Unter Anlegern ist das so genannte Zinshopping beim Tagesgeld in den letzten Jahren immer mehr in Mode gekommen.
Unter Zinshopping versteht man dabei die Ausnutzung auch kurzfristiger Sonderaktionen bei Tagesgeldkonten und den Wechsel zum nächsten Anbieter, sobald irgendwo bessere Konditionen, sprich höhere Zinsen, geboten werden.
Da diese Sonderaktionen zur Neukundengewinnung immer häufiger angeboten werden, wird es dem Anleger seitens der Banken recht einfach gemacht, sein Geld immer wieder auf neuen Tagesgeldkonten anzulegen.
Neben dem zeitlichen Aufwand für das Suchen solcher Angebote beschäftigt uns allerdings eher die Frage, wie groß der Zinsvorteil beim Zinshopping tatsächlich ist. Dazu konstruieren wir uns ein einfaches Beispiel:
Ein Anleger will ein Jahr lang 20.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto anlegen.
Auf der einen Seite hat er die Wahl, sein Geld bei quartalsweiser Zinsausschüttung sechs Monate lang zu 4,75 Prozent und danach zu 3,80 Prozent anzulegen (siehe aktuelles Angebote für das comdirect Bank Tagesgeld PLUS).
Auf der anderen Seite will er Zinshopping betreiben und nach Ablauf der sechs Monate mit seinem Geld zu einem anderen Anbieter wechseln, bei dem er ebenfall bei quartalsweiser Zinsausschüttung 4,50 Prozent bekommt, diesmal jedoch nur für 100 Tage (siehe etwa das aktuelle netbank Girokonto). Danach würde er im zweiten Fall erneut wechseln und bis zum Ende des Jahres beim dritten Anbieter angenommene 4,25 Prozent aufs Tagesgeld bekommen. Weiterhin nehmen wir an, dass beim Wechsel des Tagesgeldkontos die Banklaufzeit für die Überweisung des Geldes auf das Girokonto und vom Girokonto auf das neue Tagesgeldkonto jeweils drei Bankarbeitstage benötigt. Dieser Zeitraum ist wichtig, da währenddessen keine Zinsen erwirtschaftet werden können. Jetzt stellen wir beide Varianten einmal rechnerisch gegenüber (die Formeln für die Zinseszinsberechnung finden Sie auf der folgenden Seite: Zins und Zinseszins)
Variante 1: Anlage des Geldes auf einem Tagesgeldkonto über die vollen zwölf Monate
Zinsertrag für die ersten sechs Monate
Z1 = (20.000,00 Euro * (1 + (4,75) / (100 x 4)) 1 x 2) - 20.000,00 Euro = 477,82 Euro
Zinsertrag für die folgenden sechs Monate
Z2 =(20.477,82 Euro * (1 + (3,80) / (100 x 4)) 1 x 2) - 20.477,82 Euro = 390,92 Euro
Zinsertrag gesamt
Z = Z1 + Z2 = 477,82 Euro + 390,92 Euro = 868,74 Euro
Rendite p.a. = 4,34 Prozent
Variante 2: Zinshopping wie eingangs beschrieben
Zinsertrag für die ersten sechs Monate (182,5 Tage)
Z1 = (20.000,00 Euro * (1 + (4,75) / (100 x 4)) 1 x 2) - 20.000,00 Euro = 477,82 Euro
Zinsertrag für die folgenden 100 Tage
Z2 = (20.477,82 Euro * (1 + (4,50) / (100 x 4)) 1 x 1,09) - 20.477,82 Euro = 251,24 Euro
Zinsertrag für die folgenden 70,5 Tage
Z3 = (20.729,06 Euro * (1 + (4,25) / (100 x 4)) 1 x 0,77) - 20.729,06 Euro = 169,38 Euro
Zinsertrag gesamt
Z = Z1 + Z2 + Z3 = 477,82 Euro + 251,24 Euro + 169,38 Euro = 898,44 Euro
Rendite p.a. = 4,49 Prozent
Wie Sie dem Beispiel entnehmen können, beträgt der Mehrertrag beim Zinshopping in unserem Fall lediglich 29,70 Euro oder 0,15 Prozentpunkte. Ein Grund dafür sind unter anderem die insgesamt zwölf Tage, an denen das Geld nicht verzinst wird, da es entweder vom Girokonto aufs Tagesgeldkonto oder wieder zurück überwiesen wird. Rechnet man jetzt den zeitlichen Aufwand für die Suche nach aktuellen Angeboten gegen, so lohnt sich Zinshopping unserer Meinung nach erst bei wirklich hohen Beträgen.
Viel einfacher und empfehlenswerter ist es, sein Tagesgeldkonto mindestens zwölf Monate zu führen und maximal im Jahresrhythmus zu wechseln. Eine Auswahl attraktiv verzinster Tagesgeldkonten, die auch langfristig konstant hohe Zinsen bieten, finden Sie hier: Tagesgeldkonten im Vergleich.
Wer durchgängig hohe Zinsen in Anspruch nehmen will, der kann auch über ein Festgeldkonto nachdenken. Entsprechende Angebote finden Sie in unserem Festgeld-Vergleich.