Abgeltungssteuer

Was ist die Abgeltungssteuer?

Seit dem 1. Januar 2009 gilt die so genannte Abgeltungssteuer. Mit ihrem einheitlichen Steuersatz von 26,35 Prozent (25 Prozent zzgl. 5,50 Prozent Solidaritätszuschlag) werden durch sie sämtliche Kapitalerträge von Anlegern und Sparern in gleicher Höhe besteuert und direkt an der Quelle - also etwa bei der kontoführendem Bank oder dem Online-Broker - an das zuständige Finanzamt abgeführt.

Abgeltungssteuer berechnen

Wie hoch die Abgeltungssteuer im Einzelfall ist, können Sie mit unserem Abgeltungssteuerrechner ermitteln:

Abgeltungssteuerrechner

%

Jahre

Natürlich gibt es auch weiterhin einen Freibetrag, innerhalb dessen Kapitalerträge steuerfrei vereinnahmt werden können, nur schrumpft der, von derzeit 801 Euro pro Person als Sparerfreibetrag inkl. Werbungskostenpauschale zuzüglich 512 Euro Freibetrag für private Veräußerungsgeschäfte gemäß § 23 Abs. 3 EStG auf den dann nur noch 801 Euro pro Person hohen Sparerpauschbetrag, welcher alle Arten von Kapitalerträgen (Zinsen, Dividenden und Kursgewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften) abdeckt.

Auch die bisher geltende Spekulationsfrist von zwölf Monaten, nach deren Ablauf bislang Aktien, Fonds und andere Wertpapiere verkauft, und der entstandene Gewinn steuerfrei vereinnahmt werden konnte, fallen ersatzlos weg. Es kommt also zu einer Gleichstellung (fast) aller Anlage- und Sparformen.

Für alle Zinserträge innerhalb der Grenzen von Sparerfrei- bzw. Sparerpauschbetrag hat der Sparer die Möglichkeit, bei einem oder mehreren Kreditinstituten einen Freistellungsauftrag für Kapitalerträge einzureichen und bis zur darin angegebenen Grenze, höchstens jedoch den geltenden Freibeträgen, erzielte Zinsen steuerfrei und ohne Abzug zu vereinnahmen.

Uns interessieren auf dieser Seite natürlich ganz besonders die steuerlichen Auswirkungen auf die Zinserträge von Tages- und Festgeldkonten.

Bislang war es so, dass Zinserträge oberhalb des Sparerfreibetrages mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden mussten.

Da hierbei aber nicht der durchschnittliche Steuersatz sondern der so genannte Grenzsteuersatz zum tragen kommt, ergibt sich durch die Einführung der Abgeltungssteuer für fast alle Anleger, die ihr Geld in Form von Tages- oder Festgeld angelegt haben, eine steuerliche Entlastung.

Zum besseren Verständnis des Begriffes "Grenzsteuersatz" finden Sie entsprechende Erklärungen und Beispiele auf der folgenden Seite unseres Projektes: Grenzsteuersatz.

Ein ausführliches Beispiel zu den Entlastungen, die die Abgeltungssteuer aus steuerlicher Sicht einem Tagesgeld-Anleger bringt, haben wir auf der folgenden Seite für Sie vorbereitet: Steuerliche Behandlung von Tagesgeldzinsen.

Vereinfachend gilt: je höher der persönliche Steuersatz des Anlegers, desto größer die Steuerentlastung durch die Einführung der Abgeltungssteuer. Anleger, deren Grenzsteuersatz unterhalb von 26,35 Prozent liegt, brauchen sich aber auch keine Sorgen zu machen, dass sich ihre steuerliche Situation verschlechtert. Für sie gilt: zu viel abgeführte Steuern können Sie im Zuge ihrer Einkommensteuererklärung zurückfordern.

