Geldanlage 2016:
Sparer verschenken weiterhin Milliarden

Am 28. Oktober ist Weltspartag und Filialbanken und Sparkassen laden vor allem Kinder wieder ein, ihre Sparschweine mitzubringen und das Geld gewinnbringend anzulegen. Hinsichtlich der durchschnittlichen Verzinsung auf Sparbüchern darf allerdings daran gezweifelt werden, ob sich dieser Weg lohnt. Die meisten Sparbücher bieten im Schnitt nur 0,1 Prozent Zinsen – meist weniger. Ein Umstand, der auch erwachsene Sparer nachdenklich machen sollte. Die anhaltende Niedrigzinsphase hat die Zinssätze entsprechender Einlagen praktisch auf den Nullpunkt gedrückt. Schuldig an der Zinsmisere ist in erster Linie die Europäische Zentralbank (EZB), die von Finanzinstituten inzwischen Strafzinsen für das Parken von Einlagen verlangt. Der Leitzins liegt seit einigen Monaten auf historischen 0,00 Prozent. Insofern stellt sich die allgemeine Frage: Legen Sparer ihr Geld noch zeitgemäß an?

Eine Zinswende scheint in weiter Ferne zu liegen. Indes hält den deutschen Sparer derzeit wenig davon ab, sein Geld immer noch in die sicheren Häfen zu steuern, d. h. Sparanlagen, Tagesgelder & Co. Wie ein Blick auf das Neugeschäft der Banken für täglich fällige Einlagen privater Haushalte zeigt, erklimmt dieses monatlich neue Rekordhöhen. Die Bundesbank weist einen Wert von 1.171,644 Milliarden Euro (Stand: 08/2016) aus. Innerhalb von 12 Monaten ein Anstieg um mehr als 8,56 Prozent.

Wird die Entwicklung des Geldvermögens privater Haushalte betrachtet, verstärkt sich der Eindruck, dass sich die Bundesbürger in Bargeld und Bankguthaben flüchten. Im 2. Quartal 2016 stieg jener Anteil um 25 Milliarden Euro. Der Gesamtanstieg des Geldvermögens lag in diesem Zeitfenster bei 44 Milliarden Euro. Insgesamt kletterte das Geldvermögen der Privathaushalte auf einen Rekordwert von 5.401 Milliarden Euro.

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Steigendes Renditebewusstsein attestiert die Bundesbank den Bundesbürgern, da jene zuletzt etwas Geld aus Spareinlagen abzogen und sich stärker in Investmentfonds engagierten. Gleichzeitig investierten die Anleger aber weniger in Aktien und Anteilsrechte. Dementsprechend lässt sich eine wirkliche Trendwende nicht erkennen. Bestenfalls tritt dieser Effekt langsam ein.

Sparer verschenken in 12 Monaten ca. 110 Milliarden Euro

Dass die Deutschen damit jährlich immense Beträge verschenken, zeigt das nachfolgende Beispiel. Zunächst wurde die Rendite einer Anlage von 10.000 Euro für eine Anlagedauer von 12 Monaten auf einem durchschnittlichen Tagesgeld, einem durchschnittlichen Top-5-Tagesgeld, einem Festgeld oder in Aktien (als Basis dient der DAX30) berechnet.

Verschenkte Rendite Sparer 12 Monate
Verschenkte Rendite für eine Anlage von 12 Monaten - Quelle: Tagesgeldvergleich.net/Bundesbank

Im Ergebnis liegen Aktien mit einer Rendite von 10,53 Prozent weit vorne. Unterm Strich verfügte der Anleger somit über ca. 11.053 Euro nach einem Jahr. Abgeschlagen, aber immerhin vertretbar, wäre ein Festgeld mit soliden 1,65 Prozent Zinsen – eine Verzinsung die sich weiterhin erzielen lässt. Abgeschlagen auf dem letzten Platz findet sich das durchschnittliche Tagesgeld. Gerade mal 35 Euro gibt es für die 12-monatige 10.000-Euro-Anlage.

Basierend auf diesen Daten: Hätten die deutschen Sparer ihr Geld im Oktober 2015 nicht als täglich fällige Einlage bei Banken angelegt (das Neugeschäftsvolumen betrug zu diesem Zeitpunkt 1.089,962 Milliarden Euro), sondern auf die Entwicklung des DAX gesetzt, wären sie heute um 110,958 Milliarden Euro reicher. Diesen Betrag haben die Bundesbürger mehr oder weniger verschenkt. Selbst mit einem soliden Festgeld wäre ein Plus von 14,169 Milliarden Euro gegenüber dem durchschnittlichen Tagesgeld drin gewesen.

Übersicht: Die besten Zinsen für Sparer

So sieht die Lage derzeit aus. In unserer Übersicht finden Sparer die aktuell besten Zinsen für verschiedene Anlagen und den jeweiligen Durchschnittszins.

Crowdfunding

bis zu
9,00% p.a.

Durchschnittszins
4,89% p.a.
von 26 Angeboten

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P2P-Lending

bis zu
5,50% p.a.

Durchschnittszins
4,78% p.a.
von 8 Angeboten

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Festgeld (USD) 60 Monate

bis zu
2,60% p.a.

Durchschnittszins
2,45% p.a.
von 2 Angeboten

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Festgeld (EUR) 60 Monate

bis zu
1,85% p.a.

Durchschnittszins
0,87% p.a.
von 62 Angeboten

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Festgeld (EUR) 36 Monate

bis zu
1,67% p.a.

Durchschnittszins
0,78% p.a.
von 84 Angeboten

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Festgeld (EUR) 12 Monate

bis zu
1,30% p.a.

Durchschnittszins
0,56% p.a.
von 98 Angeboten

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Tagesgeld

bis zu
1,00% p.a.

Durchschnittszins
0,20% p.a.
von 97 Angeboten

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Festgeld (EUR) 6 Monate

bis zu
1,00% p.a.

Durchschnittszins
0,38% p.a.
von 56 Angeboten

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Sparbuch

bis zu
0,60% p.a.

Durchschnittszins
0,09% p.a.
von 51 Angeboten

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Die durchschnittliche Rendite berechnet sich jeweils aus der Gesamtzahl der Angebote im jeweiligen Vergleich.

Fazit

Prinzipiell ist Sparen weiterhin wichtig und richtig. Experten empfehlen zwei bis drei Monatseinkommen täglich verfügbar zur Seite zu legen. Hier ist die maximale Rendite nicht unbedingt relevant. Idealerweise sollte die durchschnittliche Inflation geschlagen werden, sodass eine positive Realrendite erreicht wird. 2016 liegt die mittlere Inflationsrate aktuell bei 0,29 Prozent.

Für Beträge, die darüber hinausgehen, empfiehlt sich eine individuelle und ggf. längerfristige Anlagestrategie. Festgeldkonten sind z. B. (marginal) besser verzinst und eine interessante Variante für 12 oder 24 Monate. In dieser Zeit sind die Zinsen festgeschrieben.

Fonds, ETFs und Aktien sind hinsichtlich der erwartbaren Rendite die interessanteste Möglichkeit. Wie vielfach erwähnt, bergen sie zwar immer ein gewisses Risiko, belohnen aber in der Regel den Anleger, wenn dieser langfristig plant.

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