen die gesamtwirtschaftlichen Risiken einer Bankenpleite gesenkt werden.

Basel 1: Ursprung und Ziele

Basel 1 wurde erstmals im Jahr 1988 eingeführt. Der Auslöser für die Entwicklung dieser Regeln waren die instabilen Bankensysteme in den 1970er und 1980er Jahren. Das Hauptziel von Basel 1 bestand darin, das Kreditrisiko von Banken zu minimieren und dadurch das Vertrauen in das Finanzsystem wiederherzustellen.

Die wichtigsten Aspekte von Basel I sind:

  • Kapitalanforderungen: Basel I führte Mindestkapitalanforderungen für Banken ein. Die sogenannte Kernkapitalquote (Tier 1), die sich aus dem harten Kernkapital und dem zusätzlichen Kernkapital zusammensetzt, sollte mindestens 4% der risikogewichteten Aktiva betragen. Die Gesamtkapitalquote (Tier 1 + Tier 2) sollte mindestens 8% der risikogewichteten Aktiva betragen.
  • Risikogewichtung: Basel I führte ein System der Risikogewichtung ein, bei dem verschiedene Arten von Vermögenswerten je nach ihrem Risiko unterschiedlich gewichtet wurden. Beispielsweise wurden Staatsanleihen als risikofrei angesehen und mit 0% gewichtet, während Unternehmenskredite in der Regel mit 100% gewichtet wurden.
  • Off-Bilanz-Positionen: Basel I berücksichtigte auch Off-Bilanz-Positionen wie nicht genutzte Kreditlinien oder Derivate, die ebenfalls risikogewichtet und in die Berechnung der Kapitalanforderungen einbezogen wurden.

Trotz seiner Bedeutung wurde Basel I in den folgenden Jahren durch Basel II und Basel III ersetzt und weiterentwickelt, um den wachsenden Komplexitäten des Bankensektors besser gerecht zu werden.

Basel 2: Weiterentwicklung der Regeln

Basel 2 wurde im Jahr 2004 eingeführt und ersetzte das veraltete Basel-1-Abkommen. Diese Weiterentwicklung der Regeln hatte das Ziel, die Vorschriften zu verbessern und den Banken mehr Flexibilität bei der Risikobewertung zu ermöglichen. Basel 2 führte den sogenannten "Pillar 2" ein, der die interne Risikobewertung der Banken durch Aufsichtsbehörden überwachte. Zusätzlich wurde der "Pillar 3" eingeführt, der eine umfassendere Offenlegung der Risiken einer Bank gegenüber Investoren und der Öffentlichkeit vorschrieb.

Im Vergleich zu Basel 1 bot Basel 2 eine detailliertere Herangehensweise an das Risikomanagement. Die Banken erhielten mehr Spielraum bei der Bewertung der Kreditwürdigkeit von Kreditnehmern und konnten Risiken differenzierter bewerten. Dies führte zu einer präziseren Einschätzung der Bonität von Unternehmen und Individuen.

Basel II stützt sich auch hier auf drei Hauptsäulen:

  • Mindestkapitalanforderungen: Diese sollen das Verlustrisiko abdecken, wobei der Schwerpunkt auf dem Kreditrisiko, dem operationellen Risiko und dem Marktrisiko liegt. Im Rahmen dieser Säule sind die Banken verpflichtet, Kapital in Höhe von mindestens 8 % ihrer risikogewichteten Aktiva zu halten.
  • Aufsichtliches Überprüfungsverfahren: Diese Säule ermöglicht es den Aufsichtsbehörden, die internen Bewertungen und Strategien der Banken in Bezug auf die Angemessenheit ihrer Eigenkapitalausstattung zu überprüfen. Die Banken müssen über ein Verfahren zur Bewertung ihrer allgemeinen Kapital Adäquanz im Verhältnis zu ihrem Risikoprofil sowie über eine Strategie zur Aufrechterhaltung ihres Kapitalniveaus verfügen.
  • Marktdisziplin: Diese Säule fördert hohe Transparenz- und Offenlegungsstandards, die es dem Markt ermöglichen, die Geschäfte einer Bank und die damit verbundenen Risiken zu verstehen. Ziel ist es, die Stabilität des Finanzsystems zu erhöhen.

Mit der Umsetzung von Basel II sollte also vor allem die Sicherheit und Solidität des Finanzsystems verbessert werden. Es wurde jedoch kritisiert, dass es zu komplex sei und die Risiken nicht angemessen erfasse, insbesondere im Vorfeld der Finanzkrise von 2007-2008. Dies führte zur Entwicklung von Basel III, das diese Probleme durch eine Erhöhung der Eigenkapitalanforderungen und die Einführung neuer aufsichtsrechtlicher Anforderungen an die Liquidität und den Verschuldungsgrad von Banken angehen sollte.

Basel 3: Anpassung an die Finanzkrise

Basel 3 wurde als unmittelbare Reaktion auf die Finanzkrise von 2007-2008 entwickelt. Ziel war es nun, das Bankensystem widerstandsfähiger gegenüber Krisen zu machen und das Vertrauen der Anleger in die Banken zu stärken. Basel 3 führte strengere Vorschriften für das Risikomanagement und höhere Kapitalanforderungen ein, insbesondere für systemrelevante Banken.