Beispiele für die Veränderung der Steuerlast durch die Abgeltungssteuer

Beispiel 1 – Kursgewinne und Dividendenerträge aus Aktien und Fonds

Unser Anleger bleibt mit allen Erträgen nach bis Ende 2008 geltender Gesetzgebung im steuerfreien Bereich.

Annahmen: Unser Anleger erzielt im Jahr Dividendenerträge von 750 Euro (als Bardividende, also schon abzüglich der durch das ausschüttende Unternehmen abgeführten Körperschaftssteuer), dazu kommen Kursgewinne in Höhe von 5.000 Euro außerhalb der zwölfmonatigen Spekulationsfrist. Der Grenzsteuersatz unseres Anlegers beträgt 40 Prozent, er muss keine Kirchensteuer entrichten und der Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 Euro steht voll zur Verfügung.

Kapitalerträge bis 2009 seit 2009
Dividenden 750 Euro nach Halbeinkünfteverfahren = 375 Euro anrechenbare Dividendenerträge
Steuerlast = 0 Euro, da innerhalb des
Sparerfreibetrages
750 Euro, kein Halbeinkünfteverfahren mehr, daher komplett anrechenbar
Steuerlast = 0 Euro, da innerhalb des Sparerfreibetrages
Kursgewinne Alle Kursgewinne steuerfrei, da außerhalb
der Spekulationsfrist erzielt.
Steuerlast = 0 Euro
5.000 Euro Kursgewinne werden mit 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent, also insgesamt 26,375 Prozent versteuert.
Steuerlast = 1.318,75 Euro
Steuerlast 0 Euro 1.318,75 Euro

Beispiel 2 – Kursgewinne und Dividendenerträge oberhalb des Sparerpauschbetrages

Unser Anleger bezieht nach nach bis Ende 2008 geltender Gesetzgebung Dividendenerträge oberhalb des Sparerpauschbetrages sowie weiterhin steuerfreie Kursgewinne.

Annahmen: Unser Anleger erzielt im Jahr Dividendenerträge von 2.500 Euro (als Bardividende, also schon abzüglich der durch das ausschüttende Unternehmen abgeführten Körperschaftssteuer), dazu kommen Kursgewinne in Höhe von 5.000 Euro außerhalb der zwölfmonatigen Spekulationsfrist sowie Kursgewinne von 5.000 Euro innerhalb der Spekulationsfrist. Der Grenzsteuersatz unseres Anlegers beträgt 40 Prozent, er muss keine Kirchensteuer entrichten und der Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 Euro steht voll zur Verfügung.

Kapitalerträge bis 2009 seit 2009
Dividenden 2.500 Euro nach Halbeinkünfteverfahren = 1.250 Euro anrechenbare Erträge. Abzüglich Sparerpauschbetrag von 801 Euro verbleiben 449 Euro zu versteuernde Dividenden.
Steuerlast = 179,60 Euro
2.500 Euro, kein Halbeinkünfteverfahren mehr, daher komplett anrechenbar. Abzüglich Sparerpauschbetrag von 801 Euro verbleiben 1.699 Euro zu versteuernde Dividenden.
Steuerlast = 448,11 Euro
Kursgewinne
innerhalb der
Spekulationsfrist
5.000 Euro innerhalb der Spekulationsfrist =2.500 Euro anrechenbare Erträge nach dem Halbeinkünfteverfahren.
Steuerlast = 1.000 Euro
5.000 Euro Kursgewinne werden mit 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent, also insgesamt 26,375 Prozent versteuert.
Steuerlast = 1.318,75 Euro
Kursgewinne
außerhalb der
Spekulationsfrist
Alle Kursgewinne steuerfrei, da außerhalb
der Spekulationsfrist erzielt.
5.000 Euro Kursgewinne werden mit 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent, also insgesamt 26,375 Prozent versteuert.
Steuerlast = 1.318,75 Euro
Steuerlast 1.179,60 Euro 3.085,61 Euro

Beispiel 3 – Zinserträge und Kursgewinne aus Anleihen sowie Tages- und Festgeld

Unser Anleger erzielt lediglich Einkünfte in Form von Zinserträgen und Kursgewinnen aus Anleihen.

Annahmen: Unser Anleger erzielt im Jahr 1.500 Euro Zinserträge sowie 1.000 Euro Kursgewinne aus dem Verkauf von Anleihen außerhalb der Spekulationsfrist. Darüber hinaus hat er noch 50.000 Euro zu 4,50 Prozent auf einem Tagesgeldkonto angelegt. Der Grenzsteuersatz unseres Anlegers beträgt 40 Prozent, er muss keine Kirchensteuer entrichten und der Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 Euro steht voll zur Verfügung.

Kapitalerträge bis 2009 seit 2009
Zinserträge aus
Anleihen
1.500 Euro abzüglich Sparerpauschbetrag von 801 Euro verbleiben 699 Euro zu versteuernde Zinserträge.
Steuerlast = 279,60 Euro
1.500 Euro abzüglich Sparerpauschbetrag von 801 Euro verbleiben 699 Euro zu versteuernde Zinserträge.
Steuerlast = 184,36 Euro
Kursgewinne
aus dem Verkauf
von Anleihen
außerhalb der
Spekulationsfrist
Alle Kursgewinne steuerfrei, da außerhalb
der Spekulationsfrist erzielt.
Steuerlast = 0 Euro
1.000 Euro Kursgewinne werden mit 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent, also insgesamt 26,375 Prozent versteuert.
Steuerlast = 263,75 Euro
Zinserträge vom
Tagesgeldkonto
5.000 x 4,50 Prozent = 2.250 Euro
Sparerpauschbetrag ist bereits durch die
Zinserträge der Anleihen ausgeschöpft.
Steuerlast = 900 Euro
5.000 x 4,50 Prozent = 2.250 Euro
Sparerpauschbetrag ist bereits durch die
Zinserträge der Anleihen ausgeschöpft.
Steuerlast = 593,44 Euro
Steuerlast 1.179,60 Euro 857,19 Euro

Wie Sie unseren Beispielen entnehmen können, lassen sich daraus einige grundlegende Schlussfolgerungen ziehen:

  • Die Steuerlast von Zinserträgen sinkt, sobald der Anleger einen Grenzsteuersatz von über 26,375 Prozent hat.
  • Die Steuerlast für Kursgewinne erhöht sich enorm, da diese mit Wegfall der Spekulationsfrist vollständig zu versteuern sind.
  • Die Steuerlast für Dividendenzahlungen steigt durch den Wegfall des Halbeinkünfteverfahrens, wenn der Anleger einen Steuersatz oberhalb von 23,74 Prozent hat (derzeitiger Spitzensteuersatz von 45 Prozent (Reichensteuer) zuzüglich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag ergibt 47,48 Prozent, wovn aufgrund des Halbeinkünfteverfahrens bis Ende 2008 nur 50 Prozent besteuert werden).
  • Anleger mit hohem Steuersatz und hohen Zinserträgen profitieren überdurchschnittlich von der Einführung der Abgeltungssteuer.
  • Anleger mit einem Steuersatz von unter 25 Prozent sind die eindeutigen Verlierer der Abgeltungssteuer. Zwar können sie zuviel gezahlte Steuer im Rahmen der Günstigerprüfung zurückerstatten lassen, jedoch sorgt der Wegfall von Spekulationsfrist und Halbeinkünfteverfahren bei ihnen für Zusatzbelastungen.
  • Anlagen, deren Gewinne in Zinserträgen bestehen, profitieren von der Einführung der Abgeltungssteuer.
  • Anlagen, deren Gewinne aus Kurszuwächsen bestehen, sind die Verlierer der Abgeltungssteuer.

Infografik zur Funktionsweise der Abgeltungssteuer

Funktionsweise der Abgeltungssteuer

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