Eine der wichtigsten Neuerungen von Basel 3 war die Einführung eines zusätzlichen Kapitalpuffers, um Banken in Zeiten von wirtschaftlicher Instabilität besser abzusichern. Dadurch sollen mögliche Verluste abgefangen und das Vertrauen der Anleger gestärkt werden. Des weiteren wurden strenge Liquiditätsanforderungen eingeführt, um sicherzustellen, dass Banken über ausreichend liquide Mittel verfügen, um mögliche Kapitalmarkt-Schocks besser und somit weniger risikobehaftet abfedern zu können.

Vorläufig beschlossene Reform von Basel 3

Die Reform von Basel III, die nun vorläufig beschlossen wurde, beinhaltet eine Reihe von Maßnahmen, die darauf abzielen, das internationale Bankensystem nochmals widerstandsfähiger und stabiler zu machen. Dies geschieht durch die Einführung neuer, strengerer Kapital- und Liquiditätsanforderungen für Banken.

Ein Hauptbestandteil der Reform ist die Erhöhung der Mindestanforderungen an das harte Kernkapital von bisher 2% auf nunmehr 4,5%. Darüber hinaus müssen Banken zusätzlich einen Kapitalerhaltungspuffer von weiteren 2,5% einhalten, was bedeutet, dass Banken im Wesentlichen verpflichtet sind, eine harte Kernkapitalquote von 7% aufrechtzuerhalten.

Zudem führt die Reform strengere Liquiditätsanforderungen ein, einschließlich der Einführung einer Liquidity Coverage Ratio (LCR) und einer Net Stable Funding Ratio (NSFR), die sicherstellen sollen, dass Banken über ausreichend hochwertige liquide Vermögenswerte verfügen, um etwaigen kurzfristigen Liquiditätsdruck standzuhalten.

Generelle Auswirkungen der Basel-Regeln auf Anleger

Die Basel-Regeln haben direkte Auswirkungen auf Anleger und das gesamte Finanzsystem. Einerseits tragen die Regeln zur Stabilität des Bankensystems bei, da sie sicherstellen, dass Banken über ausreichend Kapital verfügen, um Verluste abzufedern. Dies verringert das Risiko von Bankenzusammenbrüchen und den Bedarf an staatlichen Rettungsmaßnahmen.

Andererseits beeinflussen die Basel-Regeln die Kreditvergabe der Banken sowohl an Privatkunden als auch Unternehmen, was sich indirekt auch auf iauf Anleger als Solches auswirkt. Denn die Banken müssen sicherstellen, dass sie über ausreichend Kapital verfügen, um Kredite zu vergeben, und dass diese Kredite angemessen abgesichert sind. Was im Klartext Folgendes bedeutet:

Banken werden bei der Kreditvergabe an Privatpersonen und Unternehmen gezwungen restriktiver vorzugehen, was kurz- bis mittelfristig zu einer Verlangsamung des wirtschaftlichen Wachstums führen dürfte. Eine Abschwächung der Wirtschaft wirkt sich auf die Kapitalmärkte aus und schmälert so die Renditen potenzieller Anleger.

Doch auch die börsen-gelisteten Banken selbst laufen Gefahr für Anleger kurzfristig an Attraktivität zu verlieren. Denn sie sind nun dazu verpflichtet, risikoärmere Geschäfte besser zu belohnen beziehungsweise risikoreichere Geschäfte mit so viel Eigenkapital zu hinterlegen, dass sie sich nicht mehr lohnen und daher nicht mehr zu Stande kommen werden. Auch dies wird sich auf die Kurse von Bank-Werten in einer geringeren Rendite widerspiegeln.

Dennoch: Für Anleger bieten die Basel-Regeln jedoch auch Schutz. Die erhöhten Kapitalanforderungen und strengeren Risikomanagementstandards sollen sicherstellen, dass Banken besser auf finanzielle Turbulenzen vorbereitet sind. Dadurch wird das Vertrauen der Anleger in das Finanzsystem gestärkt und das Risiko von Verlusten verringert.

Zusammenfassung – 3 wesentliche Folgen für Anleger

  • Die strengere Regulierung der Banken führt kurz- bis mittelfristig zu niedrigeren relativen Gewinnen, was wiederum private Anleger betrifft, die in Bankaktien investiert haben.
  • Das gilt auch für Unternehmen, die nun für gewährte Kredite deutlich mehr Zinsen aufgrund eines eher durchschnittlichen Ratings bezahlen müssen, was sich auch negativ auf den Unternehmensgewinn und somit auch auf den Aktienkurs auswirken kann.
  • Eine weitere Auswirkung könnte sein, dass Versicherungen und andere institutionelle Anleger ihre langfristigen Investitionen in Banken reduzieren, was die Refinanzierungssituation der Banken weiter verschärft. Dies könnte sich mittelbar auch auf private Anleger auswirken, die in Bankaktien investiert haben.

Fazit

Fest steht: Die Basel-Regeln spielen eine bedeutende Rolle bei der Regulierung des globalen Bankensystems. Basel 1, Basel 2 und Basel 3 haben sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt und tragen dazu bei, die Stabilität, Integrität und Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems zu verbessern. Anleger sollten die Auswirkungen dieser Regeln verstehen und ihre potenziellen Auswirkungen auf ihre Anlageentscheidungen berücksichtigen.